Fussballrowdy bleibt uneinsichtig

Ein Basler Fussballfan erhielt einen Strafbefehl, weil er zwei verbotene Knallkörper in die AFG-Arena mitgenommen hatte. Der junge Mann fand die Strafe zu hoch und wandte sich ans Kreisgericht St. Gallen. Hier blitzte er mit dem Wunsch nach Strafminderung ab.

Claudia Schmid
Merken
Drucken
Teilen

Die St. Galler Staatsanwaltschaft warf dem 24jährigen Studenten Vergehen gegen das Bundesgesetz über explosionsgefährliche Stoffe und Verstoss gegen das Vermummungsverbot vor. Sie erliess Ende April dieses Jahres einen Strafbefehl und sanktionierte ihn mit einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 30 Franken und einer Busse von 1200 Franken. Zudem verfügte sie, dass die Probezeit für eine im Januar in Basel ausgesprochene Geldstrafe um ein Jahr verlängert wird.

Strafe unangemessen

Dieses Strafmass sei völlig unangemessen, begründete der Basler Fussballfan am Kreisgericht St. Gallen seine Einsprache gegen den Strafbefehl. Es stimme zwar, dass er sich während des Spiels vom 15. März vermummt und die Polizei bei der anschliessenden Kontrolle zwei Knallkörper in seiner Jackentasche gefunden habe. Seines Erachtens dürfe er aber dafür nicht mit einer Geldstrafe, sondern lediglich mit einer Busse bestraft werden.

Zur Bekräftigung seines Antrages zog er den Vergleich zu verschiedenen anderen Gerichtsurteilen. So habe beispielsweise einer, der Waffen in seinem Keller gehortet habe, nur eine unwesentlich höhere Geldstrafe erhalten, wie er für ein viel geringeres Vergehen. Der Beschuldigte führte auch ins Feld, die Probezeit der Vorstrafe aus Basel dürfe nicht verlängert werden, da er damals wegen Landfriedensbruchs verurteilt worden sei. Diesmal sei er wegen anderer Delikte angeklagt, weshalb die beiden Strafverfahren nicht miteinander in Zusammenhang gestellt werden dürften. Zudem beantrage er, dass es für ihn keinen Eintrag ins Strafregister gebe.

Einsicht vermisst

Der Einzelrichter am Kreisgericht St. Gallen sah die Sachlage anders. Er verurteilte den 24-Jährigen im Sinne der Anklage. Lediglich die Busse senkte er von 1200 auf 300 Franken, weil er im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft auf eine Anschlussbusse verzichtete. Bei der Urteilsberatung habe er ernsthaft in Erwägung gezogen, die Sanktion der Anklage zu verschärfen und die bedingt ausgesprochene Geldstrafe vom Januar als vollziehbar zu erklären, betonte er. Dazu geführt habe, dass er beim Beschuldigten keinerlei Einsicht erkennen könne. Nur sechs Wochen nachdem er in Basel eine Verurteilung wegen Landfriedensbruchs erhalten habe und sich in der Probezeit befand, sei er Mitte März erneut an einem Fussballspiel in Konflikt mit Ordnungshütern geraten.

Gefährliche Knallkörper

Es komme nicht von ungefähr, dass Pyros und bodenknallende Feuerwerkskörper verboten seien, betonte der Einzelrichter in der Urteilsbegründung. An einer Grossveranstaltung könnten sie in einer Menschenmenge beträchtlichen Schaden anrichten. «Vor allem die Gefahr von schweren Hörschäden ist gross. Deshalb fallen sie unter das Bundesgesetz über explosionsgefährliche Stoffe. Und deshalb wird ein Vergehen gegen das Gesetz konsequent geahndet und nicht nur mit einer Busse bestraft.» Zudem gebe es noch immer echte Fussballfans, die ein Spiel ganz einfach geniessen wollten. «Sie haben ein Recht darauf, nicht durch diejenigen gefährdet zu werden, die das Gesetz ausloten und sich den Anordnungen der Obrigkeit und Gesetzeshüter widersetzen.»