Freude auf und hinter der Bühne

Hinterhältig, verständnisvoll, lustig und böse: Claire Bischof zeigte schon diverse Facetten ihrer Persönlichkeit beim St. Galler Seniorentheater. Seit kurzem präsidiert die Andwilerin den Verein.

Stefan Feuerstein
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Claire Bischof liebt es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. (Bild: Stefan Feuerstein)

Claire Bischof liebt es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. (Bild: Stefan Feuerstein)

ANDWIL. Ihre Leidenschaft fürs Theaterspielen entwickelte Claire Bischof aus Andwil erst spät. Schülertheater, wie man sie heute kennt, habe es in ihrer Jugend noch kaum gegeben. «Ich besuche das Theater aber seit jeher sehr gerne und geniesse es, dabei in eine andere Welt einzutauchen», schwärmt die lebhafte 71-Jährige. Als sie vor rund zehn Jahren pensioniert wurde, war Claire Bischof schnell klar, dass sie sich beim Seniorentheater St. Gallen engagieren möchte. «Ich hatte dessen Vorstellungen schon mehrmals gesehen und fand sie toll. Als ich dann auf den Verein zuging, merkte ich schnell, dass das Zusammenwirken mit theaterbegeisterten Senioren einfach passt.»

Freude an der Verwandlung

Seither stand Claire Bischof bereits bei diversen Vorstellungen in der ganzen Ostschweiz auf der Bühne, meist vor älteren Menschen und Pflegebedürftigen. Für Stücke wie «Mit üs uf kein Fall», «Wellness über alles» oder das aktuell aufgeführte «Dä Lieblingsschüeler» schlüpfte sie schon in verschiedenste Rollen und bewies, dass sie auch gemein sein kann. «Als meine Mutter mich als hinterhältige Schwiegertochter auf der Bühne sah, konnte sie die Verwandlung kaum fassen. So böse kannte sie mich nicht», erzählt sie. Verschiedene Charaktere darzustellen, bereitet ihr sichtlich Freude.

Theater hält Gedächtnis fit

Ihre Lieblingsrolle kam der Realität dann aber schon deutlich näher. Als 50-Jährige trat sie nämlich die Ausbildung zur Fachfrau Betreuung an, was das Spielen der Heimleiterin im Lustspiel «Zuefäll gits» besonders reizvoll gemacht habe. Auch heute noch setzt sich die dreifache Mutter und Grossmutter mit wöchentlichem Gedächtnistraining in der Betreuung von Senioren ein. Eine ähnlich positive Wirkung auf das Gedächtnis stellt Bischof aber auch bei den Proben im Seniorentheater fest: «Unsere Mitspielenden betonen, dass sie sich durch das Eintrainieren einer Rolle und die damit verbundene geistige Aktivität fit halten können. Daneben ist es gerade für Senioren aber auch wichtig, dass sie gesellschaftlich eingebunden bleiben.»

Humorvoll, ohne seicht zu sein

Seit vergangenem Juni ist Claire Bischof Präsidentin des Seniorentheaters St. Gallen. Schon davor setzte sie sich im Vorstand ein, mit ihrem neuen Amt hat sich ihr Aufgabengebiet nun nochmals vergrössert. Veränderungen soll es im Seniorentheater vorerst keine geben. Der 26 Mitglieder zählende Verein setzt weiterhin auf humorvolles Theater, das nicht seicht sein soll. «In den vergangenen vier Jahren sind wir bei der Stückwahl auf dem Zenit angelangt, dieses Niveau möchte ich nun halten», so die Vereinspräsidentin. Das nächste Stück steht schon praktisch fest, vorerst soll es aber noch ein Geheimnis bleiben. «Ab Januar stehen die Proben an. Davor freuen wir uns aber erst nochmals darauf, einige Male mit <Dä Lieblingsschüler> vor Publikum zu treten.»

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