GBS St. Gallen plant, ihre Mediotheken aufzuheben

ST.GALLEN. Die Gewerbliche Berufsschule St. Gallen muss laut Auftrag des Kantonsrates pauschal 380 000 Franken sparen. Nun schlägt sie unter anderem vor, ihre drei Mediotheken in Online-Filialen umzuwandeln – ein heikles Vorhaben.

Marcel Elsener
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Die Gewerbliche Berufsschule St. Gallen (GBS) erlebte die Spardebatte des St. Galler Kantonsparlamentes im Februar sozusagen mit einem lachenden und einen weinenden Auge: Zwar wurden die beabsichtigten Sparmassnahmen bei den Lehrwerkstätten für Bekleidungsgestalterinnen und für Grafiker (Erhöhung der Teilnahmegebühren) gestrichen. Doch liessen sich die Finanzkommission und eine Parlamentsmehrheit nur dadurch für diesen Entscheid gewinnen, indem der Schule im Gegenzug eine Sparvorgabe von 380 000 Franken aufgebürdet wurde.

Eine Pauschale, die von der Schulleitung dieser Tage in Form von konkreten Sparmassnahmen dem Bildungsdepartement vorgeschlagen wird.

Mediotheken mit Personal

Nachdem die Schulleitung letzte Woche kurz vor den laufenden Frühlingsferien ihr Lehrpersonal – rund hundert Personen – informierte, ist die einzig umstrittene unter den Massnahmen nun an die Öffentlichkeit gesickert. Kein Wunder: Sie betrifft die beabsichtigte Aufhebung der drei GBS-Mediotheken mit ihren mehr als 10 000 Medien (Sachbücher, Literatur, Comics, CDs, Videos, DVDs, Zeitungen, Spiele). Nach dem Bibliotheksverzicht in der Hauptpost sei es ein verheerendes Signal, wenn die grösste Schule des Kantons ihre Bibliotheken schliesse, heisst es aus aufgeschreckten Pädagogik- und Bibliothekskreisen.

Betroffen wären drei Bibliothekarinnen mit 150 Stellenprozenten; ihnen ist angeblich bereits gekündigt worden.

«Bedauerlich», aber von Vorteil

Rektor Lukas Reichle bestätigt eine «heftige Diskussion» an der Informationsveranstaltung und spricht vorsichtig von einer «Absichtserklärung», die noch nicht einmal dem Bildungsdepartement eingereicht worden sei. Der Verzicht auf die bisherige Mediothek in drei Schulhäusern brächte eine Ersparnis von 140 000 Franken, vorwiegend Personalkosten.

Der Entscheid sei «kein Affront gegen das Buch» und «sicher bedauernswert», aber aufgrund der tiefen Ausleihfrequenzen vertretbar, sagt Reichle. «Da muss man auch selbstkritisch sein.»

Man habe im zwölfköpfigen Leitungsteam intensiv überlegt, wo «möglichst weit weg vom Bildungsauftrag» gespart werden könne. Mit der Idee, unter Einbezug von Lehrpersonen bis Ende 2011 eine Online-Mediothek einzurichten, verspricht sich der Rektor gar einen «Mehrwert»: Statt in nur drei Schulhäusern könnten Lehrende künftig «in jeder Filiale» Online-Recherchen betreiben.