Freizeitsport
Die Antithese zum Bünzli

Felix Zwicky betreibt seit 25 Jahren die Minigolfanlage auf Dreilinden. Damit bestreitet er nicht nur seinen Lebensunterhalt, sondern lebt auch seine Philosophie, wie er sagt.

Adrian Lemmenmeier
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«Ich will, dass Freude herrscht am Freudenberg»: Felix Zwicky auf der Minigolfanlage Dreilinden. (Bild: Urs Bucher)

«Ich will, dass Freude herrscht am Freudenberg»: Felix Zwicky auf der Minigolfanlage Dreilinden. (Bild: Urs Bucher)

«Spielt man über die Bande, braucht man einen weichen Ball», sagt Felix Zwicky und öffnet einen Handkoffer mit zwanzig unterschiedlichen Minigolfbällen. Er nimmt einen kleinen weissen, setzt ihn auf die Bahn, zielt und schlägt. Die Kugel rollt schräg über die zickzackförmige Bahn, prallt zweimal gegen die Bande und verschwindet im Loch. Ein makelloses Ass.

Zwicky hat auch nach 25 Jahren noch Spass am Minigolf. Dabei hat er die Anlage 1993 nicht etwa gekauft, weil er gerne Minigolf spielt, sondern weil er in einer Sinnkrise steckte. «Ich wollte nicht mehr am wachstumsorientierten Wirtschaftsleben teilnehmen», sagt Zwicky. Dabei hatte er als selbstständiger Werbetexter ein stattliches Einkommen. «Mehr, als ich zum Leben brauchte.» Als die Minigolfanlage Dreilinden zum Verkauf ausgeschrieben war, sah Zwicky seine Gelegenheit gekommen, um auszusteigen. Er liess sich sein Erspartes aus der Pensionskasse auszahlen, beantragte einen Bankkredit und kaufte die An­lage. Seither macht er hier «sein Ding». Unabhängig und niemandem Rechenschaft schuldig. «Kapitalismus ist für mich eine Form von Krieg», sagt er. «Auf Teufel komm raus Gewinne zu erzielen widerspricht meiner Lebensphilosophie.»

In 25 Jahren Preise nie erhöht

Dass er sein Geld als Kapitalismuskritiker ausgerechnet mit dem als elitär verschrienen Golf verdient, stört Zwicky nicht. Zum einen sei Golf heute nicht mehr nur ein Sport für «reiche Bünzlis». Und zum anderen gehe es auf Dreilinden um Minigolf. Er sehe seine Anlage gerade als «Antithese» zum elitären Golfplatz: «Hier können alle eine schöne Zeit haben», sagt er. «Ob Kinder, Banker oder Asylbewerber, spielt überhaupt keine Rolle.» Dass dies keine Lippenbekenntnisse sind, zeigen die Preise auf der Minigolfanlage Dreilinden. Zwicky hat sie seit 25 Jahren nicht erhöht. Damals wie heute kostet die Partie Minigolf fünf Franken für Erwachsene. Kinder bezahlen drei Franken fünfzig, Asylsuchende spielen gratis. Aber reicht das dem Betreiber der Anlage, um über die Runden zu kommen? «Ja», sagt Zwicky, der im Winter als Taxifahrer arbeitet. Viele Gäste kämen auch einfach vorbei, um ein Glace zu essen, ein Bier zu trinken oder zu plaudern. «Minigolf oder das Gartencafé allein würden nicht reichen», sagt Zwicky. «Mit beidem zusammen aber komme ich gut durch.» Der Erfolg hängt allerdings vom Wetter ab. «Eigentlich ist es eine Kamikazeaktion, am verregneten Alpennordfuss eine Minigolfanlage zu betreiben», sagt Zwicky. Wenn das Wetter stimme, kämen aber viele Gäste. So auch an diesem Morgen. Noch bevor Zwicky die Anlage geöffnet hat, grüssen die ersten Stammkunden über den Zaun. «Wir schauen dann am Nachmittag vorbei.»

Nur eine Saison ohne Einbruch

In den vergangenen 25 Jahren hat Zwicky auf seiner Minigolfanlage Höhen und Tiefen erlebt. «Das gehört zu jedem Geschäft», sagt seine Lebenspartnerin Sylvia Kocherhans. Sie hilft Zwicky auf der Minigolfanlage aus. Aber die Art des Auf und Abs ist besonders. So läuft die Minigolfbahn tendenziell dann besser, wenn die übrige Wirtschaft schwächelt. «In einer Rezession bleiben die Leute in den Ferien eher daheim und vergnügen sich in der Nähe», sagt Zwicky. «Meine Anlage soll auch ein Ansporn sein, dass man nicht verreisen muss, um sich zu erholen», sagt der Globalisierungsgegner und Nichtflieger.

Ungewöhnlich ist die Anziehungskraft der Minigolfanlage auf Einbrecher. «In 25 Jahren erlebten wir nur eine Saison, in der nicht eingebrochen wurde», sagt Zwicky. Meistens waren es Bagatellen: Kantischüler, die nach einem langen Abend auf Drei Weiern ein weiteres Abenteuer suchten. Ein Asylbewerber auf Ausschau nach Wertgegenständen. «Nach dem vierten Einbruch hat mir die Versicherung gekündigt, und wir mussten eine Alarmanlage einbauen lassen.»

Insgesamt überwiegen die positiven Momente. «Ich bin sehr dankbar, dass ich das Gebiet auf Dreilinden mitgestalten kann», sagt Zwicky. Deshalb reicht er nicht nur Minigolfschläger über den Tresen, sondern lässt auch lokale Künstler zwischen den Bahnen ihre Skulpturen aufstellen. Ein- bis zweimal im Jahr veranstaltet er ein Konzert. Am 11. Juni spielt hier die St. Galler Gruppe Bluesonix. «Mir ist wichtig, dass es den Leuten bei mir ­gefällt», sagt Felix Zwicky – und zitiert für einmal nicht Marx, sondern Ogi: «Ich will, dass Freude herrscht am Freudenberg.»

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