Frivol, aber mit Tiefgang

GOSSAU. Drei Jahre nach «My Fair Lady» begeistert der Theaterverein Fürstenland nun mit «La Cage aux Folles». Am Freitagabend fand im nahezu vollbesetzten Fürstenlandsaal die gelungene Premiere statt.

Gisela Tobler
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Der Theaterverein Fürstenland führt im Fürstenlandsaal das Musical «La Cage aux Folles» auf. (Bild: Coralie Wenger)

Der Theaterverein Fürstenland führt im Fürstenlandsaal das Musical «La Cage aux Folles» auf. (Bild: Coralie Wenger)

GOSSAU. Jean-Michel will heiraten. Das ist eigentlich ein freudiger Anlass, doch der junge Mann ist bei seinem homosexuellen Vater Georges und dessen Geliebtem Albin aufgewachsen. Der eine ist Besitzer des Nachtclubs «La Cage aux Folles», der andere Star «Zaza» in der Transvestiten-Show in besagtem Nachtclub. An und für sich wäre das kein Problem, wenn Jean-Michels Verlobte nicht aus erzkonservativem Haus stammen würde. Ihr Vater ist Politiker der TFM-Partei für Tradition, Familie und Moral. Und mit Homosexuellen hat der natürlich gar nichts am Hut. Das Unheil nimmt seinen Lauf, aber nach turbulenten Irrungen und Wirrungen kündigt sich ein Happy End an.

Anderssein respektieren

Das Musical «La Cage aux Folles» – ein Käfig voller Narren – wurde 1983 am Broadway uraufgeführt, just dreissig Jahre bevor es der Theaterverein Fürstenland für sich entdeckt hat. Das von Thomas Diethelm mit Witz und Charme inszenierte Stück besticht durch frivole Situationskomik, prächtige Bühnenbilder (Cornel Fürer) und Kostüme (Kathrin Baumberger) sowie wunderschöne Melodien und gefälligen Choreographien (Dagmar Ammann, Karin Diethelm) mit üppigen Showblöcken. Gleichzeitig hat es Tiefgang, denn letztlich wirbt «La Cage aux Folles» für Respekt und Anerkennung von Andersartigen, was bei gewissen Szenen zuweilen leichte Beklemmung auslöst. In erster Linie ist es aber ein grosses Vergnügen, drei Jahre nach «My Fair Lady» wiederum Gossauerinnen und Gossauer Schauspieltalente auf der Bühne zu erleben. Viel Spass machen insbesondere die Männer, die ihre Rolle als Transvestiten offensichtlich geniessen. Auch beim genauen Hinsehen lässt sich kaum feststellen, welche Frau nun tatsächlich Frau ist. Da hat Maskenbildnerin Sandra Wartenberg ausgezeichnete Arbeit geleistet.

Starke Darsteller

Die Rollen wurden optimal verteilt: Pius Stark stellt als Zaza beziehungsweise Albin eine umwerfende Weiblichkeit zur Schau, während Marco Ciorciari als Georges mit seiner gewaltigen Bühnenpräsenz beeindruckt. Des weiteren besticht Cornel Fürer als kokette Zofe Claudine, die von einem Auftritt als Star im «La Cage aux Folles» träumt. Auffallend gut in Erscheinung tritt auch der junge Severin Mauchle in der Rolle von Jean-Michel. Aufhorchen lässt vor allem seine wohlklingende Stimme. Sämtliche Akteure spielen auf hohem Niveau, wobei man leicht vergessen könnte, dass ausschliesslich Laienschauspieler auf der Bühne stehen. Grosse Anerkennung gebührt auch dem Chor, der von Philippe Frey einstudiert wurde, sowie dem Stradis Orchester unter der Leitung von Werner Strassmann.

Vor der Premiere habe grosse Nervosität geherrscht, verrät Regisseur Thomas Diethelm im Anschluss an die gelungene Aufführung. Auch er sei wie auf Nadeln gesessen, denn an den letzten Proben habe es noch einige Pannen gegeben. Die grösste Herausforderung sei die Synchronisation mit dem Orchester gewesen, was insgesamt nur viermal geprobt werden konnte. «Das perfekte Zusammenspiel ist eine hochkomplexe Angelegenheit und erfordert von allen Beteiligten höchste Konzentration», erklärt Diethelm. Umso glücklicher sei er, dass an der Premiere alles so gut geklappt hat. «Fast alles», meint er augenzwinkernd, «aber die vereinzelten kleinen Unstimmigkeiten wurden wohl kaum wahrgenommen.»

Keine Mängel bemerkt

Nein, das Publikum hat offensichtlich keine Mängel bemerkt, sondern ist schlichtweg begeistert und bedankt sich für das genussreiche Musical-Erlebnis mit kräftigem und langanhaltendem Applaus.

Aufführungen im Fürstenlandsaal Gossau jeweils um 20 Uhr. Am 9., 10., 12., 13., 16., 17., 19., 20., 26. und 27. April. www.theaterverein.ch