GEFRIERPUNKT: Keine Pirouetten in Gossau

Neuester Trend ist es, auf dem Seealpsee herumzukurven. Auch in Gossau war es einst Mode, sich die Schlittschuhe zu schnüren.

Christina Dietze
Drucken
Teilen
Schlittschuhe mussten in Gossau weitestgehend an den Nagel gehängt werden. (Bild: Donato Caspari)

Schlittschuhe mussten in Gossau weitestgehend an den Nagel gehängt werden. (Bild: Donato Caspari)

Der Seealpsee ist erstmals seit zehn Jahren wieder gefroren. Infolgedessen pilgern viele auf Eigeninitiative mit ihren Schlittschuhen in den Alpstein. Eine offizielle Freigabe des gefrorenen Sees gibt es aber nicht. Der Kanton müsste dann Massnahmen ergreifen, um den See zu prüfen und Besucher zu überwachen (Tagblatt vom 14. Dezember).

In Gossau gibt es zurzeit keine offizielle Möglichkeit, Schlittschuh zu laufen. Dies war früher anders. Der Aufwand, der für die öffentliche Hand im Alpstein nicht tragbar ist, war für Privatpersonen in Gossau für ein paar Jahre lang selbstverständlich. Auf dem Aatal-Weiher haben vor 55 Jahren Kinder und Jugendliche im Winter noch Eishockey gespielt, wie Hansjörg Bänniger sagt. Er selbst war einer davon. Der Weiher gehörte damals seinem Vater, Inhaber der örtlichen Sägerei. «Es war ein beliebter Treffpunkt unter Gossauer Kindern.» Der Vater habe dabei stets auf die Sicherheit geachtet und gemessen, ob das Eis genügend dick sei. Nicht immer waren die Temperaturen genügend tief für eine Eisbildung. «Manchmal konnte nachgeholfen werden, indem Wasser auf das gefrorene Eis gespritzt wurde», sagt Bänniger. Bei genügend Minustemperaturen führte dies zu einer dickeren Schicht Eis. Auch der Gossauer Norbert Hälg erinnert sich noch ans Schlittschuhlaufen auf einem Gossauer Weiher in den 60er-Jahren. Beim Autobahnbau sei der Weiher im Schwarzen Tobel dann aber zugeschüttet worden.

Keine Eisbahn wegen steigender Temperaturen

Historiker Karl Schmuki bestätigt, dass in Gossau früher verschiedene Eisbahnen im privaten Rahmen betrieben wurden. Von 1913 bis 1933 und 1933 bis 1960 habe es aber auch natürliche, halböffentliche Eisbahnen gegeben, die regen Zulauf erhielten. Dies zuletzt beim Schwimmbad, das von der Dorfkooperation betreut wurde. «Aus finanziellem Grund und wegen steigender Temperaturen wurde der Eislaufbahn-Betrieb 1960 eingestellt.» Mehrere Nächte hintereinander müsse die Temperatur im Minusbereich sein, damit in der Badi eine natürliche Eisbahn entstehe, wie Schmuki sagt. Zudem müsse für eine schöne Eisfläche das Wasser kontinuierlich begiesst und berieselt werden. Die Gelegenheiten dafür wurden immer seltener aufgrund des Klimawandels.

2006 und auch in diesem Jahr setzte sich Parlamentarier Alfred Zahner für eine Eislaufbahn in Gossau ein. Der Stadtrat verwies beide Male auf die hohen Kosten, die eine solche Inbetriebnahme mit sich zöge.