GECAJ TOT: Gecaj lag leblos in seiner Zelle

ST.GALLEN. Lehrermörder Ded Gecaj ist tot. Er wurde am Freitagmorgen leblos in seiner Zelle im Bezirksgefängnis gefunden. Ob Gecaj eines natürlichen Todes starb oder Selbstmord beging, wird untersucht.

Daniel Walt
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Die letzte Station im Leben des Ded Gecaj: das Bezirksgefängnis St.Gallen an der Neugasse. Im Bild der Eingang. (Bild: Urs Bucher)

Die letzte Station im Leben des Ded Gecaj: das Bezirksgefängnis St.Gallen an der Neugasse. Im Bild der Eingang. (Bild: Urs Bucher)

Seit über zwei Monaten sass der 52jährige Ded Gecaj in St.Gallen in Untersuchungshaft. Ihm wird zur Last gelegt, 1999 im Schulhaus Engelwies in St.Gallen den Lehrer seiner Tochter erschossen zu haben. Nun ist klar, dass es nie einen Prozess gegen Gecaj geben wird: Er wurde am Freitagmorgen kurz vor sieben Uhr von einem Betreuer, der ihm das Frühstück bringen wollte, leblos in seiner Zelle im Bezirksgefängnis aufgefunden.


Natürlicher Tod oder Suizid
An einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz wurde über den Tod Ded Gecajs informiert. Sofort alarmierte Rettungsärzte und -sanitäter hätten nur noch Gecajs Tod feststellen können, sagte Thomas Hansjakob, Erster Staatsanwalt des Kantons St.Gallen. Auf Dritteinwirkung habe nichts hingedeutet.

Im Vordergrund steht für Hansjakob, dass Gecaj entweder eines natürlichen Todes gestorben ist oder sich das Leben genommen hat. Erste Berichte, wonach Gecaj Selbstmord begangen habe, wollte er nicht bestätigen und liess sich auch durch Fragen von Medienvertretern nicht zum Spekulieren verleiten. Genausowenig bestätigte er gegenüber Tagblatt Online, dass Gecaj am Boden in seiner Zelle aufgefunden worden sei, wie andere Newsportale berichteten. Ob ein Abschiedsbrief gefunden wurde, ist derzeit noch nicht klar.

Klagen über Haftbedingungen
Im Lauf der Medienkonferenz wurde bekannt, dass die Verantwortlichen ein besonderes Augenmerk auf Häftling Ded Gecaj hatten, was die Überwachung und die ärztliche Betreuung betrifft. Dies, weil er sich über die Haftbedingungen beschwert habe: Gecaj habe sich über körperliche Beschwerden beklagt sowie darüber, sich allein zu fühlen und nicht vermehrt Besuch empfangen zu können. Thomas Hansjakob betonte diesbezüglich, Ded Gecaj habe dieselben Haftbedingungen gehabt wie andere Untersuchungshäftlinge auch.

Ob allenfalls ein Zusammenhang zwischen dem Tod Ded Gecajs und einer Wunde besteht, über welche dieser am Dienstag klagte, wird noch zu klären sein. Der Arzt, der Gecaj untersucht habe, habe die Wunde als oberflächlich beurteilt und versorgt, sagte Thomas Hansjakob. Auf die Nachfrage, wo sich die Wunde denn befunden habe, wollte er sich nicht äussern. Hansjakob fügte an, der Arzt habe am Dienstag festgestellt, dass Ded Gecaj wohlauf und bei klarem Bewusstsein war.

Externe untersuchen den Todesfall
Wegen der Klagen Ded Gecajs über die Haftbedingungen haben die Verantwortlichen beschlossen, die Untersuchungen zum Todesfall Externen zu überlassen. Angefragt wurden die Behörden des Kantons Thurgau. Diese haben schliesslich Andreas Kopp, Vizestatthalter Bischofszell, mit der Bearbeitung des Falls betraut.

Kopp hat mit der Kantonspolizei Thurgau sowie dem Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St.Gallen die Arbeit bereits aufgenommen. Seine Aufgabe ist es zu prüfen, woran Ded Gecaj gestorben ist und ob allenfalls jemand für seinen Tod verantwortlich gemacht werden kann. Nach Aussage von Thomas Hansjakob standen die Befragungen von Ded Gecaj im Verfahren um den Lehrermord relativ kurz vor dem Abschluss: Was es noch gebraucht hätte, wäre ein psychiatrisches Gutachten gewesen.


Jahrelange Flucht
Nach dem Mord an Lehrer Paul Spirig im Schulhaus Engelwies 1999 setzte sich Ded Gecaj in den Kosovo ab. Dort gestand er bei seiner Verhaftung die Tat. Die ihm zur Last gelegte Misshandlung seiner Tochter stritt er ab. Er musste im Kosovo wegen Totschlags ins Gefängnis, kam aber nach zwei Jahren wieder frei. Ded Gecajs Frau wurde 2000 vom Kantonsgericht St.Gallen verurteilt. Weil sie von den Misshandlungen der Tochter gewusst habe, musste sie für zwei Jahre ins Gefängnis. Danach wurde sie ausgeschafft. 2005 wurde Gecaj erneut im Kosovo festgenommen und wieder freigelassen. Erst ein weiteres Auslieferungsgesuch der Staatsanwaltschaft führte dazu, dass der Lehrermörder gefasst und ausgeliefert wurde. (rr)