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GEGNER: Soziale Einsparungen im Kreuzfeuer der Kritik

Die Zahl der im Sozialwesen Beschäftigten steigt – so auch die öffentlichen Kosten. Ein Stellenabbau, wie von der SVP angedacht, stösst auf Widerstand aus anderen Lagern.
Christina Vaccaro
Fast die Hälfte der im Schweizer Sozialwesen Beschäftigten arbeiten in Alters- und Pflegeheimen. (Bild: Robert Kneschke)

Fast die Hälfte der im Schweizer Sozialwesen Beschäftigten arbeiten in Alters- und Pflegeheimen. (Bild: Robert Kneschke)

Christina Vaccaro

christina.vaccaro@tagblatt.ch

Die steigenden Kosten im Schweizer Sozialwesen stellen eine Herausforderung dar, kommen Politiker und Sozialarbeiter überein. Grosse Uneinigkeit herrscht darüber, wie ihr begegnet werden soll. Kürzlich kritisierte Rorschacher Stadtpräsident und Nationalrat Thomas Müller das Stellen- und Kostenwachstum im Sozialbereich und äusserte, zur Einbremsung des wachsenden Sozialwesens soll Geld entzogen und die Zahl der Stellen begrenzt werden. Ein Stellenabbau wird etwa von Seiten der FDP kritisch gesehen: «Angesichts der gestiegenen und komplizierteren Fälle bezweifle ich, dass bei einem Stellenabbau die Aufgaben rechtzeitig und korrekt bewältigt werden können», sagt Hans Pfäffli, Stadtpräsident von Rheineck. «Kürzungen müssten in den Institutionen differenziert ermittelt werden.»

Richard Faust, Vertreter der Grünen in der Region Rorschach, sieht noch immer personellen Bedarf im Sozialwesen: «Sozialhilfe beschränkt sich heute auf finanzielle Hilfe, Zeit für Ratschläge gibt es keine. Die Betreuung ist nicht vorhanden, nur das Geld.»

Beschäftigungszahlen sorgen für Diskussion

Es stimmt: Zwischen 1995 und 2013 stieg die Zahl der Beschäftigten schweizweit im Sozialbereich von 121000 auf 209000 Vollzeitäquivalente an – eine Zunahme von 73 Prozent. Eine Studie fasste den Begriff «Sozialbereich» dabei weit und schloss Teile der öffentlichen Verwaltung und Sozialversicherungen genauso ein wie die Bereiche Gesundheit, Bildung und Kultur. Alters- und Pflegeheim-Angestellte machen dabei rund 41 Prozent der Beschäftigten des Sozialbereichs aus.

Der demografische Wandel, sprich: die steigende Lebenserwartung, bei abnehmender familiärer Unterstützung in der Alterspflege und -betreuung, ist ein wesentlicher Faktor für die Zunahme an Stellen im Sozialwesen. «Alters- und Pflegeheime haben ihre Berechtigung», sagt dazu Beat Hirs, FDP-Gemeindepräsident von Rorschacherberg und Verwaltungspräsident von Pelago. «Die Nachfrage reguliert das Angebot – wir schaffen keine unnötigen Stellen.» Die hohen Kosten führt Hirs zum Teil auf die Professionalisierung des Personals zurück. Die Einführung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde im Jahr 2013 habe zwar auch Gutes gebracht, gleichzeitig aber durch die hohe Messlatte der Fachleute sehr hohe Kosten verursacht. «Früher musste man einfach die richtige Person für ­einen Job sein. Heute muss man einen Titel haben», sagt Hirs. «Massive Verbesserungen sehe ich dadurch keine.»

Ähnlich sieht es Pfäffli bei Fremdplatzierungen in Heimen oder Anstalten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene: «Die Kosten sind enorm gestiegen und liegen je nach Institution teilweise bei bis zu 700 Franken pro Tag für eine Rundumbetreuung. Ich frage mich, ob der Betreuungsausbau wirklich adäquat ist und bezweifle, dass die hohen Standards so viel mehr Erfolg bringen. Selbst bei Kitas gilt heute ein relativ hoher Standard».

Die Zahl der Kinderbetreuungsstätten ist nach Angaben des Amts für Soziales im Kanton St. Gallen von 500 Kitaplätzen im Jahr 2001 auf heute fast 2000 Plätze gestiegen, was einem jährlichen Zuwachs von knapp 100 Kitaplätzen entspricht. Amtsleiterin Andrea Lübberstedt gibt ­jedoch zu bedenken: «Oft wird nicht gesehen, dass die Mehrheit der Kosten die Eltern tragen. Kitaplätze werden nicht ohne guten Grund in Anspruch genommen.»

Volkswirtschaftliche Rechnungen

Im Abschlussbericht über familien- und schulergänzende Betreuungsangebote im Kanton St. Gallen wird berichtet, dass 60 Prozent der Kosten über ­Elterntarife und nicht über die ­öffentliche Hand finanziert ­werden. «Volkswirtschaftlich gesehen ist die Zunahme an Kitaplätzen eine begrüssenswerte Entwicklung», nimmt Lübberstedt Stellung. «In Zeiten des Fachkräftemangels wäre es falsch, wenn das Fachwissen und Arbeitskräftepotenzial von Frauen nach der Geburt eines Kindes der Wirtschaft nicht mehr zur Verfügung stünde.»

Hinsichtlich der zukünftigen Finanzierung sagt Lübberstedt klar: «Bund, Kanton und Gemeinden werden nach Lösungen suchen müssen. Auf nationaler Ebene wird bereits daran gearbeitet, ersichtlicher zu machen, wann es sich um eine Pflichtleistung handelt und wann der Staat zu viel Hilfeleistung gibt.»

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