Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Freude an der Technik wecken»

Für Diana Gutjahr, Geschäftsführerin eines Stahl- und Metallbauunternehmens, ist klar: Den weiblichen Berufsnachwuchs gilt es in jungen Jahren anzusprechen.
Tobias Söldi
«Freude an der Technik wecken»

«Freude an der Technik wecken»

Frau Gutjahr, Sie sind eine erfolgreiche Frau in der Geschäftsleitung eines technischen Betriebs – fühlen Sie sich als Exotin?
Gutjahr:Ungewöhnlich ist es immer dann, wenn mich jemand fragt, ob es ungewöhnlich ist. Für mich ist es nichts Besonderes. Aber es ist schon so, dass ich an Veranstaltungen vor allem in männliche Gesichter schaue. Trifft man einmal eine Frau in diesem Umfeld, ist das ein Unikum. Aber die Leute haben auch Freude, wenn sich Frauen für Technik begeistern können. Man ist willkommen.

Sie hatten schon als Kind «Stahl und Metall» im Blut, wie es einmal in einem Zeitungsartikel über Sie hiess. Wie muss man das verstehen?
Diana Gutjahr: Mit Stahl und Metall bin ich einfach aufgewachsen. Die Ernst Fischer AG ist ein Familienbetrieb, mein Vater führt das Geschäft seit 40 Jahren. Als Kind ging ich an den Wochenenden oft mit meinem Vater mit auf eine Baustelle oder in die Werkstatt, wenn er Messungen und Kontrollen durchführen musste.

Was gefiel Ihnen dort?
Gutjahr: Ich mochte an Baustellen, dass es immer wieder eine andere Umgebung ist und dass das Endprodukt zu sehen ist.

Sie haben aber eine betriebswirtschaftliche Ausbildung gemacht, keine technische. Warum?
Gutjahr: Ich habe in einem technischen Beruf – Metallbaukonstrukteurin – geschnuppert. Die Arbeit hat aber doch nicht ganz meinen Vorstellungen entsprochen. Zu dieser Zeit stand das KV bei den jungen Frauen sehr hoch im Kurs, weshalb ich mich dann dafür entschieden habe. Ausserdem lagen mir zumindest in der Primarschule Sprachen mehr als Zahlen. Ich habe schon damals gern geschrieben.

Hat die Schule Ihr Interesse an Technik zu wenig gefördert?
Gutjahr: Wäre der Unterricht auch für Mädchen etwas stärker auf den technischen Bereich ausgerichtet gewesen, hätte ich mich vielleicht anders entschieden. In der Schule hiess es, Mädchen seien in den Sprachen stark und deshalb fürs KV geeignet. Entsprechend gingen wir noch in die Handarbeit, die Buben in den Werkunterricht. Da wurde unterteilt. Ich glaube, in der Schule wird immer noch zu wenig darauf hingewiesen, dass auch Mädchen einen technischen oder handwerklichen Beruf erlernen könnten. Das ist schade.

Sind die Weiterbildungsmöglichkeiten zu wenig attraktiv in handwerklichen Berufen?
Gutjahr: Handwerkliche Berufe sind tolle Berufe. Ein Handwerker ist nie joblos. Und man kann sich im Fachbereich sehr gut weiterbilden. Aber statt bei den Weiterbildungsmöglichkeiten auf den Weg über die Berufsmatura an die Uni oder die Fachhochschule zu fokussieren, sollte das Augenmerk verstärkt darauf gelegt werden, welche Möglichkeiten bestehen, sich im Beruf weiterzubilden. Sobald man an die Fachhochschule oder Universität geht, entfernt man sich vom Handwerk und wird zum Generalisten.

Die Efag bildet 15 Lernende aus. Wie zeigt sich da das Geschlechterverhältnis?
Gutjahr: Letztes Jahr hat bei uns eine Frau die Lehre als Metallbauerin abgeschlossen, dieses Jahr bilden wir nur Männer aus. Ich weiss nicht, warum das so ist. Man könnte denken, die Arbeit sei körperlich zu anstrengend – aber es ist ja möglich, wie sich gezeigt hat. Vielleicht wird die Arbeit als zu zahlenlastig wahrgenommen, und da könnte das schon erwähnte Schema greifen und bewirken, dass sich junge Frauen gar nicht erst für den Beruf interessieren.

