Geht nicht gibt's nicht

Das ist vielleicht paradox. Daran, dass ein «lausiges» OK den grössten Fasnachtsball der Region organisiert, haben wir uns ja mittlerweile gewöhnt. Doch die Guggenmusik Räblüüs lädt zum diesjährigen Infernoball unter dem Motto «Ice Fever».

Corina Tobler
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Nicht nur die Guggen, sondern auch die über 1000 Verkleideten lassen's am Infernoball unter dem Motto «Ice Fever» am Samstagabend so richtig krachen. (Bilder: Corina Tobler)

Nicht nur die Guggen, sondern auch die über 1000 Verkleideten lassen's am Infernoball unter dem Motto «Ice Fever» am Samstagabend so richtig krachen. (Bilder: Corina Tobler)

Das ist vielleicht paradox. Daran, dass ein «lausiges» OK den grössten Fasnachtsball der Region organisiert, haben wir uns ja mittlerweile gewöhnt. Doch die Guggenmusik Räblüüs lädt zum diesjährigen Infernoball unter dem Motto «Ice Fever». Dabei passt Eis weder ins Inferno noch überlebt es auf fiebriger Stirn.

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Ein Glück ist's ein Fasnachtsanlass. In der Zeit des Freipasses für unvorteilhafte Outfits und Verhaltensweisen kann man sich getrost denken zur Hölle mit dem Motto. Die über 1000 Kreaturen, die sich am Samstag im Rorschacherberger Eisinferno tummeln, kümmern sich jedenfalls wenig ums eisige Thema. Einzig die Eiswürfel im Drink zählen, dazu tanzbare Musik und eine Verkleidung, die es erlaubt, dem Alltag zu entrinnen. Entsprechend sind weder kaufmännische Angestellte noch vorbildliche Eltern oder Firmenchefs zu erkennen. Befreit von ihrem gesellschaftstauglichen Ich nutzen sie die Verkleidung als Befreiung und überlassen ihrem wahren Ich die Kontrolle. Freud und Co. hätten ihre wahre Freude am psychoanalytischen Paradies in der Mehrzweckhalle. Denn da kommt so einiges an Erkenntnissen über die Bevölkerung der Region zusammen.

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So lebt hier die Liebe zu Babystrampler und Kuscheltier wieder auf. Ein erheblicher Anteil der Gäste, die sich mittels kuscheligem Einteiler in Tiere jeder Art verwandeln, ist im Innern Kind geblieben, sehnt sich nach Wärme, Unschuld und Streicheleinheiten. Dies ist besonders in der männlichen Psyche tief verankert. Die Weiblein sind da deutlich erwachsener und freizügiger. Sexy will Frau sein. Entsprechend viele (Mai-)Käfer, Bienchen und Cowgirls in Miniröcken schwirren durch die Halle. Kein Wunder, grölen die Herren der Schöpfung, ob mit Riesensombrero, im Götter-, Bananen- oder Schlumpfkostüm aus voller Kehle zu «Sweet Caroline» mit. Sogar die Sträflinge machen mit. Die sind bei beiden Geschlechtern überdimensional vertreten. Das merkt auch der als Sicherheitsmann Verkleidete, der vor der Bühne hin und her geht. Sein Blick ist ernst, geradezu frostig. Dem Armen scheint niemand gesagt zu haben, dass das mit dem eisigen Motto keine Rolle spielt. Oder macht er wirklich nur seinen Job und ruft bald die Polizei angesichts der vielen Straftäter im Raum? Einfacher ist's wohl, wenn er bald auftaut und mit den mottokonformen Pingus Polonaise tanzt.

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Den Durchblick bezüglich richtig und falsch, echt und unecht hat ohnehin niemand mehr. Es ist Fasnacht, geht nicht gibt's hier nicht. Ist auch egal, am Morgen haben eh alle vergessen, was im Eisinferno passiert ist. Ausser der pflichtbewusst nüchternen Journalistin. Der bleibt nur der Besuch beim Psychologen.

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