«Gefahr für nationalen Zusammenhalt»

Die vorgeschlagene Abschaffung des Schwerpunktfachs Italienisch an den St. Galler Gymnasien wirft im Tessin hohe Wellen. Im einzigen italienischsprachigen Kanton der Schweiz ist man sensibel, wenn in der restlichen Schweiz Entscheide gefällt werden, welche die dritte Landessprache betreffen.

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Die vorgeschlagene Abschaffung des Schwerpunktfachs Italienisch an den St. Galler Gymnasien wirft im Tessin hohe Wellen. Im einzigen italienischsprachigen Kanton der Schweiz ist man sensibel, wenn in der restlichen Schweiz Entscheide gefällt werden, welche die dritte Landessprache betreffen. Der Sparvorschlag in St. Gallen lässt prompt die Emotionen hochgehen.

Diese Woche wandte sich das Tessiner Erziehungsdepartement in einem Schreiben an die Schweizerische Maturitätskommission, weil der Vorschlag in St. Gallen «nicht nur die geringe Wertschätzung der italienischen Sprache und Kultur, sondern auch des multikulturellen Reichtums unseres Landes bedeutet».

Domino-Effekt befürchtet

Im «Corriere del Ticino» sprach Nationalrätin Marina Carobbio (SP), Präsidentin der Tessiner Deputation an den Eidgenössischen Räten, von einem inakzeptablen Vorschlag, «der die nationale Kohäsion gefährdet».

Es bestehe die Gefahr, dass andere Kantone dem Beispiel von St. Gallen folgten und so ein Domino-Effekt entstehe.

Der Tessiner Renato Martinoni, Italienisch-Professor an der Universität St. Gallen, hatte in Zeitungsartikeln und Interviews für die Entwicklung in St. Gallen sensibilisiert (siehe Podium unten). Dabei sparte er nicht mit Kritik an den politisch Verantwortlichen im Tessin, die sich zu wenig für die Erhaltung und Pflege der italienischen Sprache ausserhalb ihres Kantons einsetzten.

Dialekt statt Nationalsprache

Via Internet (www.italiano ascuola.ch) zirkuliert eine Petition mit bereits 5000 Unterschriften gegen die St.Galler Sparpläne. Tessiner zeigen sich besorgt, dass in der Deutschschweiz immer mehr Dialektkurse angeboten würden, während Italienisch als Nationalsprache ständig an Boden verlöre. Gerhard Lob, Bellinzona