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Ganz nebenbei gibt’s auch noch die Stiftsbibliothek

Stiftsarchiv Alle Welt besucht die Stiftsbibliothek, wenige nur kennen das Stiftsarchiv, das sich im Zeughausflügel des Regierungsgebäudes befindet. «Wir verwahren die Rechtsdokumente des ehemaligen Klosters», sagt Jakob Kuratli Hüeblin, der stellvertretende Stiftsarchivar. «Die Stiftsbibliothek ist für den Geist da, hier aber findet sich das reale Leben.» Und zwar weit, weit zurück. Kuratli Hüeblin spricht denn auch vom «ältesten Klosterarchiv des Abendlands», das er im Schutzraum des Stiftsarchivs hütet. «Die älteste Original-Urkunde stammt von 716 und ist damit ein wenig älter als das Kloster selber, das 719 der Priester Otmar aus jener Eremitengruppe schuf, die der Priestermönch Gallus nach 612 an dem Ort ins Leben gerufen hatte», erklärt er. Allein 850 Urkunden aus dem Frühmittelalter haben sich erhalten: «Ein einzigartiger Bestand!» Der erst noch tief ins damalige Leben blicken lässt. Da erfährt man etwa, wie ein Mann für seine Frau eine Lebensversicherung hatte abschliessen können. Oder wie eine Frau verhindert, dass der Mann auf ihr Geld zugreifen konnte. «Das Kloster war eine Art Treuhänder. Dafür gab es eine Klausel in Verträgen: Wenn die Familie ausstirbt, fällt ihr Besitz ans Kloster.» So wird dieses reich und mächtig.

Solothurn fragt an, St. Gallen wehrt bauernschlau ab

Viele interne Dokumente belegen, worüber im Kloster gesprochen und auch gestritten wird. Zum Beispiel im Falle der Kathedrale. «Der Planungsprozess dauert auch deshalb so lange, weil man sich nicht einig ist.» Abt Coelestin II. Gugger von Staudach muss Zeit gewinnen. Und er muss verhindern, dass ihm die Bauleute und Innenausstatter abgeworben werden. «Deshalb erfindet er eine Art Beschäftigungsprogramm und sagt zu den Mönchen: Kommt, wir bauen eine neue Krankenabteilung und eine Bibliothek.» Ironie des Schicksals: Heute ist die so nebenbei gebaute Stiftsbibliothek weltberühmt. Von der damals im Zentrum der Planung stehenden Krankenabteilung aber kennt man nicht einmal mehr die genaue Lage.

Coelestin erreicht sein Ziel, die Bauleute bleiben. Und als sich die Solothurner in St. Gallen erkundigen, ob Baumeister Johann Michael Beer zu empfehlen sei, wehrt der Fürstabt bauernschlau ab, indem er «in freundeidgenössischer Aufrichtigkeit» erklärt, die wichtige Arbeit habe der hochbetagte Peter Thumb geleistet. (R.A.)

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