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Gallus 2.0 im Wald

Das Gallus-Jubiläum 2012 verleitet zu schrägen Aktivitäten: Patrick Schwarzenbach zum Beispiel wird als Gallus 2.0 drei Monate im Wald leben. Schwarzenbach ist aber kein Einsiedler: Er will sich mit Gästen «den inneren Dämonen stellen».
Urs-Peter Zwingli
Allein im Wald: So wird der Pfarrer Patrick Schwarzenbach seinen nächsten Sommer verbringen. (Bild: Ralph Ribi)

Allein im Wald: So wird der Pfarrer Patrick Schwarzenbach seinen nächsten Sommer verbringen. (Bild: Ralph Ribi)

Eine Nacht allein im Wald zu verbringen ist für viele Menschen eine Urangst. «Natürlich ist es das. Aber das ist ja gerade das Spannende daran», sagt Patrick Schwarzenbach. Er wird sich nächstes Jahr dieser und anderen Ängsten stellen: Im Gallusjahr 2012 will er von Juni bis August im Steineggwald oberhalb des Wenigerweiers leben, nur mit einer Biwakblache als Schutz.

Zudem hat er sich einen Tagesablauf auferlegt, der aus Askese, Meditation und Textstudium besteht. Schwarzenbach nennt sein Projekt an die digitale Zeit angelehnt Gallus 2.0. Im Beschrieb dazu heisst es, dass sich bereits Gallus im Wald «den inneren und äusseren Dämonen» stellte.

Waldleben ist Sehnsucht

«Auch mir geht es darum, auf eine innere Suche zu gehen, meine wahren Bedürfnisse als Mensch zu erkennen», sagt Schwarzenbach.

Dieser spirituelle Anstrich des Projekts kommt nicht von ungefähr: Der in Zürich aufgewachsene Schwarzenbach hat Theologie studiert. Seit drei Monaten ist der 27-Jährige von der evangelischen Kirche des Kantons St. Gallen als eine Art Jugendpfarrer angestellt. Mit Gottesdiensten, bei denen auch mal ein DJ auflegt und mit spirituellen Kursen soll er Junge ansprechen. «Religion erreicht die Jugendlichen nur, wenn sie erlebbar wird», sagt er. «Auch bei Gallus 2.0 ging es mir darum, etwas Mutiges zu machen, das die Menschen direkt anspricht.»

So sei auch das Leben im Wald eine Sehnsucht, die viele Menschen insgeheim hätten. «Nur setzen sie diese nicht in die Tat um», sagt Schwarzenbach. Er will mit seinem Projekt abhelfen: Ein zentraler Teil seines Lebens im Wald wird der Austausch und das gemeinsame Erleben von Spiritualität mit den Gästen sein. Vorbeikommen dürfe jeder im Steineggwald, Konfession und Alter seien unwichtig, sagt Schwarzenbach.

In Abgründe blicken

Aber: «Das Ganze soll kein Zirkus werden. Wird es zu viel, ziehe ich mich in den Wald zurück», sagt er. Der tiefe, dunkle Wald: Da ist sie wieder, die menschliche Urangst und Faszination zugleich. Beschwört wird sie von unzähligen künstlerischen Umsetzungen – wie etwa dem Film «The Sound of Insects» des St. Galler Regisseurs Peter Liechti. Darin verhungert ein Mann freiwillig im Wald, der dem Film seine düstere Kulisse gibt. Schwarzenbach hat den Film gesehen. Und er sagt, dass er in den drei Monaten «wohl in einige Abgründe» blicken wird. «Angst habe ich keine, ich bin stabil.» Ausserdem hat er von früheren Reisen Erfahrung mit dem Alleinsein und dem Leben im Wald. Die ersten drei Wochen würden aber sicher «heftig», bis er sich an die neuen Umstände gewöhnt habe.

Der grillierende Asket

Doch um im Wald zu leben, müssen zuerst praktische Probleme gelöst werden: Auch ein Waldmensch muss essen. Schwarzenbach wird einmal pro Woche zu Fuss nach St. Gallen herabsteigen und sich mit Nahrung versorgen. «Einfache, haltbare Sachen wie Büchsenravioli, vielleicht auch mal etwas zum Grillieren», sagt er. Grillfleisch und Askese – der junge Pfarrer scheint entspannt mit Widersprüchen umzugehen. «Im Wald wird es anstrengend, auch weil ich viel holzen muss. Da brauche ich Energie», entgegnet er. Noch unsicher ist, ob er eine Taschenlampe mitnimmt oder ein Feuer am Brennen hält. Vom Förster wurde ihm zudem vorgeschrieben, ein Toi-Toi-WC aufstellen zu lassen.

Was die Freundin dazu meint

Wenig begeistert von Gallus 2.0 ist Schwarzenbachs Freundin. «Sie wird mich aber regelmässig besuchen», sagt er. Er sei sich bewusst, dass die Trennung auf Zeit zur Belastungsprobe werden könne. Sowieso, trotz Zivilisation in unmittelbarer Nähe: Für Schwarzenbach schwebt ein Rest Unsicherheit, ein Hauch Abenteuer über dem nächsten Sommer: «Ich werde als veränderter Mensch aus dem Wald kommen – ob positiv oder negativ, weiss ich nicht.»

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