Gartenarbeit ist wohltuend

Alice Oberli wurde der Prix Bioterra für ihr Naturareal in Rorschacherberg verliehen. Im Interview spricht sie über die Auszeichnung, ihre Arbeit und ihre zahlreichen Zukunftspläne.

Alexandra Dickenmann
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Alice Oberli gewann für ihr Naturareal in Rorschacherberg den mit 10 000 Franken dotierten Prix Bioterra. (Bild: Alexandra Dickenmann)

Alice Oberli gewann für ihr Naturareal in Rorschacherberg den mit 10 000 Franken dotierten Prix Bioterra. (Bild: Alexandra Dickenmann)

Frau Oberli, was bedeutet der Gewinn des Prix Bioterra für Sie?

Alice Oberli: Den Prix Bioterra gewonnen zu haben, freut mich sehr. Die Auszeichnung zeigt mir, dass meine Arbeit im Natur- areal honoriert wird.

Was machen Sie mit dem Preisgeld von 10 000 Franken?

Oberli: Das Geld benötigte ich für ein solides Dach für einen Unterstand im Naturgarten, da das bestehende Dach nicht mehr dicht ist. Mit einer neuen Überdachung kann ich Projekte mit Gruppen und Klassen auch bei schlechter Witterung durchführen.

Haben Sie sich schon als Kind für die Natur interessiert?

Oberli: Ich bin auf einem kleinen Bauernhof im Emmental geboren und mit der Natur gross geworden. Als Kind habe ich Frösche und Salamander eingefangen und beobachtet. Wir waren Selbstversorger, hielten verschiedene Tiere, bauten Kartoffeln und Getreide an und hatten einen grossen sehr schönen Bauerngarten.

Ihr Naturareal beheimatet diverse Tier- und Pflanzenarten. Was darf in einem Naturgarten nicht fehlen?

Oberli: Wichtig sind Hecken, einheimische Wildsträucher und -stauden. Diese bieten Tieren wie etwa Igeln Unterschlupf. Wenn sie Beeren tragen, versorgen sie zudem Vögel mit Nahrung. Laub darf ruhig liegen gelassen werden. Darin können sich Glühwürmchen-Larven einnisten – vorausgesetzt, man lässt das Laub vier Jahre an derselben Stelle liegen. Glühwürmchen gibt es nämlich heute viel zu selten. Wo sich Glühwürmchen wohl fühlen, finden sich oft seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten, vielfach typische Vertreter der traditionellen Kulturlandschaft. Wo Leuchtkäfer leben, gefällt es auch den Menschen.

Was schätzen Sie besonders an der Arbeit in der Natur?

Oberli: Die Gartenarbeit ist unglaublich wohltuend. Es gibt vieles zu erleben, man kann sich berühren lassen, spürt Luft, Wind und Erde. Bei der Arbeit in der Natur kann man abschalten und Kraft tanken.

Neben der Arbeit im Naturareal setzen Sie sich auch für den Schutz von Fledermäusen ein. Wie wird man Fledermausschützerin?

Oberli: Ich absolvierte eine zweijährige Ausbildung bei Wolf-Dieter Burkhard, Kantonaler Fledermausbeauftragter des Kantons Thurgau. In dieser lernte ich das Wesen der Fledermaus kennen, wie man sie schützen und ihre Art bestimmen kann. Letzteres ist schwierig, denn es gibt 30 verschiedene Fledermausarten in der Schweiz.

Was raten Sie jemandem, der eine verletzte Fledermaus findet?

Oberli: Die Fledermaus sollte mit Handschuhen eingefangen und in eine mit Haushaltpapier gepolsterte Schachtel gelegt werden. Diese Schachtel ist mit Luftlöchern zu versehen und gut zu verschliessen. Danach sollte die nächste Anlaufstelle für in Not geratene Fledermäuse kontaktiert werden.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Oberli: Für das nächste Frühjahr ist der Kurs «Naturerlebnis für Blumenkinder» geplant. Das Kind stellt sich vor, welche Blume es sein möchte, die es dann sät, pflegt, wachsen und blühen sieht und zum Abschluss mit der gepflückten Blume tanzt. Ausserdem suche ich einen jungen Menschen, der den Kurs «JugendnaturschutzleiterIn» bei ProNatura besuchen möchte, um anschliessend mit Gleichaltrigen im Naturareal zu wirken. An einem schönen Frühlingstag möchte ich zudem einen Dankestag für diejenigen veranstalten, die mich unterstützen und durch deren Voting ich den Prix Bioterra erhalten habe.

Wie soll dieser Tag aussehen?

Oberli: Kinder und Erwachsene sollen an diesem Tag die Möglichkeit haben, den Naturgarten zu entdecken, den Barfussweg auszutesten und eine Saatgutbombe herzustellen. Die Saatgutbombe wird aus Lehm, Erde und Saatgut gebaut und anschliessend geworfen.

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