Freispruch für Jäger

RORSCHACH. Das Kreisgericht Rorschach sprach gestern einen 59jährigen Jäger der vorsätzlichen Drohung frei. Er war angeklagt, eine Hundehalterin mit der Waffe bedroht zu haben.

Andrea Sterchi
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RORSCHACH. Ein früher Sonntagmorgen im Frühling 2010. Der Angeklagte ist mit seinem Jagdhund an der Leine an der Grenze des von ihm gepachteten Jagdreviers unterwegs. Da läuft ein anderer Hund auf sie zu, es kommt zur Beisserei. Der Angeklagte will die Hunde trennen, wird durch den Halfter seines Hundes behindert und stürzt, der andere Hund beisst ihn in den Oberschenkel.

Mit Pistole bedroht

So weit sind sich Anklage und Verteidigung einig. Uneinig sind sie sich darüber, was dann folgt. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Angeklagten, die Halterin des angreifenden Hundes mit der Waffe bedroht zu haben. Es habe für den Angeklagten auch keinen Grund gegeben, an diesem Tag eine Waffe zu tragen. Sie fordert, den 59-Jährigen wegen vorsätzlicher Drohung und vorsätzlicher Übertretung des Jagdgesetzes/Betreten eines Jagdgebietes ohne ausreichenden Grund schuldig zu sprechen und ihn zu einer Busse von 5200 Franken zu verurteilen.

Keine Waffe gezogen

Vor Schranken sagt der Angeklagte: «Ich war aufgeregt, fluchte und fuchtelte mit den Händen herum. Ich habe zu ihr gesagt, so einen Hund sollte man erschiessen, sie müsse für alles bezahlen und mir ihre Adresse geben.» Als sie das nicht tat, habe er sich die Autonummer notiert. «Haben Sie Ihre Waffe gezogen?», fragt der Richter, was der Angeklagte verneint: «Nie.» Er begründet die Mitnahme der Waffe – das Magazin liess er im Auto – damit, dass er so allenfalls verletzte Tiere erlösen könne. Im besagten Gebiet gebe es einen Fuchsbau, junge Füchse seien schon angefahren worden.

Die klagende Hundehalterin hält an ihrer Aussage fest. «Er hat eine Waffe auf mich gerichtet und gefragt, ob er mich und meinen Hund erschiessen soll.» Sie habe versucht, sich mit ihm gütlich zu einigen. Es tue ihr leid, was passiert sei. Und wiederholt: «Es war eindeutig eine Pistole.»

Der Verteidiger plädiert auf Freispruch. «Mein Mandant hat zwar gesagt, der Hund sollte erschossen werden, dies ist aber keine Drohung gegen die Klägerin.» Er argumentiert weiter, der Angeklagte sei als Pächter des Jagdreviers berechtigt ja gar verpflichtet, die Waffe für einen allfälligen Fangschuss mitzutragen.

In dubio pro reo

Der Richter sprach den Angeklagten frei. «Es kann so oder so gewesen sein, nur die beiden waren dabei. Damit steht Aussage gegen Aussage.» Das mache rechtlich gesehen einen Freispruch nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» zwingend. Der Angeklagte habe zudem plausibel erklären können, wieso er die ungeladene Waffe getragen habe.