Geld für Kunst, Zeit für Rom

Der Kanton St. Gallen vergibt dieses Jahr Werkbeiträge von je 20 000 Franken an zehn Kunstschaffende. Vier weitere erhalten für je drei Monate Zutritt zur Atelierwohnung in Rom. Gestern wurden die Beiträge übergeben.

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Ausgezeichnete Kulturschaffende vor dem St. Galler Werkstall: Iris Betschart, Veronika Brusa, Nino Christen, Corina Vetsch, Antonio Malinconico, Jimmy Gmür, Elisabeth Nembrini, Goran Kovacevic, Dragica Rajcic, Doris Naef, Davide Rizzitelli, Charles Uzor, Martin Kradolfer, Anne Dominique Schuetz und Regierungsrat Martin Klöti (von links). (Bild: Hanspeter Schiess)

Ausgezeichnete Kulturschaffende vor dem St. Galler Werkstall: Iris Betschart, Veronika Brusa, Nino Christen, Corina Vetsch, Antonio Malinconico, Jimmy Gmür, Elisabeth Nembrini, Goran Kovacevic, Dragica Rajcic, Doris Naef, Davide Rizzitelli, Charles Uzor, Martin Kradolfer, Anne Dominique Schuetz und Regierungsrat Martin Klöti (von links). (Bild: Hanspeter Schiess)

ST. GALLEN. Bei der feierlichen Übergabe gestern abend im «Werkstall» in St. Gallen konnten 14 Kunstschaffende aus der Hand von Regierungsrat Martin Klöti, Vorsteher des Departementes des Innern, Werkbeiträge und symbolische Hausschlüssel für die Atelierwohnung in Rom entgegennehmen. Die Unterstützung durch den Kanton solle die nötige Zeit geben, Ideen, Projekte und Werke auszuarbeiten und ihre künstlerische Tätigkeit weiterzuentwickeln und auszuloten, heisst es in einer Mitteilung der Staatskanzlei.

124 Bewerbungen geprüft

Auf die Ausschreibung gingen insgesamt 114 Werkbeitrags- und zehn Rombewerbungen beim kantonalen Amt für Kultur ein. Sieben Fachjurys haben die Eingaben beurteilt und selektioniert. Der Kulturrat hat die Auswahl in einem zweiten Schritt getroffen, heisst es im Communiqué weiter. Nun erhalten die folgenden Kunstschaffenden einen Werkbeitrag in der Höhe von 20 000 Franken: Veronika Brusa, St. Gallen; Iris Betschart, St. Gallen (beide angewandte Kunst); Martin Kradolfer, Zürich; Elisabeth Nembrini, St. Gallen; Corina Vetsch, Buchs, Wien (alle bildende Kunst); Nino Christen, St. Gallen (Film); Dragica Rajcic, Zürich; Dominique Anne Schuetz, Männedorf (beide Literatur); Charles Uzor, St. Gallen; Antonio Malinconico, St. Gallen (beide Musik).

Einen dreimonatigen Romaufenthalt im Zeitraum 2012/2013 können Davide Rizzitelli, St. Gallen, Jimmy Gmür, Kaltbrunn, Goran Kovacevic, Engelburg (alle drei Musik), sowie Doris Naef, Weinfelden (bildende Kunst), in ihre Agenden einschreiben.

Textiles Design zweimal anders

Die zwei Künstlerinnen der Sparte angewandte Kunst sind beide dem textilen Schaffen verpflichtet. Iris Betschart ist ausgebildete Modedesignerin und setzt mit ihren Unikaten einen Kontrapunkt gegen den Zeitgeist von Kommerz und billigen Massenprodukten. Auch Veronika Brusas Handschrift und Machart beeindrucken: experimentelle Techniken, die man im Zusammenhang mit Mode nicht erwartet.

Martin Kradolfer wird ein halbes Jahr in den Bergen wohnen und in der Höhle Wildenmannlisloch malen. Quasi von aussen kommend, wird er in einem Bilderzyklus versuchen, seine Impressionen vom Drinnen zum Draussen auf der Leinwand festzuhalten.

Die St. Gallerin Elisabeth Nembrini möchte ihre aktuellsten Arbeiten – ihre «Milchstrassen» – für verschiedene inhaltliche und räumliche Kontexte weiterentwickeln und erarbeiten. Corina Vetsch beschäftigt sich stark mit sozio-politisch ökonomischen und ökologischen Fragestellungen. Themen also, die sich an der Schnittstelle zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft bewegen. Mit dem Werkbeitrag möchte sie weiterhin aktuelle gesellschaftliche Phänomene in ihre Arbeiten einbeziehen und dadurch neue Denk- und Handlungsräume entwickeln.

Ausgangspunkt von Nino Christens Animationsfilm «L'île noir» ist die Wechselwirkung zwischen dem Menschen und dem natürlichen Umfeld. Eine mehrmonatige Reise nach Madagaskar bildete die Grundlage zu diesem Projekt, in das die Erlebnisse und Situationen einfliessen sollen.

Die in St. Gallen aufgewachsene Dominique Anne Schuetz ist drauf und dran, die nationale Literaturszene zu erobern. Ihr neuestes Buchprojekt behandelt einen historischen Stoff, und die Textproben versprechen viel.

Ganz anders das Projekt von Dragica Rajcic. Sie fordert für sich «das Vorrecht fremd zu sein». Dieses gewollte Fremde begegnet dem Leser in einer radikal gebrochenen und brüchigen Sprache voller Schlaglöcher.

Für Gitarre und auch für Chor

Der Gitarrist Antonio Malinconico mit italienischen Wurzeln lebt und wirkt schon seit seiner Jugend in der Ostschweiz. Mit dem Werkbeitrag möchte er eine Komposition für Gitarre und Kammerensemble schreiben und aufführen.

Charles Uzors Kompositionen zeugen von hoher Kenntnis der zeitgenössischen Musik, sind anspruchsvoll und sinnlich zugleich. Das Projekt «Missa Nigra Sum» ist eine Verbindung eines afrikanischen Gospelchors mit einem klassisch-zeitgenössischen Chor und Instrumental-Ensemble. In Rom möchte sich Davide Rizzitelli auf die Suche nach Klangkörpern machen, kulturgeschichtliche und zukunftsorientierte Klangpfade begehen, die Klangfarben der Vergangenheit im Jetzt verschmelzen lassen und den Kompositionsprozess mit Unterstützung eines speziell für seine Musik konzipierten Computers ausschöpfen und umsetzen.

Der Musiker und Komponist Jimmy Gmür hat sich mit «E römischi Stobete» beworben. Dahinter steht die Absicht einer musikalischen Fusion; nämlich typische Musik aus Rom und der Region Latium mit Volksmusik aus der Schweiz zu kombinieren.

Doris Naef plant das Projekt «Foglie di Roma – Tracce dell'Italianità». Es geht ihr um das Aufspüren des lateinischen Flairs und der barocken Kunst, aber auch um ihre Reaktion und Art, wie sie sich durch die Stadt bewegt.

Auszeit in Rom

Goran Kovacevic ist seit 20 Jahren Akkordeonist. Das sind auch 20 Jahre Rastlosigkeit und Umherreisen. So ist der klare Wunsch gewachsen, jetzt ein Timeout zu nehmen und sich in ein neues Umfeld einzulassen. (red.)