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Für Schwester Doris ist Bier Frauensache

Zu Gast
Noemi Heule
«Richtiges Bier muss schäumen», sagt Schwester Doris Engelhard und stösst nach dem Fassanstich mit Stadtpräsident Alex Brühwiler an. (Bild: Ralph Ribi)

«Richtiges Bier muss schäumen», sagt Schwester Doris Engelhard und stösst nach dem Fassanstich mit Stadtpräsident Alex Brühwiler an. (Bild: Ralph Ribi)

Früher, da mochte Schwester Doris Engelhard kein Bier. Geschmack am Gerstensaft hat sie erst durch Gott gefunden. Dass sie einmal ins Kloster eintreten möchte, das wusste Doris Engelhard bereits mit sechs Jahren. Dass ihr Antlitz dereinst eine Bierflasche ziert, damit hat sie nicht gerechnet. Ganz zu schweigen davon, dass sie als weltweit einzige Bier brauende Nonne bis weit über die Klostermauern hin­aus bekannt sein würde.

Der Ruhm ist ihr auch an diesem Samstag vorausgeeilt. Schwester Doris ist mit einigen Harassen Klosterbier aus Mallersdorf in der Nähe von Regensdorf nach Gossau gereist. «Das ist sie also», tuschelt die Kundschaft am Klostermarkt, «die Bier brauende Nonne». Schwester Doris selbst kennt keine Berührungsängste, beantwortet jede Frage gerade heraus. «Haben Sie auch dunkles Bier», fragt ein Herr. «Ne, weil ich keins mog», antwortet sie. Obwohl die 68-Jährige seit fünf Jahrzehnten in Niederbayern lebt, hat sie die fränkische Mundart ihrer Kindheit bewahrt. «Auch Weissbier mog i net», fügt sie an. Dann lacht sie herzhaft, sodass ihr Körper fröhlich mitwackelt. Es ist dieses herzhafte Lachen, ihr Markenzeichen, mit dem sie auch auf der Bierflasche abgebildet ist.

Kein Schluck Bier bis zur Meisterprüfung

Für die Schwester vom Orden der Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie ist klar: was sie nicht mag, macht sie nicht. Sie führt die Klosterbrauerei, einen Zweimannbetrieb, nach ihrem Gusto. Dabei musste sie auch den Geschmack des Biers erst «lernen». «Bis zu meiner Meisterprüfung hab ich keinen Schluck getrunken», sagt sie. Freilich, auch heute trinke sie nicht viel.«Ein Halbes zum Vesper vielleicht». Zu speziellen Anlässen könnten daraus auch mal zwei werden. Dass sie dabei immer in Masskrügen rechnet, versteht sich von selbst.

Das Bier gibt den Tagesablauf der Schwester vor. Von Montag bis Samstag beginnt ihr Tag um 5.30 Uhr mit dem Vorgebet. Ausser es ist Sud-Tag, dann fällt das Gebet weg, Tagwache ist um 4 Uhr. Zwei Sud à je 38 Hektoliter bereitet sie jede Woche zu. Davon verbleibt fast ein Fünftel im Kloster. Für die 500 Schwestern gibt es zu jeder Mahlzeit Bier– «ausser zum Frühstück».

Als Doris Engelhard nach der Realschule ins Kloster eintrat, wollte sie eigentlich eine Arbeit in der Landwirtschaft antreten. Dort war keine Stelle frei, dafür in der Brauerei. Sie lernte das Handwerk, machte später die Meisterprüfung in Ulm. Heute möchte sie die «Arbeit am lebendigen Grundnahrungsmittel» nicht mehr missen, auch wenn diese zu einem grossen Teil aus Saubermachen bestehe.

Schlank dank Bierfasten

Freilich, der Beruf der Braumeisterin sei ungewohnt für eine Frau und speziell für eine Nonne. Dennoch ist Schwester Doris überzeugt: «Bier ist Frauensache». Früher sei die Frau für den Haushalt, für Speis und Trank, zuständig gewesen. Erst als sich das Brauen zum Handwerk mauserte, wurde es zur Männerdomäne. Ein Jammer, sagt sie, zumal die Arbeit heute körperlich nicht mehr anstrengend sei. Sie selbst beruft sich auf Katharina von Bora, die einstige Ordensschwester und Ehefrau von Martin Luther. Das «Käthchen» habe dem Reformator jeweils eigenhändig einen Zuber Bier zubereitet.

Stündlich wiederholt sie die se Worte am Samstag im Bierzelt vor der Markthalle. Mit viel Schalk preist sie das Getränk an, das man nicht etwa saufe, sondern trinke. «Bier macht schön», sagt sie, «schaun se me a». Und: Bier mache schlank (vorausgesetzt man lasse das Essen weg). Abermals lacht sie und schaut an ihrer Kutte herunter. Auch das unförmige Kleidungsstück kann den fülligen Körper nicht verbergen – «die Pfunde kommen aber von der Schokolade.»

Aller Komik zum Trotz hat sie sich für den Schluss einige ernste Worte aufgespart. Die Klosterbrauerei Mallersdorf sei in Deutschland die letzte ihrer Art, während es um 1800 noch über tausend davon gab. Die Grossbrauereien verramschten das Kulturgut in Plastikflaschen und zerstörten mit der Pasteurisierung alle Vitamine, sagt sie. Die Kleinbrauereien seien aber wieder auf dem Vormarsch – «Gottseidank!».

Noemi Heule

noemi.heule@tagblatt.ch

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