Frühjahrsputz im Kubel

Seit fast zwei Wochen sind Felsreiniger im Kubel am Werk. Sie befreien die Hänge von Gesteinsschichten, damit Fussgänger und Autofahrer nicht von Felsbrocken getroffen werden.

Kathrin Reimann
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Krampfen am Seil: Hoch über der Sitter sind die Felsreiniger am Werk und befreien den senkrechten Hang von Gesteinsschichten. (Bild: Michel Canonica)

Krampfen am Seil: Hoch über der Sitter sind die Felsreiniger am Werk und befreien den senkrechten Hang von Gesteinsschichten. (Bild: Michel Canonica)

Ausgerüstet mit Helmen, Spitzhacken und Hebeisen hängen die Männer an dicken Seilen im Kubel. Über ihnen donnern Züge vorbei, unter ihnen plätschert die Sitter. Sie lösen das Gestein vom Felsen über den gesperrten Strassen und nehmen so einen natürlichen Prozess vorweg. Auf diese Art verhindern sie, dass sich riesige Felsbrocken lösen, auf die Strasse donnern und Fussgänger oder Autofahrer verletzt werden.

Massive Felsbrocken

Am Hang über der gesperrten Wägenwaldstrasse und unterhalb der Eisenbahnbrücke kommt es im Frühling immer wieder zu Steinschlägen. Die Reinigungsarbeiten werden deshalb seit 2002 nach jeder Wintersaison in einem Teilbereich vorgenommen. Dieses Jahr ist die Lage auf dem gesamten Gelände prekär, die Reinigung fällt daher umfassender als sonst aus: «Über Jahrzehnte hat sich Material angesammelt», erklärt Geologe Beda Fuster, der für das Gebiet ein Räumungs- und Schutzkonzept erstellt hat.

Momentan herrsche dort ein riesiges Steinschlagpotenzial. Jederzeit könne es einen «Grossausbruch» geben; Steine, Erde, Bäume oder Felsen könnten vom Hang auf die Strasse fallen. «Letzte Woche hat sich ein über 250 Kilo schweres Felsstück gelöst», so der Geologe. Zudem seien die Schutzbauten, um die Steine aufzufangen, alt und untauglich geworden. Das verfaulte Holz dieser Vorrichtung verhindere nicht, dass Steine auf das Gelände der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG (SAK) und der Stadt St.

Gallen fallen und dort Schaden anrichten.

Personenschaden verhindern

«Wir haben sofort reagiert und mit den Räumungsarbeiten begonnen», erklärt Reto Zuglian von der SAK. So habe man einen Personenschaden verhindern wollen, bei den Mitarbeitern der SAK, bei Anwohnern der Kubel- und Wägenwaldstrasse und bei Wanderern und Spaziergängern. Zudem dürfe die Stromversorgung durch die SAK nicht beeinträchtigt werden. «Wir haben Glück gehabt, dass bis jetzt nichts passiert ist», sagt Zuglian.

Riesige Brocken hätten sie im Frühjahr auf der Wägenwaldstrasse gefunden, Brocken zwischen 50 und 150 Kilogramm, die sie mit dem Stapler von der Strasse holen mussten. «Jetzt müssen wir eine längerfristige Lösung finden», sagt Zuglian. Allerdings müsse noch abgeklärt werden, wie es nach der Felsenreinigung weitergehe. Das Gebiet unterliege der Sitterschutz-Verordnung, dem Geotopenschutz und dem Tierschutz. «Deshalb haben wir keine Möglichkeit, das Gebiet aktiv zu schützen», erklärt Beda Fuster.

Eine aktive Massnahme wäre beispielsweise, den Fels mit einem Netz abzudecken und ihn zu bepflanzen, was eine natürliche Erosion verhindern würde. Die besondere Gesteinsabfolge des Felsens wäre somit aber nicht mehr sichtbar. «Wir müssen uns also passiver Massnahmen bedienen», so Fuster. Passiv bedeutet, dass oberhalb des SAK-Gebäudes zwei Steinschlagschutz-Zäune installiert werden und Felsreinigungen periodisch durchgeführt werden.

Die acht Felsreiniger der Firma Eberle Landschaftsbau führen ihre schwere und gefährliche Arbeit voraussichtlich noch bis morgen Donnerstag aus, so dass die Wägenwaldstrasse noch vor Ostern wieder eröffnet werden kann. Ab wann der Sitterwanderweg wieder begehbar ist, publiziert die Stadt heute abend auf ihrer Homepage. Wann die Sperrung der Kubelstrasse aufgehoben wird, ist noch offen.

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