Gastgeber verging sich an junger Frau

An einer Party mit rund 20 Leuten kippte eine junge Frau um und musste sich im Gästezimmer hinlegen. Dort, so lautet ihr Vorwurf, soll der Gastgeber sie geschändet haben. Die Party hatte in einer Novembernacht 2014 stattgefunden. Jetzt musste sich der Gastgeber vor Kreisgericht St. Gallen verantworten.

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An einer Party mit rund 20 Leuten kippte eine junge Frau um und musste sich im Gästezimmer hinlegen. Dort, so lautet ihr Vorwurf, soll der Gastgeber sie geschändet haben. Die Party hatte in einer Novembernacht 2014 stattgefunden. Jetzt musste sich der Gastgeber vor Kreisgericht St. Gallen verantworten.

Alkohol und Drogen konsumiert

Bei Partybeginn seien alle Anwesenden nüchtern gewesen, gab der 23-Jährige zu Protokoll. Nachdem die Gäste eingetroffen waren, wurden Trinkspiele veranstaltet. Man habe in kurzer Zeit sehr viel Alkohol und Marihuana konsumiert, berichtete der junge Schweizer in der Befragung des Einzelrichters. Auch er sei bald stark berauscht gewesen und könne sich deswegen nicht mehr an viel erinnern.

Gemäss seinen Aussagen erfuhr der Gastgeber irgendwann, dass eine junge Frau umgefallen sei und man sie im Gästezimmer auf eine Matratze gelegt habe. Soweit er sich erinnere, habe er nachschauen wollen, ob es ihr gut gehe. Er glaube, er habe sie an der Schulter angestupst. Sie sei aufgewacht, erschrak und habe nach ihrer Kollegin verlangt.

DNA von zwei Männern

Die Frau verliess mit der Kollegin die Wohnung und erstattete später Anzeige. Sie sagte aus, dass der Beschuldigte seine Finger in ihre Scheide gesteckt habe, als sie schlafend im Gästezimmer gelegen habe. Bei einer Untersuchung wurden in ihrem Intimbereich DNA-Spuren des Beschuldigten und eines weiteren unbekannten Mannes gefunden.

Er schliesse nicht aus, dass der Frau an der Party etwas passiert sei, und dies tue ihm sehr leid, erklärte der Beschuldigte vor Gericht. Jedoch könne er sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass er der Schuldige sei. Er kenne sich so nicht und könne nicht glauben, dass er die Integrität einer Frau verletze.

Zwei Ereignisse vermischt?

Der Verteidiger warf die Frage auf, ob das Opfer vielleicht zwei Ereignisse vermische. Da die DNA zweier Männer gefunden worden seien, könne es gut sein, dass die Frau beim Aufwachen seinen Mandanten als Täter erkannt habe, obwohl die Schändung vorher von einem anderen Mann begangen worden sei. Ihre Mandantin sei eine vernünftige Frau mit klarem Verständnis, was richtig und falsch sei, sagte die Rechtsanwältin des Opfers. Ihre Aussage, dass der Beschuldigte und kein anderer sie geschändet habe, sei glaubhaft.

Schuldig gesprochen

Der Einzelrichter sah die Schuld des 23-Jährigen als erwiesen an. Er verurteilte ihn wegen Schändung und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer bedingten Geldstrafe von 200 Tagessätzen à 80 Franken bei einer Probezeit auf zwei Jahre. Zudem hat er eine Busse von 100 Franken, eine Genugtuung an das Opfer von 500 Franken und die Verfahrenskosten von rund 12 000 Franken zu bezahlen. (cis)