Fürs Musikfest viel, fürs Kugl wenig

Seit Tagen putzt sich unsere schöne, liberale und überhaupt nicht konservative Stadt auf das Feinste heraus.

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Seit Tagen putzt sich unsere schöne, liberale und überhaupt nicht konservative Stadt auf das Feinste heraus. Rorschacher- und Museumstrasse werden aufgerissen, um den Belag zu verbessern, Armee- und Zivilschutzangehörige stellen in der Innenstadt Bühnen auf, im Museumsquartier werden Lautsprecher aufgehängt und über Mittag ausgetestet.

Das traditionelle Kinderfest wurde fürs Musikfest kurzerhand um ein Jahr verschoben. Zudem drohte es auch noch auf die Abschlussprüfungen der Kanti am Brühl zu fallen. Schnell werden die Abschlussprüfungen um eine Woche vorverlegt. Die wichtigen Prüfungen des Abschlussjahrgangs fallen nun, Gott sei Dank, nur noch teils auf das Fest. Für das Blasmusikfest wird vieles unternommen, um nicht zu sagen: alles! Die Welt der St. Galler scheint in bester Ordnung zu sein, alles freut sich – juppi hurra!

Doch abseits der Medien und St. Galler Friede-Freude-Eierkuchen-Welt droht eines der bedeutendsten St. Galler Kulturlokale, das Kugl, unterzugehen. Trotz erteilter Bewilligung droht noch immer das Aus. Gleichzeitig wird für das Musikfest offensichtlich alles gemacht. Irgendwie paradox, nicht? Als die Gruppe Klartext im April ein Gesuch einreichte, beim Kugl-Petitionsstart Musik in einem angemessenen Rahmen laufen zu lassen, wurde das Gesuch von der Stadtpolizei abgelehnt. Begründung: Am Samstagnachmittag kann man in der Altstadt keine Musik laufen lassen, da sich Mitbürger daran stören könnten und man mit der Petition einen kommerziellen Hintergrund verfolge. Natürlich ist dies verständlich, denn schliesslich darf man fürs Musikfest über Mittag Lautsprecher testen und Marschmusik in der Stadt veranstalten. Der Marsch wird bestimmt niemanden stören, das Musikfest interessiert die Bevölkerung ja.

Als Mitbetroffenem der drohenden Kugl-Schliessung stellt sich mir die Frage: Warum wird für ein Musikfest alles ins Rollen gebracht, aber auf der anderen Seite fürs Kugl so wenig? Ich will nicht reklamieren, dass mal endlich etwas los ist in der Stadt. Sondern eher, wie es zustande kommt. Wenigstens findet noch bis Samstag das Kugl-Abschlussfest statt, man kann sich vom spiessigen Musikfest zurückziehen. Und dann bleibt ja immer noch die Hoffnung, dass der Kugl-Kläger in den nächsten Tagen seiner Leidenschaft für Lärmklagen nachgeht. Denn in seiner Nähe ist ja der grosse Zeltplatz für die vielen Besucher.

Giuliano Pasqualini

Curiestrasse 12

9016 St. Gallen

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