GELDNOT: St.Galler sind die besseren Schuldner: Landesweit steigen die Betreibungen - nicht aber in der Stadt

Die Zahl der Betreibungen in der Stadt St.Gallen ist während Jahren konstant geblieben – im Gegensatz zum schweizweiten Trend. Nun aber zeigt ein jahrzehntealtes Gesetz Wirkung.
Roger Berhalter

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roger.berhalter@tagblatt.ch

Eines vorweg: Die Zahlungsmoral der St.Galler Stadtbewohnerinnen und -bewohner hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. «Sie ist konstant geblieben», sagt Bogdan Todic, Leiter des städtischen Betreibungsamts. Zumindest zwischen 2012 und 2016. In diesen Jahren verzeichnete das Amt jeweils rund 28'000 neue Betreibungen pro Jahr. Von 2016 bis 2017 hingegen ist die Zahl der Betreibungen wieder gesunken, um fast 1000 Fälle. Dies zeigen die aktuellen Daten, welche die kantonale Statistik-Fachstelle soeben veröffentlicht hat.

Neue Betreibung, neue Frist

Schwankungen in der Jahresstatistik zu erklären, sei nicht immer einfach und oft nur Mutmassung, betont Todic. Für die jüngsten Betreibungszahlen hat er aber eine plausible Erklärung. Er verweist auf eine Gesetzesänderung aus dem Jahr 1997: Damals wurde bei finanziellen Forderungen eine Verjährungsfrist eingeführt. Früher konnten Gläubiger mit Verlustscheinen bis zum Tod des Schuldners ihr Geld zurückfordern. Seit 1997 gilt nun aber eine Frist von 20 Jahren. Das heisst: Anfang 2017 verjährten die ersten Verlustscheine, und wer noch zu seinem Geld kommen wollte, musste im Jahr 2016 etwas unternehmen.

Viele Gläubiger entschieden sich dafür, die Betreibung zu erneuern, um damit auch die Frist zu erneuern. Daher die Zunahme der Fälle im Jahr 2016. «Vor allem in den letzten ein, zwei Monaten des Jahres verzeichneten wir viele neue Fälle», sagt Todic. Viele davon seien erst zeitlich verzögert wirksam geworden, was sich in der Statistik in der erhöhten Zahl der Fortsetzungen im Jahr 2017 zeige. Von einer Fortsetzung spricht man dann, wenn ein erster Zahlungsbefehl erfolglos geblieben ist und das Betreibungsverfahren in die nächste Phase geht, was in der Regel zu einer Pfändung führt.

Interessanterweise läuft die Stadtsanktgaller Statistik dem nationalen Trend zuwider. Von 2012 bis 2016 stieg die Zahl der Betreibungen in der ganzen Schweiz um rund acht Prozent auf fast drei Millionen Fälle. Das St.Galler Betreibungsamt hingegen verzeichnete im selben Zeitraum keinen Anstieg, sondern jedes Jahr etwa gleich viele Fälle. «Die Zunahme spiegelte sich in der Stadt St.Gallen nicht», sagt Bogdan Todic. «Woran das liegt, da kann ich nur mutmassen.» Er weist aber darauf hin, dass schon eine einzelne Grossfirma, die Dutzende von Betreibungen auf sich vereine, die Statistik entscheidend beeinflussen könne.

Bogdan Todic Leiter Betreibungsamt

Bogdan Todic Leiter Betreibungsamt

Mehr Firmen gingen in Konkurs

Neben den Betreibungen sind auch die Konkurse des Jahres 2017 jetzt publik geworden. Hier folgt die Stadt dem nationalen Trend: Die Zahl der Privatkonkurse ist mehr oder weniger gleich geblieben, während die Firmen- und Nachlasskonkurse zugenommen haben (siehe Kasten). Im Jahr 2016 waren auf Stadtgebiet noch 137 neu eröffnete Konkurse gezählt worden, im vergangenen Jahr waren es mit 177 Fällen deutlich mehr.

Endstation Betreibungsamt: Hier landet letztlich, wer seine Rechnungen nicht bezahlen kann. (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Endstation Betreibungsamt: Hier landet letztlich, wer seine Rechnungen nicht bezahlen kann. (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

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