Was tun Sie dagegen?
Gutjahr: Ich erwähne etwa an Podien immer wieder, dass es schön wäre, wenn mehr Mädchen sich für technische Berufe interessierten, dass ich mich freuen würde über mehr Schülerinnen, die bei uns schnuppern. Man muss sie explizit darauf hinweisen, sich auch einmal einen technischen Beruf anzuschauen. Auf dem Papier ist die Arbeit nie wie in der Realität, wo man das Umfeld sieht und mit anderen Lernenden sprechen kann.

Und in welcher Form könnte dies geschehen?
Gutjahr: Es gibt zum Beispiel in Romanshorn einen Berufswahlparcours, in dem man vor dem Schnuppern verschiedene Berufe anschauen kann. In den letzten fünf Jahren waren aber leider nur ein oder zwei Mädchen da, um sich den Beruf Metallbauer anzusehen.

Auch die tunOstschweiz.ch könnte da Gegengewicht geben. Sie versucht ein junges Publikum – auch ein weibliches – für technische Berufe zu begeistern.
Gutjahr: Die Messe ist sehr wichtig. Ich denke, sie bringt viel, aber man muss auch eine gewisse Zeit warten können, um zu sehen, was daraus wird. Wenn Kinder regelmässig die Messe besuchen, kann man spielerisch und ohne Druck ihr Interesse für technische Bereiche wecken. Die Kinder finden so heraus, was ihnen Spass macht, welche Fähigkeiten sie haben, welche nicht. Auch die Rolle der Eltern ist wichtig.

Inwiefern?
Gutjahr: Die Eltern merken an einer Messe wie der tunOstschweiz.ch möglicherweise, dass ihr Kind noch andere Fähigkeiten hat, als sie bis dahin angenommen haben. Manchmal ist es so, dass Eltern ihre eigenen Interessen auf ihr Kind übertragen und gar nicht sehen, was dieses selbst eigentlich will. An einer solchen Veranstaltung sehen die Eltern, wo das Kind von sich aus hinläuft, was es gerne machen würde.

Stellen Sie bei den jungen Leuten ein Feuer für technische Dinge fest – so wie bei Ihnen einst?
Gutjahr: Bei den Einstellungsgesprächen frage ich oft, warum jemand gerade diesen oder jenen Beruf lernen möchte. Sehr oft zeigt sich, dass die Kinder in ihrer Berufswahl ihren Eltern folgen. Die Vaterrolle prägt extrem. Ich stelle auch fest, dass Kinder aus einem solchen Umfeld auch in ihrer Freizeit basteln, etwa am Töffli. Sie wollen den technischen Beruf also aus einem inneren Instinkt heraus lernen.

Und wem dieser Kontext fehlt?
Gutjahr: Man merkt, dass es diesen Jugendlichen schwerer fällt, Freude an der Sache zu entwickeln. Es ist ein grosser Unterschied gegenüber der Schule, wenn die jungen Leute plötzlich Fächer wie Sach- oder Werkstoffkunde besuchen müssen. Einigen fällt diese Umstellung dann sehr schwer. Ich denke, in der Schule sollte vermehrt versucht werden, bei den Kindern Freude für solche Fächer zu entwickeln.

Diana Gutjahr

Diana Gutjahr ist Unternehmerin und Politikerin. Die 1984 geborene Thurgauerin studierte Betriebswirtschaft in St. Gallen und ist unter anderem im Verwaltungsrat der 1911 gegründeten Ernst Fischer AG in Romanshorn tätig. 2012 hat sie die Leitung des Stahl- und Metallbau-Unternehmens von ihrem Vater Roland Gutjahr übernommen. Daneben findet Gutjahr Zeit für verschiedene andere Mandate etwa als Vizepräsidentin des Thurgauer Gewerbeverbands. Seit 2012 sitzt sie für die SVP im Grossen Rat, wo Bildung und Wirtschaft ihre Schwerpunkte bilden. Sie wohnt in Amriswil. (tos)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.