GELÜBDE: «Es war ein Nach-Hause-Kommen»

Bald zählt das Kloster Notkersegg eine weitere Ordensfrau. Schwester Domenica feiert in zwei Wochen die Ewige Profess. Sie tritt damit für immer ins Kloster ein. Der Weg dahin war eine Zerreissprobe für sie.

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Schwester Maria Domenica hat sich entschieden: sie will die Ewige Profess ablegen. (Bild: PD/Sabine Rüthemann)

Schwester Maria Domenica hat sich entschieden: sie will die Ewige Profess ablegen. (Bild: PD/Sabine Rüthemann)

An einem Sonntagnachmittag im September 2009 kam die Bündnerin Annina Thomann als Laie genau zum Stundengebet in die Klosterkirche von Notkersegg. Sie erinnert sich deutlich: «In mir ging ein geistiger Sturm los, nein-ja-nein-ja.» Doch der Ruf Gottes sei sehr deutlich gewesen. Seit September 2010 lebt sie nun als Schwester Maria Domenica (37) im Kloster Notkersegg, am 6. August legt sie nun das definitive Ordensgelübe ab, die Ewige Profess.

Auf dem Weg ins Kloster nahm die junge Frau einige Umwege auf sich, es gab Krisenzeiten, aber auch Gewissheit. Geboren wurde sie in eine reformiert/katholische Familie hinein, aufgewachsen mit zwei Geschwistern in verschiedenen Bündner Gemeinden. Annina Thomann wurde reformiert getauft und hatte nicht wirklich eine Beziehung zu ihrer Kirche. Das änderte sich schlagartig, als sie mit 17 Jahren konfirmiert wurde. Am Konfirmationstag geschah etwas Überraschendes. «Ich drehte den Ring am Finger, den mir meine Eltern geschenkt hatten, und da war plötzlich das tiefe Verlangen, mich ganz Jesus zu schenken», erzählt Schwester Domenica.

Ausbildung und Konvertierung

Diese Sehnsucht hat sie in den folgenden Jahren nie mehr verlassen. Heimlich fing die junge Frau an, in der Heiratsbibel der Eltern zu lesen. Zu dieser Zeit schlugen die Eltern ihr vor, die Haushaltungsschule der Dominikanerinnen in Cazis zu besuchen. Das Schuljahr wurde wegweisend, sie begann, sich für das Katholische zu interessieren, was den Schwestern und den Mitschülerinnen nicht verborgen blieb. Einige halfen ihr, andere distanzierten sich.

Nach dem Schuljahr ging der Kontakt zur Gemeinschaft verloren, bis die Einladung in die Jugendgruppe bei ihr eintraf. «Zu Hause war niemand begeistert», sagt Schwester Domenica. «Doch meine Eltern fanden, dass ich mit 17 Schlimmeres tun könnte.» Sie begann die Krankenschwesternausbildung und konvertierte in die katholische Kirche. Heute beschreibt die Kapuzinerin diesen Schritt als «ein Nach-Hause-Kommen», für die Familie sei die Entscheidung aber nicht einfach zu verstehen gewesen.

Aufräumen und Umräumen

Nach Abschluss der Ausbildung nahm Annina Thomann als frisch diplomierte Krankenschwester eine Stelle im Pflegeheim in Cazis an. Freunde, Reisen und Arbeit waren aber bald viel wichtiger als das Glaubensleben. «Mein Leben fiel trotz vieler Möglichkeiten in ein dunkles Nichts», sagt sie heute rückblickend. Sie hatte Freundschaften, die sie aber nicht erfüllten. Sie lebte aus ihrer heutigen Sicht oberflächlich. Geld und Genuss wurden zentral. Die junge Frau fühlte sich innerlich leer, unglücklich und frustriert. «In diesem Nichts, in dem ich mich befand, schenkte mir jemand eine Israelreise», erzählt Schwester Domenica. Der Ordenspriester, der die Gruppe leitete, habe ihren «Glaubenswirrwarr» gespürt und sei fortan ihr geistlicher Begleiter gewesen. Schwester Domenica beschreibt diese Phase als inneres und äusseres Aufräumen und Umräumen.

Im Mai 2009 lernte sie durch eine Wallfahrt nach Assisi den franziskanischen Lebensauftrag kennen und durfte danach eine Auszeit bei den Kapuzinerinnen von Stans verbringen. Es war aber noch nicht das Ende ihrer Suche. Im September 2009, nur Tage nach ihrem Erlebnis in der Klosterkirche Notkersegg, wählte sie die Telefonnummer der St. Galler Kapuzinerinnen. Im folgenden Jahr trat sie ins Kloster ein.

Ein Leben in Armut und Gehorsam

Im Kloster sind nebst den Gebets- und Gottesdienstzeiten die Sakristei und der Gästebereich Arbeitsschwerpunkte. Schwester Domenica betreut Frauen, die in die Stille kommen, sie verziert Kerzen und stellt Rosenkränze her für den Verkauf an der Pforte. Das Spielen verschiedener Instrumente ist der Ordensfrau wichtig, schon als Kind spielte und sang sie mit dem Vater. Bewusst wird die gelernte Krankenschwester nicht in der erst kürzlich eingeweihten Pflegestation des Klosters arbeiten, sie möchte sich auf spezifisch klösterliche Tätigkeiten konzentrieren.

Zur Ewigen Profess werden Eltern, Bruder und Schwester aus Graubünden anreisen. «Mein Vater tut sich etwas schwer. Mein Bruder findet den Entscheid toll. Und mit meiner Schwester habe ich deswegen einmal ein heftiges Wortgefecht gehabt», sagt Schwester Domenica. Die Beziehung zu ihrer Familien habe sich verändert. «Aber alle freuen sich nun über den Entscheid».

Am Sonntag, 6. August, ist es so weit: Um 10 Uhr beginnt der Gottesdienst in der Klosterkirche Notkersegg für die Ewige Profess mit Generalvikar Guido Scherrer. Dann wird Schwester Domenica versprechen, Jesus zeitlebens nachzufolgen in der Gemeinschaft der Kapuzinerinnen von Notkersegg und ein Leben in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam zu führen. (sar)