«Gallus-Stadt» wird eingestellt

Und schon wieder ist ein Anlauf gescheitert, ein Jahrbuch für die Stadt St. Gallen herauszugeben. Nach der dritten Ausgabe stellt der Appenzeller Verlag die «Gallus-Stadt» ein. Die Verkaufszahlen blieben weit hinter den Erwartungen.

Christina Weder
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Gallusbuch: Nach der dritten Ausgabe ist es schon wieder vorbei: Die Gallus-Stadt, das Jahrbuch der Stadt St. Gallen, wird eingestellt. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Gallusbuch: Nach der dritten Ausgabe ist es schon wieder vorbei: Die Gallus-Stadt, das Jahrbuch der Stadt St. Gallen, wird eingestellt. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Der Versuch, an die Tradition der alten «Gallus-Stadt» anzuknüpfen, ist gescheitert. Nach drei Ausgaben der neuen «Gallus-Stadt» stellt der Appenzeller Verlag das Jahrbuch für die Stadt St. Gallen wieder ein. «Es ist schade», sagt Verleger Marcel Steiner. «Aber es macht wirklich keinen Sinn, etwas zu produzieren, das zu wenig Leute wollen.»

Gut 350 Exemplare pro Ausgabe

Das Ende des Jahrbuchs kommt nicht ganz unerwartet. Verleger Steiner hatte es im Vorwort der dritten Ausgabe, in der «Gallus-Stadt 2015», schon einmal angetönt. Damit verbunden war ein «Hilferuf» an die Leserinnen und Leser, das Jahrbuch zu verschenken oder für dieses zu werben. Er nützte nichts. Die Verkaufszahlen kamen nicht vom Fleck.

1000 verkaufte Exemplare waren das Ziel. Bei den ersten beiden Ausgaben gingen je rund 350 bezahlte Exemplare über den Ladentisch. Bei der dritten Ausgabe waren es gut 350. «Das sind definitiv zu wenige», sagt Steiner. Bei 750 verkauften Exemplaren hätte er weitergemacht.

Über die Gründe des Misserfolgs kann der Verleger nur mutmassen. Bis vor kurzem war er überzeugt, dass Jahrbücher auch im Zeitalter von Social Media, E-Books und mobiler Kommunikation noch immer ihren Platz haben – als «ein Stück Gedächtnis der Stadt». Nun sagt er: «Als Buch funktioniert die <Gallus-Stadt> nicht mehr.» Möglicherweise gebe es zu viel alternativen Lesestoff.

Allerdings scheinen Jahrbücher auf dem Land ihre Leserschaft zu finden: Das Toggenburger Jahrbuch oder das Jahrbuch «Unser Rheintal» behaupten sich seit Jahren. Laut Steiner könnte dies mit der Identifikation der Einwohner zu tun haben, die auf dem Land grösser sei.

Aktuelle städtische Themen

Die Buchreihe «Gallus-Stadt» wollte Geschichten erzählen, die für eine Zeitung zu lang und für ein Buch zu kurz sind. Die Autorinnen und Autoren gingen unter anderem dem Geothermie-Projekt auf den Grund. Sie fragten nach, ob St. Gallen das Zeug zur Buchstadt hat. Oder sie begleiteten die Putzequipe auf der nächtlichen Tour durch den Rosenbergtunnel der Stadtautobahn. Neben thematischen Beiträgen gab es eine Chronik und Nachrufe. Damit knüpfte die «Gallus-Stadt» an das gleichnamige Jahrbuch der Stadt St. Gallen an, das von 1943 bis 1996 von der Buchdruckerei Zollikofer herausgegeben und aus Rentabilitätsgründen eingestellt worden war. Finanziell wurde das neue Jahrbuch von der Ortsbürgergemeinde unterstützt. Die Stadt St. Gallen hatte einen Beitrag an die erste Ausgabe geleistet.

«Es ist ein Jammer»

Stefan Sonderegger, Stadtarchivar der Ortsbürgergemeinde und Mitglied der Redaktionskommission, bedauert das Ende der neuen «Gallus-Stadt»: «Es ist ein Jammer.» Ein Jahrbuch fördere die Identifikation der Einwohnerinnen und Einwohner mit der Stadt. Die Anlaufzeit von drei Jahren sei zu kurz gewesen. Sonderegger hätte sich auch ein Bekenntnis der öffentlichen Hand gewünscht: «Einer Stadt in der Grösse von St. Gallen sollte ein Jahrbuch etwas wert sein.» Gerade die Chronik sei ein unverzichtbares «Gedächtnis- und Gwunderbüechli».

Die Chronik ist es auch, die das Jahrbuch überdauern könnte. Das St. Galler Tagblatt prüft nämlich derzeit, sie zu übernehmen und einmal im Jahr der Stadtausgabe beizulegen. Christine Bolt, Leiterin Verlag und Marketing, begründet: «Die Chronik ist inhaltlich sehr geschätzt worden.»

Marcel Steiner Appenzeller Verlag/Verleger der neuen «Gallus-Stadt» (Bild: Urs Bucher)

Marcel Steiner Appenzeller Verlag/Verleger der neuen «Gallus-Stadt» (Bild: Urs Bucher)

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