Frühreifes Mostobst

Die Mostobstsaison hat dank des Wetters früher als üblich begonnen. Die Obstverwertung Staad produziert seit zwei Wochen grosse Mengen Apfel- und Birnensaft. Rekordzahlen werden in diesem Jahr aber wohl nicht erreicht.

Damian Zellweger
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Recycling: Schalen und Kerne haben im Saft nichts zu suchen. Der sogenannte Trester wird gesammelt und zur Tierfütterung weiterverwendet. (Bild: Damian Zellweger)

Recycling: Schalen und Kerne haben im Saft nichts zu suchen. Der sogenannte Trester wird gesammelt und zur Tierfütterung weiterverwendet. (Bild: Damian Zellweger)

Staad. Die Mostpresse in der Obstverwertung Staad läuft bereits auf Hochtouren. Rund zwei Wochen früher als in den vergangenen Jahren konnte Geschäftsführer Daniel Roten seine Fünf-Tonnen-Presse in Betrieb nehmen: «Seit dem 23. August pressen wir hier bis zu 100 Tonnen Äpfel und Birnen pro Woche.» Dies sei so früh im Jahr ein guter Wert. Denn die ersten Lieferungen der Bauern bestehen normalerweise nur aus Mostobst, das bereits im Verlauf des Sommers gefallen ist. Grund für die frühe Reifung des Mostobstes war der trockene und heisse Frühsommer. «Ausserdem wurden wir von Hagel und Föhnstürmen verschont», sagt Roten.

Dieser Herbst könnte allgemein gut für die Mostproduktion werden. Die diesjährige Menge des Mostobstes wird jene des vergangenen Jahres auf jeden Fall übertreffen. Eine Schätzung ist aber schwierig. «Ein Rekordjahr wird es eher nicht. Dazu fehlen seit der Feuerbrandkrise 2007 schlicht zu viele Bäume.»

Bis zu 75 Tonnen am Tag

Von Goldach bis St. Margrethen und von Altenrhein bis ins Appenzellerland reicht das Einzugsgebiet der Obstverwertung Staad. Die Bauern können ihr Obst montags, dienstags und donnerstags jeweils von 7.30 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 17.30 Uhr liefern. «Auf Anfrage nehmen wir natürlich auch Grosslieferungen ausserhalb dieser Zeiten entgegen.» Nach der Zwischenlagerung in einer der riesigen Mulden wird das Obst in der Presse zu Saft verarbeitet. «Die Faustregel besagt, dass fünf Tonnen Äpfel in rund 90 Minuten gepresst werden können. Bei den Birnen dauert es nur etwa 50 Minuten.» Mit dieser Leistung kann Daniel Roten bis zu 75 Tonnen Äpfel täglich pressen. «Wir sind ein reiner Abpressbetrieb. Nach dem Pressen wird der Saft sofort verladen und zur Weiterverarbeitung gefahren.» Diese erfolgt bei der Thurella AG in Egnach. «Wichtig ist, dass wir den gepressten Saft möglichst rasch weitergeben können. Die hohen Temperaturen sind Gift für den Saft – er beginnt zu gären.» Um dies zu verhindern, wird im Betrieb auch mal bis in den späten Abend hinein gearbeitet.

Tour bis ins Rheintal

Die Obstverwertung Staad ist eine der wenigen verbliebenen Obstannahmestellen in der Region. Die Landi Goldach hat bis vor zwei Jahren noch Obst entgegengenommen, dann war Schluss. Daniel Roten spürt, dass Möglichkeiten für die Obstbauern fehlen: «Da die Landwirte ihr Obst nirgendwo hinbringen können, holen wir es in den weiter entfernten Gemeinden ab.» So fährt der Lastwagen bis ins Rheintal nach Altstätten und Gams.

Selbst ist der Bauer

Auf das mangelnde Angebot reagiert hat die Familie Stadelmann aus Tübach. Wie auf der Website der Gemeinde Tübach zu lesen ist, haben die Stadelmanns vor etwa 15 Jahren eine mobile Bandpresse gekauft. Mit dieser fahren sie von Hof zu Hof und pressen dort das Mostobst. Von diesem Angebot profitieren vor allem Kleinkunden, die den Most selber konsumieren. Einer dieser Kunden ist die Familie Eigenmann aus Berg. «Grössere Mengen Mostobst lassen wir direkt bei der Thurella AG und der Mosterei Möhl pressen», erklärt René Eigenmann. «Die Presse der Stadelmanns benutzen wir im kleineren Rahmen für die Produktion von Apfelsaft für unseren Hofladen.»

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