FRÜHLINGSMARKT: Standbetreiber setzen auf Stammkunden

Unterhosen, Fitnessgutscheine und Fidget Spinner bieten Marktfahrer auf Rorschachs Gassen an. Ihre Ware geht aber nicht in erster Linie an Laufkundschaft über den Markttisch.

Vivien Huber, Mattia Lorenzi
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Schon im Jahre 947 erhielt Rorschach das Marktrecht und entwickelte sich im Mittelalter zum bedeutendsten Handelsplatz am südlichen Bodenseeufer. Auch heute noch bietet der Stadtkern, der in unmittelbarer Seenähe liegt, einen idealen Standort für Märkte jeglicher Art. Unter strahlend blauem Himmel fand gestern der erste Tag des Frühlingsmarktes in der Innenstadt statt. Bis heute Abend werden die Marktfahrer, die teils sogar aus Österreich angereist sind, mit ihren Produkten das Angebot der regionalen Vertreter ergänzen.

«Wir haben die Möglichkeit, nahe an den Leuten zu sein und so Kontakte mit den einzelnen Anwohnern zu knüpfen», sagt Alessandro Polimeno, Geschäftsführer des City Fitness.

Dank Kundennähe Grosshändler gewachsen

Gerade weil der Frühlingsmarkt so familiär sei, könne er auf eine lange Tradition zurückblicken. Allerdings sei er im Vergleich zu früheren Zeiten nicht mehr so umfangreich, was viele bedauern würden. Die Reduktion der Marktgrösse sei unter anderem auf die wachsenden Grosshändler wie zum Beispiel die Migros zurückzuführen, die eine happige Konkurrenz für die KMU darstellen würden. Durch die einzigartige Kundennähe am Marktstand können diese für sich werben und sich so von den Grosskonzernen abgrenzen, so Polimeno. Es scheint jedoch nicht nur an der starken Konkurrenz zu liegen, dass es tagsüber ruhiger ist, sagt Helga Frühwirth, die mit ihrem Kleiderstand seit vierzig Jahren schweizweit auf Märkten anzutreffen ist. Es habe auch damit zu tun, dass Berufstätige und Schüler fast keine Zeit hätten und dem Markt erst abends einen Besuch abstatteten. Sie ergänzt: «Am Standort Rorschach wird es immer ruhiger, aber dafür ist alles sehr gut organisiert.» Sie richte daher den Schwerpunkt ihres Angebots eher auf ältere Personen aus, die gleichzeitig auch den grössten Teil ihrer Stammkunden ausmachen würden.

Etwas anders ist die Strategie von Paul Bannwart, dem der Stand Billiger Jakob seit zwanzig Jahren gehört. «Mein Stand ist eine Wundertüte mit über 450 Haus- und Landwirtschaftsartikeln. Was man sonst nirgends findet, ist in meinem Sortiment garantiert vorhanden.» Obwohl auch er auf seine Stammkunden setze, versuche er immer den neusten Trends nachzugehen. So fände man in seinem Sortiment auch die momentan heiss begehrten Fidget Spinner. Dabei handelt es sich um Handkreisel, die Stress reduzieren sollen. Zurzeit seien sie in allen Läden ausverkauft, dafür habe es beim Billigen Jakob noch eine grosse Auswahl davon. Hier lassen sich die Fidget Spinner jedoch nur mittelmässig verkaufen. Der Grund dafür sei der gleiche wie bei Helga Frühwirth: Gestresste Berufstätige und Schulkinder kommen erst am Abend. «Trotzdem komme ich auch in Zukunft immer gerne nach Rorschach», sagt Frühwirth. Dieser Meinung sind auch andere Standbesitzer. Ob dies wohl an den Stammkunden oder am Charme des Sees liegt? Wahrscheinlich ist beides der Fall.

Vivien Huber, Mattia Lorenzi

redaktionot@tagblatt.ch