Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Gelbe Hoffnung für Flüchtlinge

ST.GALLEN. Ein Verein hat den ehemaligen Kinderhort in St. Gallen-St. Fiden zum ersten Ostschweizer Solidaritätshaus mit Mittagstisch und Beratungsbüro für Flüchtlinge und Migranten umgebaut. Am 3. September steigt das Eröffnungsfest.
Marcel Elsener
Fast ländliche Idylle mitten im Stadtquartier St. Fiden: Das gelbe Haus wurde vom Kinderhort zum Haus für Migranten umgebaut. (Bild: Michel Canonica)

Fast ländliche Idylle mitten im Stadtquartier St. Fiden: Das gelbe Haus wurde vom Kinderhort zum Haus für Migranten umgebaut. (Bild: Michel Canonica)

Fast unwirklich, von aller urbanen Hektik verschont und scheinbar vergessen wirkt der Ort: eine Schrebergarten-Oase an jener Querspange, die das St. Galler Ostquartier St. Fiden in den 70er-Jahren brutal teilte und entstellte. Hier, in einem unscheinbaren, gelbfarbenen Häuschen, das bis 2009 als Kinderhort diente, liegt das neue Angebot des Solidaritätsnetzes Ostschweiz – das «Solihaus» mit Mittagstisch, Beratungsbüro, Aufenthaltsräumen.

Unwirklich, schmerzlich zwischen zwei Wirklichkeiten blockiert, scheint auch die Situation jener Menschen, die in diesem Haus ein und aus gehen sollen: Es sind Asylsuchende mit meist ungeklärtem Status; Afghanen und Iraner, Somalier und Eritreer, Nigerianer, Tamilen, Tibeter, Tunesier, mit wenigen Ausnahmen junge Männer, die nichts arbeiten dürfen und nur warten können.

Mit Schul- und Bahnanschluss

Freundlicher kann man sich eine Anlaufstelle in der Not nicht vorstellen. Von einem «kleinen, aber wunderbaren Haus», einem «Glücksfall» sprechen Ursula Surber, Präsidentin, und Marianne Jehle, Vorstandsmitglied des Vereins Solidaritätshaus. Und sie schwärmen von seiner Geschichte im Einwandererquartier (siehe Kasten) und der Lage in unmittelbarer Nähe der – ebenfalls aus dem Solidaritätsnetz hervorgegangenen – Sprachschule «Integra» im alten Schulhaus und des Bahnhofs, der Asylsuchenden vom See oder aus dem Rheintal den Zugang erleichtere. Nebst dem nunmehr mit semiprofessioneller Küche betriebenen Mittagstisch und dem Büro empfiehlt sich das Haus als vielseitig nutzbarer Treffpunkt für Migrantenvereine und für die Quartierbevölkerung – bereits läuft hier etwa ein tamilischer Kindersprachkurs.

Was Städte wie Bern, Basel oder Zürich längst haben, davon träumte man in St. Gallen erstmals an Weihnachten 2008, als in den Abbruchhäusern am Hauptbahnhof eine «solidarische Festküche» betrieben wurde. Dass der Traum derart schnell erfüllt und die Nothilfe nach fünf Jahren im engen CaBi im Linsebühl und einer Übergangslösung im Restaurant Bierhof nun einen definitiven Platz gefunden hat, liegt am Engagement von 200 Freiwilligen in der Solinetz-Organisation und dem Entgegenkommen der Stadt, die das Haus zu einem günstigen Mietzins zur Verfügung stellt. Zwar gab es Bedenken und Baueinsprachen im Quartier, doch wurde von einer Rekursmöglichkeit kein Gebrauch gemacht – wohl konnten die Anwohner vom Bedürfnis überzeugt werden und half die Tatsache, dass das Angebot nachts geschlossen bleibt.

Support aus der Baubranche

Nebst Kirchen und Stiftungen kam erfreulich viel Unterstützung von Firmen: Der St. Galler Architekt Martin Widmer gewann Vertreter aus der Baubranche, «die wie keine andere von der Migration lebt», für Spenden und Arbeitsleistungen – namentlich mit der Idee, Lehrlinge als Facharbeiter und Chefs freiwilliger Arbeitsgruppen einzusetzen, was rundum auf gutes Feedback stiess.

Dass am Tisch in diesen Tagen nur ein Dutzend Plätze statt wie üblich doppelt so viel besetzt sind, liegt am Ramadan. Aber bereits fühlt sich eine vielsprachige Gemeinschaft äusserst wohl. Nur den Billardtisch vom Bierhof habe er vermisst, sagte ein Tibeter. Dafür gibt es einen Pingpong-Tisch, im Schatten einer Uralt-Buche. Wahrlich ein Ort zum Hoffnungschöpfen. Wie auch immer er künftig heisst, ob Soli- oder gelbes Haus, oder vielleicht doch «Belluno» – nach der Provinz, aus der die Migranten vor 100 Jahren kamen.

Fidesstrasse 1, St. Gallen. Fest zur Eröffnung Sa, 3. September, ab 11 Uhr. www.solidaritaetshaus.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.