Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FÜTTERUNG: Profis sollen sich um Enten auf St.Galler Stadtweihern kümmern

Derzeit sind Ehrenamtliche für die Enten auf verschiedenen St.Galler Quartierweihern zuständig. Das sei nicht zukunftstauglich, sagt Hans Martin Schibli, der Entenvater von St.Georgen. Er wünscht sich eine übergreifende, professionelle Lösung.
Roger Berhalter
Auf dem Mühleggweier in St. Georgen schwimmen Enten schon seit 1914. (Bild: Urs Bucher)

Auf dem Mühleggweier in St. Georgen schwimmen Enten schon seit 1914. (Bild: Urs Bucher)

Roger Berhalter

roger.berhalt

er@tagblatt.ch

Hans Martin Schibli wirft ein paar Hanfsamen ins Wasser. Die Enten schwimmen neugierig näher und schnappen nach den Körnern. "Das mache ich immer als erstes, wenn ich hierher komme", sagt Schibli. "Ich füttere sie und schaue, ob alle da sind." Seit 2009 kümmert sich der pensionierte Jurist um die Enten im Mühleggweier. Er ist fast täglich vor Ort, und er kennt jeden Vogel.

Schibli weiss, dass das Reiherenten-Männchen das gefrässigste ist. Er kennt die scheue Baikalente, die von den anderen so leicht vertrieben wird. Und er weiss, dass Amadea, die weisse Moschusente, mit ihren 18 Jahren schon etwas träge ist. Schibli hat ihr als einziger auf dem Weiher einen Namen gegeben. Er hat für sie auch extra ein Häuschen aufstellen lassen, weil sie nicht mehr so gern ins Wasser geht. Heute hat er Amadea Salat mitgebracht. "Den hat sie besonders gern."

Entenvater mit Sorgen

So idyllisch die Szene scheint: Hans Martin Schibli macht sich Sorgen. Der 63-Jährige ist in einem Ehrenamt praktisch allein für die Enten am Mühleggweier verantwortlich. Schon mehrfach hat er im Quartierblatt nach einer Nachfolge gesucht – ohne Erfolg. In der aktuellen "St.Geörgler Zytig" stellt er nun die Zukunft der Wasservögel in Frage.

"Die Betreuung von Enten durch ehrenamtliche oder aber bezahlte Laien ist keine zukunftsträchtige, auf Kontinuität angelegte Lösung", schreibt Schibli. Wenn sich nicht bald etwas ändere, "werden wir vor dem schwierigen Entscheid stehen, die Entenhaltung auf dem Mühleggweier einzustellen".

Es ist Zeit für eine neue Organisation

Auch auf dem Nestweiher, bei der Volière im Stadtpark und bei der Wildvogelpflege-Station im Naturmuseum zeichnen sich gemäss Schibli in absehbarer Zeit personelle Änderungen ab. Deshalb sei es jetzt an der Zeit, die Enten- und Vogelpflege in der Stadt neu zu organisieren. Schibli hat sich schon an die Stadt gewendet, im April hat er ein Gespräch mit der Baudirektion in Aussicht.

Er wünscht sich "eine von der Stadt moderierte Gesamtperspektive", die alle Institutionen umfasst, die sich um die Vogelhaltung und -pflege kümmern. Zweckmässig wäre laut Schibli eine "übergreifende, professionelle Abdeckung der Betreuungsbedürfnisse". Nicht mehr Laien wie er sollen für die Vögel da sein, sondern Profis.

"Eine institutionelle Lösung wäre ideal. Eine, die nicht von einzelnen Personen abhängt." Schibli kann sich zwei Modelle vorstellen. Entweder, die Stadt übernimmt die Entenbetreuung selber, beispielsweise angegliedert ans Gartenbauamt. Oder aber die Volière-Gesellschaft wird um professionelle, von der Stadt bezahlte Tierpfleger verstärkt, die zu den Vögeln im Stadtpark und zu den Enten auf den Quartierweihern schauen.

Die Stadt ist gesprächsbereit, hat aber noch Fragen

Die Volière-Gesellschaft unterstützt diese Pläne. Skeptischer ist die städtische Baudirektorin: "Für mich stellen sich noch viele Fragen", sagt Maria Pappa. Sie wolle zuerst in informellen Gesprächen abklären, welche Bedürfnisse bei der Enten- und Vogelpflege bestünden. Grundsätzlich könne es nicht sein, dass die Stadt sofort einspringe, wenn Private an ihre Grenzen stiessen.

Allerdings müsse die öffentliche Hand auf jeden Fall sicherstellen, dass die Enten auf öffentlichem Grund tiergerecht gehalten würden. Pappa sieht die Entenweiher in einem grösseren Zusammenhang. "Wir müssen schauen, welche Wildtiere in der Stadt wo Platz haben und welche Pflege und welchen Schutz sie brauchen."

Hans Martin Schibli steht jetzt neben dem Häuschen von Amadea am Mühleggweiher. Er spült ihre Trinkschale aus und füllt sie mit frischem Wasser. "Ich denke schon, dass das Interesse an den Enten hier gross ist." Er sei im Quartier aufgewachsen, für ihn gehörten die Enten auf dem Weiher einfach dazu. "Die Leute haben Freude an dieser Oase."

Eine über 100 Jahre alte Tradition

Quartierweiher Enten und Quartierweiher gehören in der Stadt St.Gallen schon lange zusammen. Am längsten schwimmen die Wasservögel auf dem Mühleggweier in St.Georgen. 1914 setzte dort die ornithologische Gesellschaft – die heutige Volière-Gesellschaft – Enten aus. Seit 1926 schwimmen auch auf dem Nestweier im Riethüsli Enten, und seit 1942 ist auch der Moosweiher in Bruggen öffentlich zugänglich. Die Areale des Nest- und Mühleggweiers gehören der Stadt, der Moosweiher hingegen ist in Privatbesitz und gehört dem Einwohnerverein Bruggen. Bei allen drei Quartierweihern kümmern sich Private ehrenamtlich um die Wasservögel. Beim Mühleggweier ist seit den 1990er Jahren die Arbeitsgruppe Mühleggweier dafür zuständig, die zum Quartierverein St.Georgen gehört. Für die Enten auf dem Nestweier ist seit 1926 die Nestweiher-Gesellschaft verantwortlich. Beim Moosweier kümmert sich seit 1965 der Einwohnerverein Bruggen um die Entenbetreuung. (rbe)

Ein Stockenten-Erpel diesen Winter im Schnee am Nestweier im Riethüsli. (Bild: Hanspeter Schiess)

Ein Stockenten-Erpel diesen Winter im Schnee am Nestweier im Riethüsli. (Bild: Hanspeter Schiess)

Enten im Winter am Moosweier in Bruggen. (Bild: Tagblatt-Archiv)

Enten im Winter am Moosweier in Bruggen. (Bild: Tagblatt-Archiv)

Der Wasservogelweiher in der winterlichen Voliere im Stadtpark. (Bild: Hannes Thalmann)

Der Wasservogelweiher in der winterlichen Voliere im Stadtpark. (Bild: Hannes Thalmann)

Schwäne auf dem eisigen Weiher der Voliere im Stadtpark. (Bild: Hanspeter Schiess)

Schwäne auf dem eisigen Weiher der Voliere im Stadtpark. (Bild: Hanspeter Schiess)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.