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Fürs Glücksspiel geht man besser ins Casino

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Christoph Solenthaler

Noch vor Jahren hätte man meinen können, die St. Galler Stadtwerke seien der letzte verbliebene Treiber der Innovation der Ostschweiz. Zu meinem Bedauern ging der Traum und die Vision der Geothermie-Hochburg in einem einzigen kleineren Beben rasch unter. Seither winden sich die Stadtwerke, ihre Ressourcen­decke und das Ausgabengebaren an die Realität anzupassen.

Vergleicht man die St. Galler Stadtwerke mit den Energieversorgungsunternehmen anderer Städte und bohrt ein wenig in den öffentlich verfügbaren Zahlen für 2016, so kommt einiger Zündstoff zum Vorschein. Weisen unsere Stadtwerke pro Mitarbeiter rund 633000 Franken Umsatz aus, so sind es in Luzern 880000 und in Basel 920000 Franken. Während die Werke von Basel rund 106 Millionen Franken Gewinn ausweisen und der Stadt rund die Hälfte abliefern, sind die Gewinne und Mittelflüsse in St. Gallen wie die Bohrlöcher im Sittertobel am Versiegen. Noch eindrücklicher wird der Vergleich, wenn man berücksichtigt, wie viel Kapital die Städte in ihren Stadtwerken hinterlegt haben: Luzern ist gerade einmal mit 62 Millionen Franken beteiligt, während es bei St. Gallen 320 Millionen Franken – also fünfmal mehr – sind. St. Gallen holt pro eingesetzten Franken Eigenkapital gerade fünf Prozent in Form von Ablieferungen zurück, in Luzern sind es eindrückliche 32 Prozent – also sechsmal mehr.

Für den Ausbau der Fernwärme geniessen die St. Galler Stadtwerke derzeit breiten politischen Support. Doch bereits gelüstet es die Verantwortlichen nach neuen Abenteuern im Konkurrenzkampf der Energieversorger. Mit Kleinanlagen, Blockkraftwerken und Nahwärmeverbunden sollen Quartiere erschlossen werden, die nicht vom Fernwärme-Boom profitieren. Dass die Nachweise zu Wirtschaftlichkeit, Rentabilität und Tragbarkeit der zusätzlichen, stark energiepolitisch gefärbten Investitionen auf äusserst wohlwollenden Annahmen zur Entwicklung von Erdöl- oder Strompreisen basieren, könnte beim nächsten Preisrutsch ein weiteres Beben auslösen. Die im schweizweiten Vergleich mittlerweile schwindelerregend hohe Beteiligung der Stadt an ihren Stadtwerken würde dann zu einem Klumpfuss, der die Stadtfinanzen und damit die Steuerzahlenden auf Jahrzehnte hinaus belastet.

Auch wenn es politisch nicht opportun scheint: Die St. Galler Stadtwerke haben nur dann den Hauch einer Chance, aus der negativen Spirale herauszukommen, wenn sie sich personalseitig Gesundschrumpfen, risikoreiche Abenteuer auslassen und ein zurückhaltendes Investitionsverhalten an den Tag legen. Für Glücksspiele gibt es in der Stadt bereits ein Casino. Nur sollten Einsätze dort aus dem eigenen Sack und nicht von den Steuerzahlern stammen.

Christoph Solenthaler

Präsident HEV Stadt St. Gallen

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