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FROST: Das wird eine schlaflose Nacht für die Obstbauern

In der Nacht auf morgen werden Minustemperaturen erwartet. Das kann im Obstbau zu Ausfällen führen. Für Landwirt Raphael Popp wird die Nacht zum Tag.
Daniel Wirth
Landwirt Raphael Popp stellt am Dienstagabend Frostkerzen auf zwischen seinen Kirschbaumreihen in Berg. (Bild: Ralph Ribi)

Landwirt Raphael Popp stellt am Dienstagabend Frostkerzen auf zwischen seinen Kirschbaumreihen in Berg. (Bild: Ralph Ribi)

Der 30-jährige Raphael Popp wird kein Auge zu tun. Ab Mitternacht geht bei ihm jede Stunde der Wecker ab. Landwirt Popp hat eine Kirschbaumplantage. Am Dienstag hat er dort zwischen den Baumreihen in einem Abstand von fünf Metern vorsorglich Frostkerzen aufgestellt. Popp verfolgt die Wettervorhersagen seit einigen Tagen aufmerksam.

In der Anlage auf knapp 500 Metern über Meer hat er eine Wetterstation installiert, die im Haus anzeigt, wie kalt es draussen ist. «Jede Stunde schaue ich nach, wie tief die Temperatur ist», sagt Popp, der den Hof in der Frank- rüti in Berg zusammen mit seinen Eltern und seiner Partnerin bewirtschaftet. Zeigt die Wetterstation eine Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt, steht Popp auf und nimmt in der Anlage punktuell Messungen vor. «Kritisch wird es erfahrungsgemäss so gegen drei Uhr in der Früh», sagt Popp. Dann falle das Quecksilber des Thermometers noch einmal stark. Die Paraffinkerzen haben eine Brenndauer von 10 Stunden und kosten in der Landi rund 10 Franken das Stück. Popp hat die Kerzen, die in einem Blechkübel abbrennen, vor Monaten angeschafft. Ein weiser Entscheid – gestern waren die Kerzen in mancher Landi ausverkauft.

Angesichts der vorausgesagten Minustemperaturen geht Popp von 220 Kerzen pro Hektare aus. Die Präventivmassnahme gegen den späten Frost geht ins Geld. Je nach dem, wie sich das Wetter frühmorgens entwickelt, können die Kerzen nach drei bis vier Stunden wieder abgelöscht und bei einer weiteren kalten Nacht eingesetzt werden. Ob der Einsatz der Kerzen Wirkung zeitigt, wird sich erst Wochen später weisen, wie Richard Hollenstein, Leiter der Fachstelle für Obstbau des Kantons St. Gallen, sagt.

Experte: «Der Einsatz lohnt sich»

Daher lohnten sich Abwehrmassnahmen, wo die technischen Einrichtungen vorhanden seien alleweil und minderten das Risiko von Ernteausfällen, sagt Hollenstein. Dies betreffe vor allem das Steinobst. Raphael Popp weiss das. Er hat auch eine Kultur mit Zwetschgen. Diese Bäumchen in der Frankrüti hat Popp aber erst vor wenigen Wochen gepflanzt. Sie stehen noch nicht in der Blüte und brauchen darum auch keine vorsorglichen Massnahmen gegen den angekündigten Frost.

Auch bei den Apfel- und Birnbäumen verzichtet Popp auf den Einsatz von Frostkerzen. Das Kernobst sei weniger diffizil als das Steinobst, sagt der Landwirt, der auf rund 1,6 Hektaren in Berg Obstbau betreibt. Bei den Kirschen gibt Bauer Popp Obacht.

Alle raus mit den Bunsenbrennern

Wenn die Temperaturen morgen bedrohlich tief fallen, wird er seine Lebenspartnerin und seine Eltern aus den Federn holen und sie mit Bunsenbrennern ausstatten. Dann müssen die Paraffinkerzen möglichst rasch angezündet werden. Doch nach dem Anzünden kann Popp nicht gleich wieder ins Bett. Er muss die Temperatur draussen weiterhin genau kontrollieren. Fiele das Quecksilber des Thermometers überraschend noch tiefer als angekündigt, müsste er zusätzliche Kerzen aufstellen. Er hat noch welche im Lager. Gingen ihm die Frostkerzen dennoch aus, müsste er die vorhandenen dichter zusammenstellen und sich auf den präventiven Schutz nur mehr eines Teils der Plantage konzentrieren.

Mit dem Anzünden der Kerzen ist es also nicht einfach getan. Ein falscher Einsatz des Paraffins könnte für die Obstbauern der Region St. Gallen schwere Folgen haben: Zu den Einbussen wegen einer geringeren Ernte und minderer Qualität des Obstes in der Höhe von mehreren tausend oder gar zehntausend Franken kämen die Kosten für die Kerzen hinzu, die bei Bauern mit grossflächigen Anlagen auch in die Tausende gehen können. – Raphael Popp ist gut vorbereitet. Den Schlaf wird er nachholen.

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