GAUDI: Nur noch ein Umzug, dafür Rekordbeteiligung

Diesen Sonntag geht wieder der Gossauer Fasnachtsumzug über die Bühne. Über 100 Helfer braucht es. Zu «wilde» Teilnehmer werden im Zaum gehalten.

Angelina Donati
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Umzugteilnehmer beziehen in ihre "Show" gerne auch Auserwählte aus dem Publikum ein. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Umzugteilnehmer beziehen in ihre "Show" gerne auch Auserwählte aus dem Publikum ein. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Ob Tranquillo Barnetta, «Füür und Flamme», Olma-Säuli oder «Pfusch am Bau»: Die Sujets, die am diesjährigen Fasnachtsumzug in Gossau präsentiert werden, könnten unterschiedlicher nicht sein. Zu Recht – schliesslich werden dieses Mal den kreativen Köpfen keine Grenzen gesetzt. Unter dem Motto «Frei Schnauze» ist erlaubt, was gefällt.

Da nun erstmals nicht aus dem Fundus der von Schülern selbstgestalteten Masken Gebrauch gemacht wird, wollte es das Fasnachtskomitee den Teilnehmern so einfach wie möglich machen. «Es scheint, als haben diese Masken vorerst ausgedient», sagt Umzugsleiterin Isabelle Brändli. Genau diese aber hätten den Gossauer Fasnachtsumzug über all die Jahre bekannt gemacht. «Obwohl ich in der
Stadt St. Gallen aufgewachsen bin, machte sich unsere Familie jeweils für den Umzug nach Gossau auf. Das war stets ein Highlight», erinnert sich Isabelle Brändli.

Der Stellenwert der Fasnachtszeit scheint generell abzunehmen. Das zeigt sich auch am Organisationskomitee, das geschrumpft ist. Bereits zweimal stand die Zukunft des Vereins auf der Kippe. Aktuell gehören ihm noch sieben Vorstandsmitgliedern an. Um den schwindenden Kräften Rechnung zu tragen, entschied man sich, bei der diesjährigen Austragung nur noch einen Umzug durchzuführen. Damit geht der Traditionsanlass zurück zu seinen Wurzeln: Auch bei der erstmaligen Durchführung 1955, die vom Gossauer Gewerbeverein initiiert wurde, gab es lediglich einen Umzug.

Teilnehmer bereiten sich bis zu einem Jahr vor
Wohl genau wegen der einmaligen Austragung haben sich nun so viele Teilnehmer wie noch
nie angemeldet. Nach neuesten Zahlen werden 66 Gruppen mitlaufen können, davon zu gleichen Teilen Guggen, Wagen und Fussgruppen. «Mehreren Teilnehmern mussten wir aus Platzmangel leider absagen», erklärt Isabelle Brändli. Das langjährige OK-Mitglied freut sich jedes Mal wieder aufs Neue auf die fünfte Jahreszeit. Der Aufwand mit den vielen Abklärungen und Bewilligungen sei zwar hoch, doch die detailverliebten Sujets machten alles wieder wett, wie sie sagt. Umzugsteilnehmer würden jeweils bis zu einem Jahr im Voraus mit den Vorbereitungen für die Gestaltung der Wagen oder Gewänder beginnen. «Diese Begeisterung finde ich genial.» Die Fasnachtszeit gebe jedem die Möglichkeit, aus dem Alltag auszubrechen und eine kurze Zeit jemand anderes zu sein.

Obwohl die Umzüge jeweils friedlich verlaufen, habe es auch schon «Ausbrecher» gegeben, wie die Umzugsleiterin sagt. Einige, die mit der gefürchteten Konfetti-Badewanne vorfuhren, hätten es zu wild getrieben und Besucher im bunten Papiermeer gebadet, die sich ausdrücklich dagegen sträubten. Die Situation habe man aber schnell entschärfen und die Übeltäter zur Rechenschaft ziehen können.
An einem solchen Umzugstag stehen rund 100 Helfer im Einsatz, darunter alleine die Feuerwehr mit 70 Mann. Der Umzug von diesem Sonntag startet um 14.14 Uhr und dauert voraussichtlich bis circa 15.45 Uhr. Danach wird fleissig im Andreaszentrum weitergefeiert. Ob es auch künftig bei einem Umzug bleiben wird, kann Isabelle Brändli noch nicht sagen. «Wir warten mal ab und schauen, wie es ankommt.»