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FUSION: Wittenbach will nicht mehr

Eine Verschmelzung mit St. Gallen kommt für die Wittenbacher laut einer Umfrage nicht in Frage. Das war nicht immer so. In der Vergangenheit blitzten sie bei der Stadt ab.
Noemi Heule
Ein Blick von Wittenbach in Richtung St. Gallen. Längst sind die politischen Grenzen im Häusergeflecht nicht mehr auszumachen. (Bild: Ralph Ribi)

Ein Blick von Wittenbach in Richtung St. Gallen. Längst sind die politischen Grenzen im Häusergeflecht nicht mehr auszumachen. (Bild: Ralph Ribi)

Die Wittenbacherinnen und Wittenbacher wollen keine Städterinnen und Städter werden. Eine Fusion mit St. Gallen nämlich kommt für sie nicht in Frage, wie eine Bevölkerungsumfrage zeigt. Die Mehrheit will gar nicht erst Bestrebeungen unternehmen, um dereinst mit St. Gallen zu verschmelzen (Tagblatt vom 15. Februar). Zwar sind beide Orte längst untrennbar verbunden, etwa im Heiligkreuz, wo die Ortsmarken irgendwo im Stadtbild verschwinden. Wo man die Grenze vor lauter Häuser nicht mehr sieht, schwarz auf weiss existiert sie nur noch auf dem Stadtplan. Eine klare Linie zeigten dagegen die befragten Personen. Politisch wollen sich 71 Prozent von ihnen weiterhin vom grossen Nachbar abgrenzen.

Zwar haben sich die Wittenbacher nicht gegen eine Liaison per se ausgesprochen. «Soll sich der Gemeinderat für einen Zusammenschluss mit St. Gallen engagieren?», lautete die Frage, die die Mehrheit verneinte. Die befragten schliessen das Engagement von Vornherein aus und wenden der Stadt die kalte Schulter zu, noch bevor die Brautschau begonnen hat.

Eine Verspätung mit Folgen

Eine Hochzeit mit St. Gallen, diese Idee ist nicht neu. Immer wieder warfen sich die beiden Gemeinden begehrliche Blicke zu. In der Vergangenheit jedoch waren die Vorzeichen umgekehrt: Damals war es St. Gallen, das den Avancen der Wittenbacher eine Abfuhr erteilte. Vor 100 Jahren vereinigte sich die Stadt stattdessen mit den beiden Nachbargemeinden Straubenzell und Tablat. Dabei wäre auch Wittenbach gerne Teil des Stadtbundes gewesen. Ihr Antrag allerdings, er traf zu spät ein.

Bereits 1900 stiessen Straubenzell und Tablat die Fusion mit der Stadt an. Es dauerte 18 Jahre bis aus dem Dreierbund eins wurde. 1918 lag Wittenbach erstmals vor den Toren der Stadt. Eigentlich aber wollten die Wittenbacher selbst zu «Gross-St. Gallen» gehören, wie die Gemeinde ihre grossen Pläne nannte. Sie kamen erstmals 1914 auf das politische Parkett, als die Fusion zwischen St. Gallen, Tablat und Straubenzell in den letzten Zügen steckte. Im Juni 1914 behandelte der Wittenbacher Gemeinderat das Anliegen. Und zeigte sich weitsichtig: Eine Fusion mit St. Gallen sei unumgänglich, wie Historiker Johannes Huber im Wittenbacher Buch schreibt. Es sei deshalb die vorteilhafteste und rationellste Lösung, «wenn unsere Gemeinde ebenfalls jetzt schon in die Stadtverschmelzung einbezogen würde, nachdem doch vorauszusehen ist, dass eine Eingemeindung mit St. Gallen früher oder später durch die Macht der Verhältnisse kommen muss und kommen wird», wird die damalige Sitzung zitiert.

Ein dreifacher Korb für Wittenbach

Den Wunsch rechtfertigten die Gemeinderäte mit zwei Argumenten: Nämlich, dass Ortsgemeinde und Stadt St. Gallen bereits ausgedehnten Besitz auf Wittenbacher Boden besässen. Und mit dem Bruggwald-Quartier, dessen Zipfel ohnehin bis weit ins Heiligkreuz und damit ins Stadtgebiet hineinrage. Also jenes Gebiet, das auch jüngst mit Grenzquerelen in Erscheinung getreten ist. Einmal geht es um die Einschulung, ein andermal um die Grenzziehung an sich.

Nicht weniger als die «sofortige Eingemeindung» verlangten die Wittenbacher 1914 vor dem kantonalen Innendepartement. Mit der Stadt sei man aufs Engste verbunden, und Wittenbach sei, so die Eigenwerbung, keinesfalls eine Bürde. Der Kanton leitete das Begehren weiter an die drei Stadtgemeinden. Allesamt liessen sie Wittenbach abblitzen. Straubenzell und Tablat befürchteten, dass ein weiterer Mitstreiter die Vereinigung verzögert. St. Gallen selbst hatte finanzielle Bedenken. Ganz abschmettern wollten die drei das Anliegen allerdings nicht: Grundsätzlich und zu einem späteren Zeitpunkt sahen sie Chancen für eine Verschmelzung, wie sie die Wittenbacher vertrösteten.

Seither wird immer wieder laut über eine gemeinsame Zukunft nachgedacht. Konkrete Kuppelpläne allerdings wurden nicht geschmieden und auch das Werben hörte irgendwann auf. Zumindest von Wittenbacher Seite. Von einer Vermählung inklusive Mitgift würde heute vor allem die Stadt profitieren.

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