«Gegenpol zu Bischof Huonder setzen»

Passen Scheidung und Kirche zusammen? Die Katholische Kirche Rorschach findet «Ja». Neben Gesprächsabenden, Kursen und Seelsorge sollen Betroffene mit einer neuen Gottesdienstreihe ihre Erfahrungen verarbeiten und bewältigen können.

Jan Hoefliger
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Die Seelsorger Elisabeth Lüthard und Roman Rieger im Gespräch. (Bild: Jan Hoefliger)

Die Seelsorger Elisabeth Lüthard und Roman Rieger im Gespräch. (Bild: Jan Hoefliger)

RORSCHACH. Viele haben es im eigenen Umfeld miterlebt oder sind sogar selber davon betroffen gewesen. Die Rede ist von Trennung beziehungsweise Scheidung. «Wir Seelsorgende der Seelsorgeeinheit Region Rorschach verschliessen nicht länger die Augen vor der Realität», sagt Roman Rieger, Theologe der Katholischen Kirche Rorschach. Mit einer Online-Umfrage im vergangenen Frühling klärte die kircheneigene Kommission für Partnerschaft und Familie zuerst die Bedürfnisse ab, die in ihrem Aufgabenbereich liegen. «Herausgekommen ist, dass in der Region Rorschach vielen Menschen das Thema Trennung beziehungsweise Scheidung unter den Nägeln brennt», sagt Kommissionspräsidentin Elisabeth Lüthard. Ähnliche Bedürfnisse äusserten auch Befragte der päpstlichen Umfrage im vergangenen Dezember. «Die Basis wünscht sich offenbar, dass unter anderem das Thema Scheidung nicht länger übergangen wird», sagt Lüthard.

Gegenpol zu Bischof Huonder

«Wir wollen mit unserem Programm über Scheidung auch einen Gegenpol zu kirchlichen Positionen setzen, wie sie unter anderem der Churer Bischof Vitus Huonder vertritt», sagt Roman Rieger. Denn wenn es nach Huonder ginge, müssten die Sakramente den geschiedenen Wiederverheirateten verweigert werden. «In unserer Kirche sind auch diese Menschen willkommen», sagt Rieger. Deswegen bietet die Familienkommission der katholischen Kirche Seelsorgeeinheit Region Rorschach künftig verschiedene Dienste an. So finden beispielsweise interne Weiterbildungen statt, in denen die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Seelsorgeeinheit Region Rorschach auf das Thema sensibilisiert werden. «Viele wissen nicht, wie sie sich gegenüber Geschiedenen verhalten sollen», sagt Rieger. Deshalb werde darüber oft nicht gesprochen. «Wichtig ist, Verständnis für die Situation zu zeigen und der betroffenen Person beizustehen.» Auch seelsorgerisch will die Katholische Kirche Rorschach das Angebot ausbauen. So wird sie etwa Gesprächsabende für Betroffene veranstalten. Man könne sich auch an die Seelsorgenden der Kirche wenden.

Viermaliger Vierklang

Am Samstag, 8. März, startet eine neue Vierklang-Reihe. «Vierklang» deshalb, weil dabei Bilder, Instrumente, Worte und Gesang Bestandteil der Gottesdienste sind. «Wir wollen die Anwesenden über verschiedene Sinneskanäle ansprechen», sagt Rieger. Gehen die ersten drei Feiern dem Thema Trennung und Scheidung nach, so findet die vierte Feier im Zeichen von «Ehe und Partnerschaft stärken» statt. Bei dieser Feier seien alle Paare eingeladen, «persönlich den Segen Gottes für ihre Beziehung zu empfangen».

Gottesdienste: 8. März, 21. Juni, 29. Nov., 18 Uhr, in der Kolumbanskirche, 6. Sept., 18 Uhr, im PHSG-Gebäude Mariaberg.

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