Fussball ohne Rasen

St. Gallen. In der AFG Arena wurde erstmals Fussball gespielt. Allerdings erst am Töggelikasten. Der Stadion-Rasen wird Mitte März verlegt.

Peter Brühwiler
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Stadionbauer (links) gegen Regierungsräte: Die erste Schlacht in der AFG Arena ist geschlagen. (Bild: Sam Thomas)

Stadionbauer (links) gegen Regierungsräte: Die erste Schlacht in der AFG Arena ist geschlagen. (Bild: Sam Thomas)

Morgen vor neun Jahren wurde die Stadion St. Gallen AG gegründet. Heute in 137 Tagen wird sie ihr Kind der Öffentlichkeit übergeben. Wie die AFG Arena von innen aussieht, ist allerdings längst kein Geheimnis mehr. Rund 20 000 Leute haben laut Stadion-Betreiber Rainer Siegrist bisher an einer Besichtigungstour teilgenommen. Gestern war die St. Galler Regierung an der Reihe. Auf der Einladung aufgeführt: Ein «erstes Fussballspiel in der AFG Arena». Er habe im Vorfeld mit seinen Kolleginnen und Kollegen extra trainiert, scherzt Volkswirtschaft-Chef Josef Keller. Genützt hätte es ohnehin nichts, denn statt eines saftigen Rasens erwartete die Politiker in der Stadion-Mitte ein überdimensionierter Töggelikasten. Um dorthin zu gelangen, mussten sie wenigstens ein paar Pfützen umtänzeln.

Ein ehrgeiziger Zeitplan

Wo keine Pfütze den Weg versperrt, ist in der AFG Arena derzeit vor allem Beton zu sehen. Christian Peter, Gesamtleiter Stadion vom Bauunternehmen HRS, startet die Stadion-Führung im westlichen Teil, wo in Zukunft die Cars der gegnerischen Mannschaften einfahren werden. Er hoffe, dass der traditionelle Wintereinbruch im März ausbleibe, sagt er. Denn der Zeitplan verträgt keine grossen Bau-Unterbrüche. Mitte März soll der Unterbau stehen, Mitte April kommt der Rasen drauf. Dieser wächst bereits ausserhalb des Stadions, im Rafzer Feld.

Am 1. Mai will die Betriebs AG AFG Arena dann das Stadion übernehmen. Gestern habe sich das 20köpfige Team erstmals getroffen, sagt Rainer Siegrist. «Das Herz des Stadions» werde sich um die drei Bereiche Marketing/Verkauf, Betriebsorganisation und Eventorganisation kümmern. Unter letzteren fällt die Organisation von Konzerten. Die kurzfristige Festlegung des Spielplans jeweils vor dem Saisonbeginn erschwere die Planung von grösseren Veranstaltungen, gibt Sigrist zu bedenken. Konzerte, die eine längerfristige Planung benötigen, werden deshalb in der Sommerpause über die Bühne gehen, denn «der Fussball geht vor».

Dieses Motto nimmt sich auch die mit zwei Absenzen angetretene St. Galler Regierung zu Herzen. Zur Halbzeit liegen sie gegen das Stadionbauer-Team mit 11:6 in Führung. Und dies, obwohl die im Mittelfeld positionierte Regierungspräsidentin Kathrin Hilber mit vier Griffen spielen und gleichzeitig die Fragen eines Radioreporters beantworten muss.

Die Schweiz testet am 30. Mai

Nach den zweiten fünf Minuten heisst es dann allerdings 23:18 für die «Heimmannschaft». Gesundheitschefin Heidi Hanselmann trägt es mit Fassung. Ohne Training so gut abzuschneiden, sei doch eine reife Leistung, kommentiert sie. Wenn das Stadion am 24./25. Mai mit zwei Tagen der offenen Tür eröffnet wird, wäre sie bereit, auf dem richtigen Rasen zu einer Revanche anzutreten. Josef Keller ist allerdings noch skeptisch: Ein solches Spiel wäre «volkswirtschaftlich schädlich», meint er lachend. Sicher in der AFG Arena auflaufen wird am 30. Mai die Schweizer Nationalmannschaft für ihr letztes Vorbereitungsspiel vor der Euro 08. Der Gegner ist noch nicht bekannt.

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