Gallusplatz wird autofrei

ST.GALLEN. Der Stadtrat zieht die Konsequenzen aus dem zunehmenden Verkehr auf dem Gallusplatz: Im August soll dieser für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Die vereinbarten Grenzwerte haben in den letzten Monaten stetig zugenommen.

David Gadze
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Schon bald keine Durchfahrt mehr: Nach den Sommerferien soll der Gallusplatz vom Autoverkehr befreit werden. (Bild: David Gadze)

Schon bald keine Durchfahrt mehr: Nach den Sommerferien soll der Gallusplatz vom Autoverkehr befreit werden. (Bild: David Gadze)

Der Verkehr rund um den Gallusplatz hat seit der «Eröffnung» der neugestalteten südlichen Altstadt konstant zugenommen. Nun handelt der Stadtrat: In einer gestern veröffentlichten Mitteilung kündigt er an, dass der Gallusplatz für den Durchgangsverkehr gesperrt wird. Die Zufahrt zur südlichen Altstadt soll nur noch für Anwohner und den Zubringerdienst gestattet sein. Taxis sollen zwar hinein-, aber nicht durchfahren dürfen. «Auch die Busse der Linie 12 werden weiterhin normal verkehren», sagt Stadtrat Nino Cozzio.

Verkehrsstop ab August

An den Eingangspforten zur südlichen Altstadt, also an der St.Georgen-Strasse bei der Talstation der Mühleggbahn, an der Gallusstrasse unterhalb des Hotels Einstein sowie beim Abzweiger vom Oberen Graben in die Multergasse wird die entsprechende Signalisation angebracht. Zudem wird die Webergasse neu als Einbahn geführt, eine direkte Zufahrt vom Gallusplatz wird nicht mehr möglich sein. Voraussichtlich in der letzten Woche der Sommerferien soll das Projekt öffentlich aufgelegt werden. Gehen keine Einsprachen ein, soll Mitte oder Ende August das Fahrverbot umgesetzt werden.

Diese Massnahme geht zurück auf den Konsens, der vor fünf Jahren in der «Altstadtrunde II» ausgehandelt worden war. Es war bis heute das letzte Kapitel in einer Diskussion, die in den 1980er-Jahren begonnen hatte. Seither war mit verschiedenen Mitteln versucht worden, dem Verkehr in diesem Teil der Altstadt – in den 1990er-Jahren über 10 000 Autos täglich – Herr zu werden.

Maximal 1700 Autos pro Tag

Nach der Neugestaltung der südlichen Altstadt und der Verbannung der öffentlichen Parkplätze ins Parkhaus Einstein wurde in der «Altstadtrunde II» schliesslich eine Grenze von 1700 Fahrzeugen pro Tag festgelegt. Wird sie überschritten, muss der Stadtrat Massnahmen treffen, lautete der Beschluss. «Wir hatten gehofft, dass die Neugestaltung der südlichen Altstadt die Autofahrer von der Durchfahrt abhalten würde», sagt Cozzio.

Kontinuierliche Zunahme

Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt: Wie die von der Stadt publizierten Zahlen zeigen, stieg das Verkehrsaufkommen an den beiden Zählstellen in der Gallusstrasse und in der St.Georgen-Strasse in den vergangenen eineinhalb Jahren kontinuierlich an. Seit September lag es an der Gallusstrasse konstant über dem Grenzwert. Im März wurden täglich 2300 Fahrzeuge gezählt. Praktisch das deckungsgleiche Bild zeigt sich an der St.Georgen-Strasse, wo die Zahlen seit November 2012 nicht mehr unter den Grenzwert fielen und diesen im April um rund 35 Prozent überschritten. «Die Tendenz ist ganz klar steigend. Deshalb ist es richtig, jetzt die im Konsens vereinbarten Massnahmen umzusetzen», sagt Cozzio.

Der Stadtrat ist überzeugt, dass die Sperrung des Gallusplatzes für den Durchgangsverkehr dazu führen wird, dass die Verkehrszahlen wieder unter die vereinbarte Marke fallen werden. «Das Verkehrsaufkommen wird nach Einführung des Durchfahrtsverbots zusammenfallen», meint Cozzio. Genaue Zahlen dazu wird es wohl nicht geben: Die Verkehrszählungen sollen nach der Sperrung nicht fortgeführt werden. Der Stadtrat geht auch nicht davon aus, dass der Verkehr in den angrenzenden Strassen besonders stark zunehmen, sondern sich gleichmässig verteilen wird.

Quartierverein zufrieden

Der Quartierverein Gallusplatz begrüsst den Entscheid des Stadtrats, den Durchgangsverkehr aus der südlichen Altstadt zu verbannen. «Es ist richtig, dass er sich an die Abmachungen der Altstadtrunde, welche durch die verschiedenen Interessengruppen ausgehandelt worden sind, hält», sagt Co-Präsidentin Barbara Deuber. Ob diese Massnahme die erhoffte Wirkung erzielen könne, müsse sich zeigen.