GEBÄUDESCHÄDEN: Es geht ein Riss durchs Mauerwerk

Die Familiengruft von Bayer auf dem Rorschacher Kirchhof hat einen Riss. Im Zuge der Arbeiten auf der Seehof-Baustelle ist dieser grösser geworden. Das unter Schutz stehende Grab wird nun zusätzlich gesichert.

Christina Vaccaro
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Der Riss an der Ostseite der Familiengruft hat sich deutlich vergrössert. (Bild: Christina Vaccaro)

Der Riss an der Ostseite der Familiengruft hat sich deutlich vergrössert. (Bild: Christina Vaccaro)

Christina Vaccaro

christina.vaccaro@tagblatt.ch

Die Familiengruft von Bayer neben der Katholischen Pfarrkirche St. Kolumban und Konstan­tius in Rorschach fängt dieser Tage manche Blicke vorbeispazierender Fussgänger. Der markanteste Riss durchzieht die gesamte östliche Gebäudeseite, ist etwa zwei Zentimeter breit und stellenweise bis zu acht Zentimeter tief. «Die Risse am Gebäude waren bereits vor Inbetriebnahme der Baustelle vorhanden und sind grösser geworden», sagt Jochen Schaumann, Projektleiter der Priora AG Generalunternehmung. «Es handelt sich um einen oberflächlichen Riss.»

Erst Anfang August wurde der Grundstein zur Wohnüberbauung Seehof gelegt. Um weitere Schäden am Kulturobjekt bestmöglich zu vermeiden, wurden nun sogenannte Ausspriessungen mit mehreren Stahlträgern in der Baugrube angebracht. In einem Überwachungskonzept würden zudem wöchentlich Messpunkte an den umliegenden Bauten auf Veränderungen kontrolliert. Vor dem Beginn der Bauarbeiten ­seien alle umliegenden Gebäude des Seehofareals nach bereits vorhandenen Beschädigungen überprüft worden. Diese werden in einem «Rissprotokoll» festgehalten. Rissprotokolle werden routinemässig erstellt, wenn sich Gebäude in unmittelbarer Nähe von Bauprojekten befinden. Dies dient der Beweissicherung über den Gebäudezustand vor Inbetriebnahme der Bauarbeiten.

Neben dem augenscheinlichen Riss hat sich auch ein zweiter Riss auf Höhe der kleinen Treppe in Richtung Kunstatelier Seehof vergrössert. Der ebenfalls die gesamte Wand durchziehende, sehr dünne Riss am Nordflügel der Pfarrkirche sei bereits vor dem Start des Bauprojektes vorhanden gewesen. Die genaue Ursache für den entstandenen Schaden bleibt ungeklärt: «Es hat in der vergangenen Woche viel geregnet, eventuell hat das den ohnehin bestehenden Druck auf die Baugrubensicherung durch das Bodenwasser erhöht. Ganz sicher kann man es aber nicht sagen», so Schaumann.

Familiengruft aus dem 18. Jahrhundert

Die Kirchgemeinde ist über die Risse informiert. Stefan Meier, Präsident des Kirchenverwaltungsrates der Katholischen Kirchgemeinde Region Rorschach, zeigt sich unbesorgt: «Alle möglichen Massnahmen für die Grabstätten sind ergriffen worden. Ausserdem wurde mir zugesichert, dass sich die Risse nicht weiter vergrössern und nach Beendigung des Bauprojektes repariert werden.»

Laut Meier umfasst das Rissprotokoll über 100 Seiten – jahrhundertealte Gebäude würden nun einmal Zeichen der Zeit davontragen. «Die beiden Familiengruften Hofmann und von Bayer sind sehr alte, wertvolle und zu erhaltende Kulturgüter und stehen so wie die Pfarrkirche und die Seelenkapelle unter Denkmalschutz.»

Das Team rund um Schaumann sowie die Spezialisten von der Geotechnik Andres AG und die Bauingenieure von Wälli AG sind um eine Behebung der Schwierigkeiten bemüht. «Die Risse werden nach Abschluss des Bauprojektes beurteilt und allfällige Massnahmen gemeinsam mit der Katholischen Kirche Rorschach eingeleitet», so der Bauleiter. «Wir haben die Sache im Griff.» Im Allgemeinen kämen die Arbeiten nach Angaben des Projektleiters entsprechend des schwierigen Baugrundes gut voran. Rund 230 Fundationspfähle wurden gebohrt und der Aushub bereits zu 80 Prozent abgeschlossen. «Der Baumeister hat seine Arbeit aufgenommen und der Rohbau ist nun in vollem Gange.»