Für die im Krieg Gefallenen

ST.GALLEN. Vom Kantipark an die Frongartenstrasse und jetzt in den Ostfriedhof: Das Denkmal für die italienischen Kriegsgefallenen hat wohl seinen endgültigen Platz gefunden. Seit es in den 1920er-Jahren errichtet wurde, hat sich aber vieles verändert.

Ruth Frischknecht
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Altes Denkmal auf neuem Sockel: Der Gedenkstein erinnert an italienische Kriegsgefallene. (Bild: Urs Bucher)

Altes Denkmal auf neuem Sockel: Der Gedenkstein erinnert an italienische Kriegsgefallene. (Bild: Urs Bucher)

«An die gefallenen Brüder im Krieg 1915–1918» lautet die Inschrift auf einem Denkmal auf dem Ostfriedhof. Der Granitstein, geschmückt mit einem Helm, Zweigen und einem Stern aus Bronze, gedenkt der italienischen Kriegsgefallenen. «Allerdings ist das Denkmal längst nicht mehr nur jenen Soldaten gewidmet, die im ersten Weltkrieg ihr Leben gelassen haben, sondern allen seit 1915 bis zum Irak-Krieg gefallenen Italienern», sagt Rolando Ferrarese, Leiter des italienischen Kulturzentrums St.Gallen.

Das Kulturzentrum ist zusammen mit dem «Comites», dem Komitee der Italiener im Ausland, zuständig für den Gedenkstein. Die beiden Organisationen haben nach der Schliessung des italienischen Konsulats an der Frongartenstrasse 9 einen neuen Platz für das Denkmal gesucht und auf dem Ostfriedhof gefunden. Wer es gerne aus der Nähe betrachten möchte: Es befindet sich in der Nähe des Haupteingangs, gegenüber des grossen Parkplatzes.

Zweimal umgezogen

Gesetzt hat der Verein ehemaliger italienischer Soldaten (Associazione Nazionale Combattenti e Reducci) den Gedenkstein irgendwann in den 1920er-Jahren. «Wir verfügen über keine genaueren Angaben darüber, wann das Denkmal errichtet wurde», sagt Ferrarese.

Rolando Ferrarese, Leiter des italienischen Kulturzentrums St.Gallen. (Bild: Ruth Frischknecht)

Rolando Ferrarese, Leiter des italienischen Kulturzentrums St.Gallen. (Bild: Ruth Frischknecht)

Zunächst stand das Denkmal im Kantonsschulpark am Burggraben. Wegen der Umgestaltung des Parks in den 1960er-Jahren musste der Gedenkstein weichen und zog in den Garten des italienischen Konsulats um.

Nicht nur der Standort, sondern auch das Gesicht des Denkmals hat sich über die Jahre verändert. Original sind die Widmung und das Zitat aus Giacomi Leopardis Gedicht «All'Italia». Rolando Ferrarese übersetzt die Zeilen so: «Ihr Seligsten, die ihr die Brust den feindlichen Lanzen geboten habt, aus Liebe zum Land, das euch zur Sonne gebracht hat.» Das Gedicht sei Ende des 18. Jahrhunderts während der Kriege gegen Napoleon entstanden, sagt Ferrarese. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Symbole der italienischen Republik, der Eichen- und der Olivenzweig sowie der Stern aus Bronze, dazu. 1972 wurde der Helm aufs Denkmal gesetzt.

Hoher emotionaler Wert

«Der künstlerische Wert dieses Denkmals ist eher klein. In jedem italienischen Dorf steht ein solcher Stein», sagt Ferrarese. Für die Italiener in St. Gallen und der Umgebung sei er jedoch von grosser Bedeutung gewesen. «Das Denkmal war den Auswanderern lieb. Sie zeigten damit ihre Verbundenheit zu Italien und drückten ihre Anteilnahme aus», sagt Ferrarese. Bis heute hat das Denkmal seine Bedeutung nicht verloren: Am 25. April, dem Tag der Befreiung Italiens, am 2. Juni, am Tag der Republik, und am 4. November, am Tag der Einheit der Nation, legt der «Comites» jeweils einen Blumenkranz zum Gedenken an die Kriegsgefallenen nieder.

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