Frühenglisch erreicht Oberstufe

REGION AM SEE. Seit vier Jahren lernen die Kinder in der Region ab der dritten Klasse Englisch. Heute beginnt für den ersten Jahrgang mit Frühenglisch die Oberstufe. Für die Lehrkräfte bedeutet dies: Unterricht auf höherem Niveau und mit neuem Lehrmittel.

Corina Tobler
Drucken
Open World heisst das neue Englisch-Lehrmittel, mit dem sich die Lehrkräfte bei der Vorbereitung intensiv auseinandersetzten. (Bild: Corina Tobler)

Open World heisst das neue Englisch-Lehrmittel, mit dem sich die Lehrkräfte bei der Vorbereitung intensiv auseinandersetzten. (Bild: Corina Tobler)

Der Unterschied ist bemerkenswert. Vor Jahresfrist begann der Englisch-Unterricht für die erste Oberstufe mit «Hello, my name is . . .». Anfängerlektionen also. Heute beschäftigen sich die Klassen im Fortgeschrittenenunterricht mit Themen wie Kommunikation in der Tierwelt oder Architektur.

Lehrmittel stösst auf Anklang

«Uns erwartet eine völlig neue Welt», ist Ruedi Jucker, Schulleiter der Oberstufe Rorschach, deshalb überzeugt. Darauf haben sich seine Lehrkräfte spezifisch vorbereitet. Obligatorisch für alle Lehrpersonen im Kanton war der methodisch-didaktische Kurs zum Einsatz des neuen Lehrmittels «Open World», die Weiterführung der Reihe «Young World», die in der Primarschule eingesetzt wird. «Es stösst auf riesigen Anklang und ist sehr ansprechend gestaltet. Mein Team freut sich extrem auf die Arbeit damit», sagt Jucker.

Dass die Motivation stimmt, zeigt auch die Tatsache, dass einige Rorschacher Lehrkräfte zusätzlich zum obligatorischen Kurs freiwillig das Cambridge Certificate of Proficiency in English erwarben. Es weist die höchste europäisch anerkannte Fremdsprachenkompetenz aus und wurde vom Bildungsdepartement als anzustrebendes Ziel herausgegeben. Obligatorisch ist allerdings weiterhin nur das ein Niveau tiefere Cambridge Certificate in Advanced Englisch, das auch auf der Primarstufe verlangt wird.

Höhere Auflagen in Goldach

Mit diesem Diplom begnügen sich auch die Oberstufe Rorschacherberg und diejenige in Thal-Staad-Altenrhein. Dort gehörte laut Schulratspräsident Heinz Herzog zusätzlich ein dreiwöchiges Praktikum im englischen Sprachraum zur obligatorischen Vorbereitung. Aus der Reihe tanzt hingegen Goldach. «Bei uns ist das Proficiency obligatorisch», sagt Schulratspräsident Andreas Gehrig. Der Grund dafür: «Von den Primarlehrpersonen wird das Advanced verlangt. Deshalb entschied der Schulrat, auf der Oberstufe eine noch höhere Sprachkompetenz zu verlangen.» Nur eine Lehrperson, die kurz vor der Pension steht, wurde von dieser Auflage entbunden.

Die Schüler richtig einschätzen

Dieses Entgegenkommen gibt es auch in anderen Gemeinden, etwa in Rorschacherberg, wie Schulsekretär Felix Rothenberger bestätigt. «Diese Diplome erwerben die jungen Lehrkräfte heute als Teil ihrer Ausbildung. Früher gab es die Zertifikate noch gar nicht. Deshalb bestand der Schulrat nicht immer auf genau diesem Test. Wichtig ist, dass das Fach von einer dafür ausgebildeten Person erteilt wird, und das ist in jedem Fall gewährleistet.» Davon sind auch die Verantwortlichen in den anderen Gemeinden überzeugt. Die grösste Herausforderung für die Lehrer sehen sie denn auch nicht in den erhöhten Anforderungen an deren Sprachkenntnis. «Die Schüler bringen neu auch im Englisch unterschiedliche Vorkenntnisse mit. Jeden einzelnen einzuschätzen und dann am richtigen Punkt zu beginnen wird die Lehrkräfte fordern», bringt es Andreas Gehrig auf den Punkt.

Spezialfall Real-Sek-Übertritt

Doch auch die Schülerinnen und Schüler sind gefordert. «Ganz besonders jene, die von der ersten Real in die erste Sek wechseln. Sie bringen nur ein Jahr Vorwissen mit. Bei uns in Rorschach werden sie zwei Jahre lang separat beschult. In der dritten Sek sollen sie am Regelunterricht teilnehmen», sagt Ruedi Jucker. Auch in den anderen Gemeinden ist man sich über dieses Problem im klaren. In Rorschacherberg erhalten die betroffenen Jugendlichen im Lernatelier Unterstützung, in Thal werden sie falls nötig separat beschult, wie das auch in Goldach der Fall sein wird, wo für sie eine zusätzliche vierte Niveau-Gruppe gebildet wird (siehe Kasten).

Die Verantwortlichen haben also vorgesorgt, einem erfolgreichen Übertritt des Frühenglisch in die Oberstufe steht nichts mehr im Weg. Rorschachs Schulratspräsident Guido Etterlin ist jedenfalls zuversichtlich. «Es ist erstaunlich, wie gut die Primarschüler bereits Englisch können. Wenn der Unterricht auf der Oberstufe daran anknüpfen kann, kommt das gut.»

Aktuelle Nachrichten