Für Frauen und Finanzfragen

Silvia Galli Aepli ersetzt Hanspeter Fröhlich im Parlament. Die FDP-Politikerin wählt ihren Schritt in die Legislative mit Bedacht und gibt keine Versprechen ab. Doch sieht sie zwei grosse Herausforderungen auf Gossau zukommen.

Sebastian Schneider
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Engagement für mehr Frauen in der Politik: Silvia Galli Aepli in ihrem Zuhause. (Bild: Urs Bucher)

Engagement für mehr Frauen in der Politik: Silvia Galli Aepli in ihrem Zuhause. (Bild: Urs Bucher)

GOSSAU. Zahlen begleiten Silvia Galli Aepli schon seit langem. Bereits als Jugendliche, als die gebürtige Toggenburgerin eine Banklehre antrat, gehörten Zahlen und Finanzen zu ihrem beruflichen Alltag. Heute ist Galli Aepli Administrationsleiterin einer Vermögensverwaltungsfirma in St. Gallen. Berufserfahrung sammelte sie nicht nur im Bankwesen, sondern auch in der Textilindustrie. Ihre Sachkenntnisse setzt Galli Aepli auch beim Hauseigentümerverband Gossau ein, wo sie Aktuarin ist. Angesichts dieses beruflichen Horizonts ist es wenig erstaunlich, dass die 55-Jährige als frisch nachgerückte FDP-Parlamentarierin sofort in die Geschäftsprüfungskommission (GPK) berufen wurde.

Die Chance, etwas zu verändern

Auf die Bezeichnung «Finanzexpertin» reagiert Galli Aepli zwar etwas verlegen. Dennoch sagt sie, dass sie ihre beruflichen Kompetenzen in die parlamentarische Arbeit einbringen könne. Auch wenn ihr der wesentliche Unterschied zwischen Privatwirtschaft und Politik bewusst sei: «Im politischen Alltag sind die Abläufe anders – sie beanspruchen erheblich mehr Zeit.» Politische Erfahrung sammelte Galli Aepli in Nesslau, wo sie je acht Jahre lang Schul- und Gemeinderätin war. Fürs öffentliche Leben habe sie sich schon immer interessiert. Und so sagte sie damals auch ohne langes Nachdenken zu, für den Schulrat Nesslau-Krummenau zu kandidieren.

Auch wenn die Mühlen in der Politik langsamer mahlen, ist Galli Aepli vom System überzeugt: «In der Schweiz kann jeder etwas verändern, wenn er will.» Als einen grossen Erfolg ihrer damaligen Tätigkeit nennt sie die neue Bibliothek in Nesslau. Sie habe den Anstoss dazu gegeben, darauf sei sie stolz.

Dass in der Schweizer Demokratie jede und jeder mittun und Erfolge feiern kann, trage sie auch an junge Frauen, die sie für die Politik begeistern will. Mehr Junge, und vor allem mehr Frauen, wünscht sich Galli Aepli, die beim Frauennetz Gossau Vorstandsmitglied ist. Der Frauenanteil im Gossauer Stadtparlament sei mit 7 von 30 Mitgliedern zu klein. Wieso in der Politik weniger Frauen als Männer anzutreffen sind, dafür hat Galli Aepli eine Erklärung: «Frauen wollen sich oft nicht zu sehr exponieren.» Nicht zuletzt, weil der Wind mit der Polarisierung, die in den 1990er-Jahren ihren Anfang nahm, rauher geworden sei.

Keine leeren Versprechen

Nicht ohne Grund hat Silvia Galli Aepli ihre politische Heimat in der FDP gefunden. In dieser Partei werde nach der besten Lösung gesucht und konstruktiv gearbeitet. Seit einigen Jahren leitet sie das Sekretariat der FDP Gossau-Arnegg. In dieser Funktion habe sie bereits das eine oder andere Mal einer Stadtparlamentssitzung beigewohnt. Anfang Januar schliesslich nahm sie zum erstenmal auf dem Stuhl ihres Vorgängers Hanspeter Fröhlich Platz. «Die konstituierende Sitzung spiegelt nicht den politischen Alltag.» Diesen wolle sie zuerst besser kennenlernen, ehe sie sich konkrete Ziele setze.

Gleichwohl sieht Galli Aepli, die nun seit etwa zehn Jahren in Gossau lebt, zwei grosse Herausforderungen auf die Stadt zukommen: zum einen die Erneuerung und den Unterhalt von kommunalen Immobilien, vor allem von Schulhäusern, zum anderen das Verkehrsproblem im Stadtzentrum. Als Finanzexpertin ist ihr aber bewusst: «Wer investieren will, braucht Geld.» Schulden aufbauen ist für Galli Aepli keine Option. Und nur bei dringlichem Bedarf und als allerletztes Mittel könne eine Anhebung des Steuerfusses in Betracht gezogen werden.