FUSSBALL: Aus dem Vorarlberg in die Nati

Die Frauen von St. Gallen-Staad vergeben in der Nachspielzeit den Sieg gegen Servette FC Chênois. Das Spiel endet letztlich 2:2. Hannah Oberdorfer spielt zum ersten Mal von Beginn weg.

Beni Bruggmann
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Die 18-jährige Hannah Oberdorfer spielt neben den Frauen des FC St. Gallen-Staad auch für das Schweizer U19-Nationalteam. (Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 8. Oktober 2017))

Die 18-jährige Hannah Oberdorfer spielt neben den Frauen des FC St. Gallen-Staad auch für das Schweizer U19-Nationalteam. (Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 8. Oktober 2017))

Beni Bruggmann

«71. Minute: Katja Beck ersetzt Hannah Theresia Oberdorfer», heisst es in der Match-Statistik über das NLB-Spiel zwischen den Frauen von St. Gallen-Staad und Servette FC Chênois Féminin. Damit haben die beiden Frauen, die unter der Woche eine Fahrgemeinschaft zum Training bilden, zusammen das ganze Spiel bestritten. Beck aus Liechtenstein nimmt jeweils Oberdorfer aus Brederis bei Rankweil mit.

Die Vorarlbergerin schaut auf eine schwierige Startzeit beim fusionierten FC St. Gallen-Staad zurück. In den ersten drei Spielen kommt sie nicht zum Einsatz, im Cupmatch gegen GC reicht es gerade mal für die letzten drei Minuten. «Es war eine harte Zeit», sagt sie, die in der vergangenen Saison Stammspielerin war. Kein Wunder: Durch die Fusion sind im Moment 26 Spielerinnen im Kader. Der Konkurrenzkampf ist gross: «Allein um die beiden Innenverteidigerpositionen bewerben sich sechs Spielerinnen.»

Eine Premiere mit Höhen und Tiefen

Diesmal klappt es, die Abwehrspielerin steht in der Startelf. Aber schon nach sechs Minuten erzielen die Gäste das Führungstor. «Wir waren nicht bereit», sagt Oberdorfer und übernimmt eine Mitschuld am Tor. St. Gallen-Staad dreht das Spiel in der zweiten Halbzeit und geht durch Tore von Stephanie Brecht und Manuela Beerli in Führung. Der vierte Sieg in Folge ist greifbar, doch in der Nachspielzeit gleichen die Gäste noch aus. «Dumm gelaufen», sagt Oberdorfer.

Mit ihrem ersten Einsatz ist sie nicht zufrieden: «Es war eine mittelmässige Leistung mit Höhen und Tiefen.» Nicht alle Zuspiele gelingen, im Zweikampf ist sie nicht fehlerlos. Die weiten Wege in den gegnerischen Strafraum bei Eckbällen und Freistössen zahlen sich nicht aus: Die mit 1,74 Meter grösste Spielerin kommt zu keinem Kopfballabschluss. Nach 71 Minuten wird sie ausgewechselt. «Ich war überrascht, dass ich vom Feld musste.»

Oberdorfer ist 18 Jahre alt. Sie wohnt bei den Eltern im österreichischen Brederis, einem Ortsteil von Rankweil. Nach der Hauptschule besuchte sie das Sportgymnasium in Dornbirn. Seit einer Woche studiert sie an der Uni in Feldkirch Mathematik und Deutsch. Sie will Lehrerin werden. Fussball hat sie schon immer gespielt, natürlich meistens als einziges Mädchen in einem Knabenteam. Zuerst beim SK Brederis, nachher in Rankweil.

Seit einem halben Jahr den Schweizer Pass

Ihr Bruder Lorenz, der vier Jahre älter ist, hat früh mit dem Fussballspielen aufgehört. Die Eltern Monika und Gerhard sind an fast jedem Spiel ihrer Tochter dabei. In Rankweil ist Hannah bereits als Fünfzehnjährige im Kader des Frauenteams, das in der zweithöchsten österreichischen Liga spielt. Dort kommt sie zu gelegentlichen Einsätzen. Dennoch wechselt sie zum FC Staad und fühlt sie sich am Bodensee rasch daheim. Im Schweizer Fussball gefällt es der Österreicherin so gut, dass sie sich hier eine Kar­riere vorstellen könnte. Da ihre Grossmutter mütterlicherseits aus Altendorf im Kanton Schwyz stammt, kommt sie sogar zu einem Schweizer Pass. Seit einem halben Jahr ist Oberdorfer Doppelbürgerin – und gehört bereits zum Kader des Schweizer U19-Nationalteams.

Oberdorfer verfolgt ein grosses Ziel: «Ich kämpfe. Ich möchte einen Stammplatz bei St. Gallen-Staad und im Junioren-Nationalteam.» Der Weg ist noch weit.