Für die «Eisbären» gilt es ernst

Die Eishockeysaison läuft an, und erstmals macht der Nachwuchsverein HC Eisbären mit einer «richtigen» Mannschaft mit. Morgen Samstag treten die jungen Hockeyaner gegen den EHC St. Gallen an, den zweiten Eishockeyclub der Stadt.

Roger Berhalter
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Gestriges Training in der Eishalle Lerchenfeld: Das neue 4.-Liga-Team des HC Eisbären macht sich vor dem ersten Spiel fit fürs Eis. (Bild: Michel Canonica)

Gestriges Training in der Eishalle Lerchenfeld: Das neue 4.-Liga-Team des HC Eisbären macht sich vor dem ersten Spiel fit fürs Eis. (Bild: Michel Canonica)

Die «Eisbären» wollen es wissen. Bis jetzt war der HC Eisbären ein reiner Nachwuchsverein für Kinder und Jugendliche. Jetzt hat der Club zum ersten Mal eine «richtige» Mannschaft gebildet. Der Zufall will's, dass es gleich beim ersten Auftritt des 4.-Liga-Teams zu einem Stadtderby kommt. Die Mannschaft spielt nämlich gegen den anderen Eishockeyclub der Stadt, den EHC St. Gallen (siehe Zweittext).

Mit der neuen Mannschaft baut der HC Eisbären sein Angebot weiter aus. Der Club möchte so seine Junioren weiterhin beschäftigen, die bisher mit 19 Jahren den Club verlassen mussten. In der aktuellen Mannschaft spielen zwar noch ein paar Trainer und einige Erwachsene mit, aber das soll sich bald ändern. «Ziel ist, dass die Mannschaft mit der Zeit nur noch aus eigenen Junioren besteht», sagt Gian-Reto Zumstein, Trainer und Vorstandsmitglied im HC Eisbären.

Spielen, nicht nur trainieren

2007 war der HC Eisbären gegründet worden, um den Kindern der St. Galler Eishockeyschule einen Spielbetrieb zu ermöglichen. In jener Schule können seit 1999 schon Vierjährige aufs Eis, allerdings trainieren sie nur und treten nicht gegen andere Mannschaften an. Seit es den HC Eisbären als Fortführung der Schule gibt, ist dieser Wettstreit für Neunjährige oder ältere möglich. Das kommt offensichtlich an: Rund 130 Kinder und Jugendliche spielen heute im HC Eisbären aktiv mit. Zählt man die Kinder der Eishockeyschule dazu, flitzen in der Stadt fast 200 kleine Hockeyaner regelmässig übers Eis.

Die «Eisbären» schaffen damit laut Gian-Reto Zumstein das, was vielen anderen Clubs nicht gelingt: «Wir können heute in allen Altersstufen Mannschaften bilden.» Und, ebenfalls nicht selbstverständlich: in jeder Mannschaft bis 16 Jahre spielen zwei oder drei Mädchen mit. Gelegenheiten zum Wettstreit gibt's genügend: Allein in der Eishalle Lerchenfeld finden pro Saison rund 50 Spiele und Turniere für Kinder und Jugendliche statt.

Die Betreuung ist aufwendig

Über Nachwuchsprobleme kann der Verein nicht klagen. Nur ein paar Trainer mehr könnten es noch sein, sagt Gian-Reto Zumstein, einer von sechs bis acht Betreuern. Denn es sei aufwendig, Kinder aufs Eis zu bringen. «Bis nur schon alle angezogen sind, dauert es eine Weile», sagt Zumstein mit einem Augenzwinkern.

Jeder ist willkommen

Ein Grund für den Erfolg sieht der Trainer darin, dass bei den «Eisbären» alle zum Zug kommen, unabhängig vom Können: «Jeder darf mitmachen, und jeder darf spielen», sagt Zumstein. «Eine Mannschaft verliert nicht wegen eines Einzelnen.» Deshalb winkt er auch ab, wenn er nach einem Saisonziel befragt wird. «Wir haben bei keiner Mannschaft ein Saisonziel, wir sind nicht leistungsorientiert.» Trotzdem könne sich die Leistung sehen lassen: «Wir sind nicht schlechter als andere Eishockeyclubs. Teilweise sind wir sogar besser.»

Ehrgeizige wandern ab

Diese Einstellung ist aber auch ein Nachteil. Zumindest aus Sicht von übereifrigen Eltern, die ihren Sohn schon früh als nächsten Eishockeystar sehen. Oft verlassen diese Jugendlichen dann den HC Eisbären, um in einem anderen Club härter zu trainieren. «Das wird in Zukunft vielleicht weniger passieren. Jetzt, da wir eine Erste Mannschaft haben», sagt Zumstein.

Er wünscht sich auch, dass Eishockey in der Fuss- und Handballstadt St. Gallen nicht mehr nur als Randsportart betrachtet wird. So erlebe er zum Beispiel bei der Sponsorensuche oft folgende Reaktion: «Was? Eishockey, das gibt's in St. Gallen?» Der HC Eisbären und der EHC beweisen: Ja, das gibt's.

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