Fusionieren liegt im Trend

Im Kanton St. Gallen gibt es immer mehr Einheitsgemeinden. Im vergangenen Jahr sind 13 hinzugekommen. In der Region ist das alte System nur in einer Gemeinde unbestritten.

Christoph Renn
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Es ist Mode, Politische und Schulgemeinden zusammenzulegen. Dies zeigt ein Blick in die Statistik des Kantons St. Gallen: Ende vergangenes Jahr waren 47 der insgesamt 77 Gemeinden Einheitsgemeinden. Als Vorreiterin dieses Systems gilt die Stadt St. Gallen, die bereits 1918 fusioniert hat. «Wir empfehlen den Gemeinden diesen Schritt», sagt Bruno Schaible, stellvertretender Leiter im Amt für Gemeinden. «Die Vorteile einer Einheitsgemeinde überwiegen die Risiken.»

Dem System treu bleiben

Der Empfehlung folgten im vergangenen Jahr 13 Gemeinden. Unter den Neulingen befinden sich Berg und Häggenschwil. Ein Jahr nach der Fusion ziehen beide eine positive Bilanz. Waldkirch und Gaiserwald können bereits auf mehrjährige Erfahrung zurückblicken. Gaiserwald wurde im Jahr 2009 zu einer Einheitsgemeinde, Waldkirch 2011. In Muolen, Eggersriet und Wittenbach wird eine Fusion diskutiert. In Muolen ist eine Einheitsgemeinde schon fast beschlossene Sache, in Wittenbach ist das weitere Vorgehen noch offen. In der Region ist nur in Mörschwil das alte System unbestritten.

Gute Vorbereitung

Rund ein Jahr nach der Fusion heben die Präsidenten der Gemeinden Häggenschwil und Berg die positiven Entwicklungen hervor. Paul Huber, Gemeindepräsident von Berg, sagt sogar: «Es gibt nur Positives zu berichten.» Natürlich sei es eine Herausforderung für die Verwaltung gewesen, bis sich alles eingespielt habe. Aber «nun sind wir viel näher beieinander und Probleme können schneller angegangen werde», sagt Huber.

Ähnlich klingt es in Häggenschwil. «Aus meiner Sicht ist die Fusion sehr gut verlaufen», sagt Hans-Peter Eisenring, Häggenschwiler Gemeindepräsident. Es sei ein grosses Projekt für die Verantwortlichen gewesen, das dank guter Vorbereitung ohne grössere Zwischenfälle umgesetzt werden konnte. «Die meisten haben von dem Wechsel wahrscheinlich gar nichts mitbekommen», sagt er. Neben den positiven Aspekten erwähnt Eisenring den Mehraufwand für die Gemeindeverwaltung. «Man organisiert sich und wenn alle mit Freude dabei sind, ist das Pensum gut zu leisten», sagt er.

Alles in Ordnung

Anders betrachtet man die Sachlage in Mörschwil. Die Stimmbürger sprachen sich im Jahr 2008 einstimmig gegen die Bildung einer Einheitsgemeinde aus. «Es läuft alles in allem gut», sagt Paul Bühler, Mörschwiler Gemeindepräsident. «Wir sind auch ein Spezialfall, da wir nur eine Primarschulgemeinde haben und dadurch die Zusammenarbeit einfacher ist.» Er schliesse aber nicht aus, dass das Thema Einheitsgemeinde wieder auf den Tisch komme. «Im Moment wird aber nicht darüber diskutiert», sagt Bühler.

Diskutiert wird hingegen in Muolen. Eine Arbeitsgruppe zur Prüfung einer Einheitsgemeinde hat die Umsetzung empfohlen (Ausgabe vom 14. Dezember). Der Gemeinde- sowie der Schulrat haben sich ebenfalls positiv zum Projekt geäussert. Nun haben die Bürger das letzte Wort. Wenn sie sich im Frühjahr für eine Fusion entscheiden, wird diese auf den 1. Januar 2015 umgesetzt.

Etwas heikler ist die Ausgangslage in Wittenbach: Der Schulrat der Regionalen Oberstufengemeinde Grünau ist gegen eine Einheitsgemeinde. Die Oberstufengemeinde könne nicht fusioniert werden, weil sich ihr geographisches Gebiet nicht mit jenem der Politischen Gemeinde decke.

Drei Möglichkeiten für Andwil

Auch in Gossau wird diskutiert. Aber nicht darüber, eine Einheitsgemeinde zu werden – Gossau hat 2001 fusioniert –, sondern über eine Zusammenlegung mit Andwil. Im Februar gibt es eine Grundsatzabstimmung über die Gemeindefusion. Für Andwil gibt es gleich drei Möglichkeiten: erstens eine Fusion mit Gossau und damit eine Einheitsgemeinde zu werden. Zweitens eine Einheitsgemeinde Andwil bilden oder drittens die heutigen Strukturen beizubehalten.