Freiwilligenarbeit gerät immer mehr unter Druck

ST. GALLEN. Rund 90 Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen, Verwaltung und Politik beschäftigten sich am Samstag am Tag der Freiwilligen im Pfalzkeller mit der Frage des Einflusses der Regulierungen von Staat und Verbänden auf die Freiwilligen-Arbeit.

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ST. GALLEN. Rund 90 Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen, Verwaltung und Politik beschäftigten sich am Samstag am Tag der Freiwilligen im Pfalzkeller mit der Frage des Einflusses der Regulierungen von Staat und Verbänden auf die Freiwilligen-Arbeit. Organisiert wurde der Anlass von der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons St. Gallen (GGK).

Gemeinden top – Kanton Flop

Eine Befragung von rund 700 Institutionen der Fachhochschule St. Gallen ergab laut Projektleiter Daniel Jordan bei 70 Prozent der Befragten gute bis sehr gute Noten für die Zusammenarbeit mit den Gemeinden. Den kantonalen Behörden erteilten indes nur 36 Prozent ein «gut» bis «sehr gut»; bei den Bundesbehörden gar nur 25 Prozent. 17 Prozent empfanden staatliche Vorschriften als hoch bis sehr hoch und damit als Hindernisse.

Am hinderlichsten fanden die Kritiker die Jugend+Sport-, Bau- und Brandschutz-Vorschriften sowie die restriktive Anlagen- und Hallenbenützung. Nahezu ebenso stark wurden Regulierungen der Verbände kritisiert, beispielsweise obligatorische Berufs- und Weiterbildungskurse für Freiwillige, Kontrollen oder Berichtswesen.

Immer mehr Profis am Werk

Noch werden zwar 94 Prozent der Vereine ehrenamtlich geführt. Wegen des Dichtestresses punkto Regulierungen müssten aber immer mehr NGOs Profis anstellen, sagten 28 Prozent. Deshalb ersuchen 37 Prozent der Befragten Kanton oder Gemeinden um finanzielle Unterstützung – in Form von Beiträgen oder im Rahmen einer Leistungsvereinbarung. Unterstützungen werden jedoch meist nur bei Einhaltung gewisser staatlicher Normen gewährt.

GGK-Präsident Hubertus Schmid konstatierte selbstverstärkende Effekte der Regulierung: Politik, staatliche Aufsicht, Forschung und Ausbildungsinstitutionen hielten die Regulierung in Schwung. Die steigende Professionalisierung müsse gebremst werden, sonst würden Freiwillige und Ehrenamtliche immer mehr verdrängt. Freiwilligen-Arbeit gedeihe auf der Basis von Uneigennützigkeit, Freude und Eigenverantwortung.

Gemeinsam mit der Verwaltung sollen den staatlichen Behörden nun im nächsten Schritt bis Ende 2016 konkrete Verbesserungsvorschläge unterbreitet werden. (mw)