Freisinnige jubeln im Pfalzkeller am lautesten

Der Herbstblumenstrauss, den FDP-Wahlkampfleiter Sven Bradke der wieder gewählten Ständerätin Karin Keller-Sutter um 15.15 Uhr überreicht, ist zwar schön bunt, aber etwas «schmörzelig» in Anbetracht des glänzenden Resultats der Frau aus Wil.

Daniel Wirth
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Kollektives Warten: Alle harren der Bekanntgabe der Endresultate. (Bild: Michel Canonica)

Kollektives Warten: Alle harren der Bekanntgabe der Endresultate. (Bild: Michel Canonica)

Der Herbstblumenstrauss, den FDP-Wahlkampfleiter Sven Bradke der wieder gewählten Ständerätin Karin Keller-Sutter um 15.15 Uhr überreicht, ist zwar schön bunt, aber etwas «schmörzelig» in Anbetracht des glänzenden Resultats der Frau aus Wil. Zum Glück reicht da Staatssekretär Canisius Braun noch einen Blumenstrauss nach. Karin Keller-Sutter strahlt in die Kameras, derweil ihr Ehemann Morten auf Terrier Picasso aufpasst.

Ein Raunen geht durch den Pfalzkeller. Eine Gruppe Sozialdemokraten hätte wohl gerne von Canisius Braun gehört, dass Paul Rechsteiner rund 12 000 Stimmen mehr geholt hat als SVP-Ständeratskandidat Thomas Müller aus Rorschach.

Wie verhält sich jetzt die CVP?

Ein gefragter Mann bei den Medienschaffenden ist zu diesem Zeitpunkt Patrick Dürr, der Präsident der CVP-Kantonalpartei. Alle wollen von ihm wissen, ob und allenfalls mit wem die Christlichdemokraten im zweiten Wahlgang in den Ständerat antreten werden. Patrick Dürr gibt sich wortkarg.

Das grosse Warten

Derweil beginnt im Pfalzkeller das Warten auf das Endresultat der Nationalratswahlen. Mehrere hundert Personen haben sich im Calatrava-Gewölbe versammelt: Kandidaten, Parteifunktionäre und Journalisten. Nur wenige ganz normale Wähler haben an diesem nassen Wahlsonntag den Weg in den Pfalzkeller gefunden.

Längst ist nicht mehr Mineralwasser das beliebteste Getränk; Bier und Weisswein werden getrunken. Die Luft im Pfalzkeller wird immer stickiger.

«Es wird schwierig», flüstert Andrin Monstein, Kandidat der Jungen Grünliberalen, GLP-Nationalrätin Margrit Kessler ins Ohr, als diese den Pfalzkeller betritt. Die Patientenschützerin scheint nicht überrascht zu sein. Monsteins Analyse erweist sich wenig später als richtig: Margrit Kessler wird nach vier Jahren abgewählt. In der Niederlage beweist sie Grösse; Kessler akzeptiert ihre Abwahl ohne äusserliche Gefühlsregung. Am lautesten wird's, als Staatssekretär Braun verliest, dass die FDP einen Sitz im Nationalrat gewonnen hat. Zum zweiten Mal bricht an diesem Nachmittag Freisinn-Jubel aus. Marcel Dobler aus Jona, der die Wahl für viele Beobachter überraschend schafft, ist zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht da.

«Das hätte ich nicht gedacht»

Als er den Pfalzkeller wenig später betritt, schlägt ihm eine Gratulationswelle entgegen. «Das hätte ich nicht gedacht», sagt er immer wieder. Den Weg über den Ricken nicht geschafft hat Barbara Keller-Inhelder, die wie Dobler in Jona daheim und für die SVP neu in den Nationalrat gewählt worden ist. Apropos SVP: Zu den bekanntesten Abwesenden im Pfalzkeller zählen die klar wiedergewählten Toni Brunner und Lukas Reimann.

An der Olma und von der Olma

SVP-Mann Mike Egger soll sich dem Vernehmen nach an der Olma aufhalten. Olma-Direktor und CVP-Kandidat Nicolo Paganini dagegen wird von seiner Frau Katrin in den Pfalzkeller begleitet. Er muss Thomas Ammann aus Rüthi den Vortritt lassen, ist aber erster CVP-Ersatzkandidat und damit mit einem Bein in Bern. Die Rheintal-Fraktion feiert Thomas Ammann. Keinen Grund zum Feiern haben die Grünen: Yvonne Gilli, Wil, wird abgewählt. Sie erfährt viel Trost, nicht nur von Grünen. Freud und Leid sind nah beisammen.

Karin Keller-Sutter erhält zwei Blumensträusse für ihre Wiederwahl. (Bild: Michel Canonica)

Karin Keller-Sutter erhält zwei Blumensträusse für ihre Wiederwahl. (Bild: Michel Canonica)

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