Frisch, nah und wichtig fürs Dorf

Das Lädelisterben greift in Dörfern um sich, auch in der Region. Doch in Häggenschwil übersteht der «Dorfladä» selbst schwierige Zeiten. Das hat mit gutem Service zu tun. Es gibt aber noch einen zweiten Grund.

Sebastian Schneider
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Im Dorfladen von Häggenschwil werden circa 5000 Produkte angeboten. (Bilder: Peer Füglistaller)

Im Dorfladen von Häggenschwil werden circa 5000 Produkte angeboten. (Bilder: Peer Füglistaller)

HÄGGENSCHWIL. Gross und billig. Viele Aktionen, eine Tiefgarage und eine Fastfood-Ecke. Mit diesen Argumenten locken grosse Supermärkte Kunden aus der ganzen Region an. Zu spüren bekommen das vor allem die Dorfläden, die aufgrund fehlender Kundschaft schliessen müssen. So geschehen vor wenigen Tagen in Eggersriet. Auch in Untereggen gibt es den Lebensmittelladen nicht mehr. In Berg SG ist der «Chäsiladen» vorübergehend geschlossen. Allerdings gibt es für das Lädeli gleich mehrere Interessenten, wie es bei der Gemeindekanzlei heisst.

Pizza-Öl aus dem Dorf

Noch hat das Lädelisterben nicht jedes Dorf in der Region erfasst. In Häggenschwil etwa ist der «Dorfladä» nach wie vor offen. Mitten im Dorf an der Dorfstrasse, die so ruhig ist wie in keinem anderen Ort in der Region. Neu gibt es laktosefreie Joghurts, wie auf der Schiefertafel vor dem Schaufenster steht. Im Laden selber werden in einem Regal spezielle Öle, Sirup, Suppengemüse oder Meringues angepriesen. «Diese Produkte sind allesamt aus unserer Gemeinde», sagt Nicole Zeller, die den Laden betreibt. Sie setzt auf Fleisch aus Waldkirch und Brot aus Wittenbach. Regionale Produkte seien enorm wichtig für das Bestehen des Ladens. «Und Freundlichkeit», ergänzt Zeller.

Zudem bietet sie ihrer Kundschaft Dienste, die die grossen Supermärkte nicht kennen. Zum Beispiel können Kunden laut Zeller das Sortiment mitbestimmen, in dem sie Wünsche für spezielle Produkte anbringen.

Die Produktpalette umfasst nicht nur frisches Essen, Wein, Zigaretten und Schnaps, sondern auch Büromaterial, Putzmittel und Geschenkpapier. «Wir haben etwa 5000 verschiedene Produkte für den täglichen Gebrauch im Sortiment», sagt Nicole Zeller, die den Laden seit sechs Jahren führt. Neben dem Regal mit Brot und Brötli können Pakete aufgegeben werden und Einzahlungen getätigt werden. Die Postagentur sei für die Betreiber ein Vorteil. Sie bringe doch einige Kunden in den Laden, die sonst nicht kommen würden.

Auch der Präsident kauft ein

Trotz aller Nähe, Frische und Freundlichkeit hat es auch das Lädeli in Häggenschwil nicht leicht. Nicole Zeller, ihr Mann Hans und die drei Teilzeitmitarbeiterinnen spüren zunehmend die Konkurrenz der grossen Läden. «Wittenbach, Amriswil und Arbon liegen nicht weit entfernt. Und wenn man ja ohnehin mit dem Auto unterwegs ist…»

Dass es in der 1200-Seelen-Gemeinde überhaupt einen Dorfladen gibt, hat mit der Bedeutung zu tun, die viele Dorfbewohner dem Laden beimessen. «Der Laden ist für Häggenschwil enorm wichtig», sagt Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring. Er selber sei auch öfters im Laden anzutreffen. Und die Gemeinde habe den Laden bei der Gründung vor zehn Jahren nicht unerheblich unterstützt.

Wichtiger Teil des Dorflebens

Genauer gesagt, hat die Gemeinde ein Darlehen für das Stockwerkeigentum geleistet. «Einen namhaften Betrag», sagt Lukas Angehrn. Vor zehn Jahren sei das Haus an der Dorfstrasse 8 umgebaut worden. Zuvor wurde laut Angehrn im Erdgeschoss eine Metzgerei betrieben. Er und die beiden Bauherren, ebenfalls Häggenschwiler, seien auf die Idee gekommen, eine Genossenschaft zu gründen, mit der das Stockwerk mitfinanziert wird. Mit Darlehen der Gemeinde, der Bank sowie mit Privaten sei hinreichend Geld zusammengekommen.

Mit Hilfe der Genossenschaft, die heute 190 Mitglieder zählt und von Angehrn präsidiert wird, können Zins und Unterhalt knapp finanziert werden. «Und darum ist es auch möglich, den Mietzins für die Räume tief zu halten», erklärt Angehrn. Ihm sei bewusst, dass man mit einem Dorfladen keinen grossen Umsatz erwirtschaften kann. Doch der Laden sei für ihn und viele Häggenschwiler ein wichtiger Teil des Dorflebens.

Nicole Zeller Betreiberin des «Dorfladä» (Bild: Peer FŸglistaller (Peer FŸglistaller))

Nicole Zeller Betreiberin des «Dorfladä» (Bild: Peer FŸglistaller (Peer FŸglistaller))