Gemeinde vermeidet transparente Kommunikation

«Nullsummenspiel oder Kunstgriff», Ausgabe vom 19. September

Barbara Durrer Dorfstrasse 17, 9300 Wittenbach
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Problematisch beim Projekt Zentrum ist nicht das Verkaufen von öffentlichem Boden. Problematisch ist: Bei jeder Kommunikation vermeidet die Behörde die Begrifflichkeit «ersatzloser Verkauf». Nirgendwo, auch nicht im zwölfseitigen Gutachten, ist diese zu finden.

Warum fehlt eine eindeutige Begrifflichkeit? Beim ersatzlosen Verkauf von öffentlichem Boden wird der Erlös benutzt, um Infrastruktur zu finanzieren. Leider in Wittenbach eine gängige Praxis. Seit 2002 meldet die Gemeinde elf Positionen für verkauften Boden und nicht eine einzige für gekauften Boden. Das schwächt das Vermögen der Gemeinde.

Problematisch ist nicht, dass Investoren in Wittenbach investieren möchten, sondern dass die Gemeinde auslässt zu sagen, dass wir nicht in der Lage sind, dies mit den Steuern zu finanzieren. Die Behörde lässt glauben, dass wir uns das Millionenprojekt leisten können. Die Realität ist eine andere! Bei der Jahresrechnung 2016 sind wir nur dank des kantonalen Finanzausgleichs knapp den roten Zahlen entkommen.

Problematisch ist auch die Meinung, dass zusätzliche Wohnungen und ein grösseres Einkaufzentrum gut für unsere Finanzen wären. Wir haben seit 18 Jahren eine der höchsten Leerwohnungsziffern im Wahlkreis 1. Dabei hat sich der Steuerfuss schlechter entwickelt als bei den umliegenden Gemeinden. Seit 2010 ist er um 11,5 Prozent gestiegen und ist einer der höchsten der Region.

Experten und Banken warnen vor einer Immobilienblase. Noch lässt sich dabei eine Rendite von vier bis fünf Prozent erwirtschaften – bis die Blase platzt. Dann stehen die Gemeinden mit leeren Wohnungen da. Wann beginnt das Umdenken? Heute Zentrum. Morgen Betten Süd. Übermorgen die Dorfwiese Neuhus. Hunderte neuer Wohnungen! Mehr Autos, mehr Staus, mehr Lärm, mehr Verschmutzung. Ist das enkeltauglich?

Die Verschleierung der Nachteile von Grossprojekten führt dazu, dass erst nach sechs Jahren Probleme deutlich werden. Ein transparentes Kooperationsverfahren würde Bürgerinnen und Bürger motivieren sich einzubringen und könnte konsensfähige Rahmenbedingungen schaffen und Steuergelder sparen, da Projekte dann eher nicht in der Endphase abgelehnt würden.

Barbara Durrer Dorfstrasse 17, 9300 Wittenbach