Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GELDPOLITIK: «Wir sind in einem Hamsterrad» - Workshop zum Geldsystem in Wittenbach

Die Sozialunternehmerin Katharina Serafimova setzt sich für einen Wandel des Geldwesens ein. Dafür brauche es eine Rückkehr des Weiblichen, sagt sie. Am Samstag gibt sie einen Workshop in Wittenbach.
Nina Rudnicki
Katharina Serafimova spricht morgen in Wittenbach über Geld. (Bild: PD)

Katharina Serafimova spricht morgen in Wittenbach über Geld. (Bild: PD)

Interview: Nina Rudnicki

redaktiongo@tagblatt.ch

Katharina Serafimova, in Ihrem Dokumentarfilm «Geldwandel – die weibliche Seite des Geldes» sagen die Protagonistinnen folgende Sätze: «Wir leben als Sklaven des Geldes. Gleichzeitig haben wir so viel Geld, dass wir nicht wissen, wohin damit.» Und: «Das Sprichwort «Zeit ist Geld» ist etwas vom Brutalsten, dass ich mir vorstellen kann.» Was hat es mit diesen Aussagen auf sich?

Serafimova: Zunächst möchte ich betonen, dass es mir in meinem Dokumentarfilm nicht darum geht, Männlichkeit und Weiblichkeit gegeneinander auszuspielen. Anlass für dieses Projekt war meine Beobachtung, dass es in der Diskussion über unser Geldwesen und Finanzsystem sowie aktuell über die Vollgeld-Initiative kaum weibliche Stimmen gibt. Häufige Reaktionen von Frauen sind Aussagen wie «Ich bin kein Experte» oder «Meine Meinung zählt ja nicht». In meinem Film geht es nun darum aufzuzeigen, dass immer mehr Menschen, darunter viele Frauen, die gesellschaftsgestaltenden Kräfte des Geldes hinterfragen und sich für einen Wandel des Geldwesens einsetzen.

Die Filmsequenzen werden auch Teil Ihres Workshops «Geld und Weiblichkeit» sein,

den Sie an der zweiten Tagung «Miteinander Füreinander» der IG Denkmal in Wittenbach geben.

Genau. Derzeit lade ich an verschiedenen Orten in der Schweiz zu Workshops rund um das Thema Geld ein. Ich sehe dies auch als eine Explorationsreise. Die Fragen, die mich dabei begleiten, sind, wieso und wie das Thema Geld so viele Menschen abschreckt. Um das zu verdeutlichen, wird bei diesem Workshop eine Bewegungstherapeutin mit dabei sein. Die Teilnehmenden werden erfahren, welches ihre körperlichen Reaktionen und Empfindungen sind, wenn wir uns mit dem Geld und dem Wandel des Geldwesens auseinandersetzen. Vor allem geht es mir aber um eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema.

Welche Fragen stehen dabei im Mittelpunkt?

Das Thema Geld beinhaltet immer die Frage nach Beziehungen. Wie stehen wir zueinander? Wer gibt wem weshalb Macht? So wie Geld heute ist, zwingt es uns zum Wachstum. Aber wir können nicht mehr entscheiden, ob und wie wir wachsen wollen. Wir befinden uns in einem Hamsterrad. Woher kommt es, dass wir ständig rennen, uns immer in Konkurrenz befinden und Geld auf eine so zerstörerische Weise einsetzen? Darüber werden wir uns austauschen.

Auch die grossen Denkfabriken und Think Tanks greifen immer häufiger die Frage auf, ob ein radikales Umdenken unseres Systems möglich ist. Sie selbst sind auf deren Podien regelmässig als Gesprächsteilnehmerin eingeladen. Wie sind die Einschätzungen der verschiedenen Experten?

Auffällig ist, dass es sehr viele unterschiedliche Meinungen darüber gibt, wie das Geldsystem in der Zukunft aussehen wird. Einig sind sich Experten aus den verschiedensten Branchen aber immer darin, dass unser heutiges System nicht mehr lange so weiter funktionieren wird. Es ist aus dem Gleichgewicht geraten. Die Extremform des Geldwesens, wie wir sie heute kennen, hat sich erst mit dem technologischen Fortschritt und dem elektronischen Geld eingeschlichen. Die Vollgeld-Initiative ist also kein revolutionäres Vorhaben, sondern eine Korrektur.

Sie haben an der ETH Umweltwissenschaften studiert, arbeiteten danach bei einer Bank, wechselten schliesslich auf die Seite der NGOs und sind heute Sozialunternehmerin sowie Lehrbeauftragte am Institut für Finance and Banking an der Universität Zürich. Wie passen diese Bereiche zusammen?

Ein Beispiel dafür wie Umwelt, Nachhaltigkeit und das Finanzwesen zusammenspielen, sind Monokulturen in der Landwirtschaft. Diese zerstören den Boden und somit unsere Lebensgrundlage. Warum erlauben wir der Finanzwirtschaft weiterhin, in eine solche Zukunft zu investieren? Auf diese und ähnliche Fragen suche ich Antworten und arbeite auch an konkreten Lösungen, wie Geld, Natur und Gemeinschaft wieder zusammenkommen können.

Als Sozialunternehmerin engagieren Sie sich im Bereich der regenerativen Landwirtschaft. Womit beschäftigen Sie sich aktuell?

Momentan arbeite ich in Mértola in Südportugal mit Landwirten zusammen. Es ist eine Gegend, in der sich die Wüste ausbreitet. Ziel unseres Projektes ist es, den Boden wieder aufzubauen und dadurch die Verwüstung und die Landflucht zu verhindern. Dafür arbeiten wir mit mehrjährigen hitzeresistenten Kulturen. Es ist nur eine Region, in der deutlich wird, wie dringend wir für unsere heutige Gesellschaft Alternativen brauchen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.