Für Menschen, aber nicht für Fahrende

Die Sitzverteilung des Gossauer Parlaments liess im Vorfeld nichts Gutes für die Fahrenden erahnen. Von der SVP war ohnehin keine Unterstützung für die Jenischen zu erwarten. Stutzig macht allerdings die Haltung der CVP.

Angelina Donati
Merken
Drucken
Teilen

Die Sitzverteilung des Gossauer Parlaments liess im Vorfeld nichts Gutes für die Fahrenden erahnen. Von der SVP war ohnehin keine Unterstützung für die Jenischen zu erwarten. Stutzig macht allerdings die Haltung der CVP. So haben am Dienstag sieben von insgesamt zehn Mitgliedern den Teilzonenplan Wehrstrasse abgelehnt. In einem Leserbrief trifft ein Gossauer ins Schwarze, in dem er fragt, ob die CVP-Parlamentarier nun beichten gehen werden. Mit Glaubwürdigkeit hat das Ganze nämlich nicht mehr viel zu tun. Gross preist die CVP Gossau-Arnegg auf ihrer Homepage an, für welche Werte sie einsteht: «Für die Menschen, für die Umwelt, lösungsorientiert» – und das alles auch noch «konsequent». Welche Menschen damit wohl gemeint sind? Schweizer Fahrende auf jeden Fall nicht.

Nicht mehr «nur» als fadenscheinig, sondern auch schon fast als zynisch kann seit der Parlamentssitzung die Argumentation der vorberatenden Kommission (VBK) bezeichnet werden. «Die Fahrenden haben einen besseren Platz verdient», kommt VBK-Präsident Felix Koller (FDP) nach seinen Ausführungen zum Schluss. Dies, nachdem er den Standort neben Starkstromleitungen als gesundheitsgefährdend einstufte. Ein Raunen ging durch das Publikum. Nach der Abstimmung zeugten laute Buhrufe davon, dass viele der Besucher sich einen anderen Entscheid gewünscht hätten. Das von ihnen erhoffte «Wunder» aber blieb aus. Geblieben ist ein Unverständnis. Denn unsere Gesellschaft ist doch schon längst tolerant und offen – zumindest hätte man das meinen können.

Das Projekt Durchgangsplatz für Fahrende dürfte in Gossau für längere Zeit abgehakt sein. Ändern lässt sich der Entscheid des Parlaments nicht. Was aber bleibt, ist ein kleiner Hoffnungsschimmer im Hinblick auf Abstimmungen anderer Geschäfte. Schon bald stehen die eidgenössischen und später auch die kommunalen Wahlen an. Die ideale Gelegenheit, die Kandidierenden und ihre Werte, die sie geschickt in Slogans verpacken, genau zu prüfen.

angelina.donati@tagblatt.ch