Geld sparen bei der Energie

In der Landwirtschaft werden bereits viele Projekte mit alternativer Energie und Energieeffizienz umgesetzt. Alfons Schmid von der Energieagentur St. Gallen ortet aber nach wie vor grosses Sparpotenzial.

Martin Brunner
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Gottfried Jud erzeugt mit seiner Holzschnitzelheizung Energie für seine drei mächtigen Heubelüfter. (Bild: Martin Brunner)

Gottfried Jud erzeugt mit seiner Holzschnitzelheizung Energie für seine drei mächtigen Heubelüfter. (Bild: Martin Brunner)

ST. GALLEN. 1,7 Prozent der in der Schweiz benötigten Energie verbrauchte die Landwirtschaft im Jahr 2013. Das scheint nicht viel zu sein. Für den einzelnen Landwirt können sich Massnahmen zur Reduktion aber trotzdem lohnen. Denn Heubelüftung, Pumpen, Ventilatoren, Kühlung, Treibstoff und anderes sind wahre Stromfresser. Die dafür benötigte Energie verschlingt grosse Mengen an Ressourcen und Geld. Grund genug für Landwirte, sich weiterhin und intensiv mit alternativer Energieproduktion und Energieeffizienz auseinanderzusetzen.

Dass die Landwirte in der Ostschweiz bereits viel unternommen haben, zeigen die vielen Photovoltaikanlagen auf Scheunen- und Hausdächern für die Stromproduktion. Sonnenkollektoren für das Warmwasser sind installiert, Biogasanlagen in Betrieb, nicht zu vergessen die vielen Holzheizungen in der Landwirtschaft. Von der aktuellen Bedeutung her reiht Alfons Schmid von der Energieagentur St. Gallen bei den erneuerbaren Energien heute die Wärmegewinnung mit Holz an erster Stelle ein – vor Photovoltaik, Biogas und Solaranlagen. «Das zusätzliche Potenzial ist aber bei allen erneuerbaren Energien nach wie vor gross», sagt er. Davon geht auch das Energiekonzept des Kantons St. Gallen aus. Denn darin steht, dass die Produktion der erneuerbaren Energien von total 600 Gigawattstunden im Jahr 2005 auf 1200 im Jahr 2020 verdoppelt werden soll. «Dabei kann die Landwirtschaft eine wichtige Rolle spielen.»

Die Abwärme nutzen

Entscheidend ist auch die Energieeffizienz. Schmid erwähnt den Fahrzeugpark der Landwirte, Lüftungen für die Ställe, Kühl- und Heubelüftungsanlagen, Pumpen jeglicher Art usw. Moderne Antriebe und intelligente Steuerungen können dabei viel helfen. «Je nach Gerät sparen die Landwirte bis 30 Prozent des heutigen Energieverbrauchs ein», sagt er. «Die Technologien sind in vielen Bereichen vorhanden, wie bei der Nutzung der Abwärme aus der Milchkühlung.»

Das macht sich Stefan Lehner aus Gossau zunutze. Indem er einen Liter Milch kühlt, kann er einen halben bis drei Viertel Liter Wasser von zehn auf 50 Grad erwärmen. Bei rund 600 Kilogramm Milch, die er pro Tag melkt, kommt eine beachtliche Leistung von rund 300 Litern fast gratis erhitztes Wasser zusammen.

Kleinwärmeverbund installiert

Einen noch grösseren Schritt hat Gottfried Jud aus Wolfertswil mit seinem kleinen Wärmeverbund im Auftrag des Verpächters und Investors Kloster Magdenau getan. Mit einer Holzschnitzelheizung erzeugt er Energie für seine drei mächtigen Heubelüftungen. Die Anlage versorgt darüber hinaus auch das Wohnhaus mit Energie. Im Stallbereich bekommt er Wasser und Wärme für Milchraum, Büro und Melkstand.

«Die Kosten der Anlage dürften sich auf ungefähr 160 000 Franken belaufen», sagt er. Dabei nicht eingerechnet sind die Fördergelder des Kantons St. Gallen für erneuerbare Energie, die Jud bei ungefähr 25 000 bis 28 000 Franken vermutet. «Genau beziffern können wir den Betrag erst, wenn die Anlage einmal ein Jahr lange gelaufen ist.»

Zufrieden und stolz ist Jud heute schon. Er braucht kein Öl mehr, weder für Heutrocknung noch für Heizung und Warmwasser. Das Rohmaterial gibt es in grosser Menge und günstig. Die Anlage ist bedienerfreundlich und läuft störungsfrei. Die Amortisation hat er auf 15 bis 20 Jahre ausgerichtet. Und er ist sicher, dass sich die Anlage auf die Dauer rechnen wird. «Wir müssen in der Landwirtschaft dort die Finanzen optimieren, wo wir es selber bestimmen können», betont er. «Mein Ziel war es deshalb, eine intelligente Anlage zu installieren, mit der wir Geld sparen können.»

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