Geld für «richtige» Bäume

Süsse Früchte reifen oft an Hochstamm-Feldobstbäumen. Im Obstgarten von Ueli Geisser zum Beispiel. Lücken in seinem Obstgarten an der Ruhebergstrasse in Tübach hat er kürzlich geschlossen. 21 Bäume hat er gepflanzt.

Marianne Bargagna
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Gross und klein: Ueli Geisser mit seiner Tochter Amelie in seinem Obstgarten mit jungen und alten Apfelbäumen. (Bild: Marianne Bargagna)

Gross und klein: Ueli Geisser mit seiner Tochter Amelie in seinem Obstgarten mit jungen und alten Apfelbäumen. (Bild: Marianne Bargagna)

REGION. Hochstammobstbäume: Sie prägen die Landschaft. Im Frühling, wenn sie in voller Blüte stehen, sind sie eine wahre Augenweide. Und im Herbst tragen sie süsse Früchte, die Lausbuben manchmal auch zu Kletterpartien verführen. Und die auch so manches Bauernherz höher schlagen lassen. Zum Beispiel jenes von Ueli Geisser, Landwirt an der Ruhebergstrasse in Tübach. In seinen Obstgärten stehen 240 Hochstammobstbäume. Äpfel, Birnen, Kirschen und Zwetschgen reifen rund um seinen Bauernhof. Das meiste Obst sei Mostobst, sagt Ueli Geisser.

Richtige Bäume

Seine dreijährige Tochter Amelie auf dem Arm, steht er dort, wo er die Bäume gepflanzt hat, um die Lücken zwischen den alten Bäumen zu schliessen. Für Geisser ist ein Hochstammbaum «ein richtiger Baum». Und eben die Pflanzung dieser «richtigen Bäume» hat die Gemeinde Tübach finanziell unterstützt mit je 100 Franken. Es ist nicht das erstemal, dass die Gemeinde für die Pflanzung neuer Hochstämmer Beiträge leistet. Von 2009 bis 2013 seien in der Gemeinde 115 Feldobstbäume gepflanzt worden, sagt Gemeinderatsschreiber Reto Schneider. Und für jeden dieser Bäume bezahlte die Gemeinde 100 Franken. Denn Obstgärten mit Hochstammbäumen seien aus ökologischen, historischen und raumplanerischen Gründen wertvoll, begründet der Tübacher Gemeinderat das finanzielle Engagement.

Geld aus der Gemeindeschatulle

Auch in Thal wird die Pflanzung von Hochstämmern unterstützt. Der Grund dafür sei, dass in den vergangenen acht Jahren viele dieser imposanten Bäume wegen des Feuerbrandes hätten gefällt werden müssen, sagt Gemeinderatsschreiber Christoph Giger. Drei Aktionen wurden in der Gemeinde Thal bereits durchgeführt. Das Resultat: Es wurden über 400 Feldobstbäume gepflanzt, woran die Gemeinde total etwa 13 000 Franken bezahlte.

Geld können auch die Unteregger Landwirte erwarten. Die Gemeinde leistet nach Aussage von Gemeindepräsident Roger Böni maximal 60 Franken pro Hochstamm. Im 2012 seien 177 Hochstammbäume gepflanzt worden, was die Gemeinderechnung mit 6613 Franken belastet habe. In diesem Jahr wurden bis dato 41 Bäume gepflanzt, die Ausgaben belaufen sich bis heute auf 1766 Franken.

Auch der Bund zahlt

Etwas anders sieht es in den Gemeinden Goldach, Rorschach, Rorschacherberg und Steinach aus. In Goldach werden nach Aussage von Gemeinderatsschreiber Richard Falk grundsätzlich keine Beiträge ausbezahlt. In der Vergangenheit habe die Gemeinde aber schon Beiträge geleistet, und zwar dort, wo aus ihrer Sicht Hochstammbäume erwünscht waren, zum Beispiel entlang der Sulzstrasse. Das sei aber schon ziemlich lange her. In Rorschach, Steinach und Rorschacherberg wurden in den vergangenen Jahren keine Beiträge für neu gepflanzte Bäume ausbezahlt.

Landwirte dürfen aber auch auf Geld vom Bund zählen. Für jeden gepflanzten Hochstämmer erhalten sie 15 Franken. Und steht ein solcher auf einer ökologischen Ausgleichsfläche, gibt es nochmals 30 Franken. Und wird ein Feldobstbaum in einem ökologisch vernetzten Gebiet gepflanzt, kommen zu den 15 und 30 Franken nochmals fünf Franken dazu.

Einst gab's Geld für Rodung

Es gab aber auch einmal eine Zeit, da wurde von der Eidgenössischen Alkoholverwaltung die Rodung von Hochstämmern finanziert. Damit sollte der übermässige Alkoholkonsum bekämpft werden. Ein Trugschluss: Denn weniger Obstbäume, aus deren Früchte Most und Schnaps hergestellt werden kann, bedeuteten nicht weniger Alkohol, wie die Verantwortlichen bald feststellen mussten.

Ein schöner Lohn

Der ökologische Nutzen von Hochstammbäumen war damals noch kein Thema. Das ist heute anders. Hochstämmer sind ökologisch wertvoll, da sie Lebensraum für verschiedene Vogel- und Insektenarten bieten. Das weiss auch Ueli Geisser. Das ist denn auch für ihn Ansporn, seine Hochstämmer sorgsam zu pflegen. Obwohl Hochstämmer gegenüber Niederstammbäumen Mehrarbeit bedeuteten. Aber die Freude, die ihm die Apfel-, Birn-, Zwetschgen- und Kirschbäume während des ganzen Jahres bescherten, sei für ihn ein schöner Lohn.

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