«Freihof»-Varianten liegen vor

Seit Dienstag ist das Geheimnis endlich gelüftet. Die Arbeitsgruppe «Freihof – wohin?» präsentierte drei mögliche Nutzungen des alten Gebäudes. Bis März 2013 haben die Mörschwiler jetzt Zeit, ihre Lieblingsvariante zu wählen.

Corinne Allenspach
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Der «Freihof» heute: Seit 2001 im Besitz der Gemeinde, seit etwa sieben Jahren leer. (Bild: pd)

Der «Freihof» heute: Seit 2001 im Besitz der Gemeinde, seit etwa sieben Jahren leer. (Bild: pd)

MÖRSCHWIL. Um ein Haar wäre die Situation am Dienstag eskaliert. Es ist 21.45 Uhr, als Guido Schildknecht im Adlersaal vor rund 200 Mörschwilern das Wort ergreift. Er habe gedacht, Ruedi Baer sei der einzig richtige Mann für die Leitung der Arbeitsgruppe «Freihof – wohin?», sagt der pensionierte Landwirt. «Aber heute bin ich nicht zufrieden mit ihm.»

«Freihof» ist nicht Saurer

Schildknecht vergleicht den «Freihof» mit dem Saurer-Museum Arbon, dessen Leiter Baer ist. «In Mörschwil braucht es fünf Idealisten, und dann machen wir auch etwas Schönes», sagt Schildknecht. Gleichzeitig warnt er vor einem Abbruch des «Freihofs» und kündigt an, wenn nötig bis vor Bundesgericht zu gehen. Ruedi Baer bleibt ruhig. Beim Saurer-Museum, das er übrigens mit 60, nicht mit 5 Freiwilligen leite, gehe es darum, ein kulturelles Erbe zu erhalten. «Jemanden zu finden, der in einem alten Haus hilft, Böden abzuschleifen, ist ein völlig anderes Thema.» Und direkt an Schildknecht gerichtet: «Wenn Du sagst, Du gehst vor Bundesgericht, dann ist das Erpressung.» Spontanapplaus. «Guido hat vielleicht vergessen, dass an der Bürgerversammlung 2007 zwei Drittel für einen Abbruch waren», empört sich ein Mörschwiler. Erneut Applaus, bevor Kunsthistorikerin Elisabeth Keller beschwichtigt: «Ich bin dafür, dass wir jetzt nicht anfangen zu streiten.»

«Freihof» bewegt seit eh und je

Gemeindepräsident Paul Bühler hat es bereits in seiner Ansprache geahnt. «Der Grossaufmarsch heute zeigt, dass der <Freihof> wie eh und je bewegt.» Bis 1988 als beliebtes Restaurant, später als Unterkunft für Asylbewerber, seit Jahren als Streitobjekt und Dauerbrenner an der Fasnacht. Zuweilen fasnächtlich-amüsant ist es auch am Dienstag, als Ruedi Baer fast zwei Stunden in seinem Glarner Dialekt über das Vorgehen der Arbeitsgruppe informiert. Der Unternehmensberater, der 30 Jahre in Mörschwil gewohnt hat, entpuppt sich als begnadeter Alleinunterhalter, bringt das Publikum immer wieder zum Lachen und nimmt kein Blatt vor den Mund. So erinnert er mehrmals charmant, aber unmissverständlich daran, dass der heutige «Freihof» eine Schande für ein Dorf wie Mörschwil sei und spricht damit aus, was alle im Saal denken: Es muss endlich etwas passieren, die heutige Situation ist kein Zustand.

Schön allein genügt nicht

Seit November 2010 suchte die siebenköpfige Arbeitsgruppe nach möglichen Nutzungen. Über ein Hotel habe man nachgedacht, Alterswohnungen, ein Kulturzentrum, einen Neubau mit Wohnungen, sagt Baer. Bewertungskriterien seien unter anderem gewesen: Verkehrssicherheit mit Trottoir, maximale Belastung von drei Millionen Franken für die Gemeinde, die Möglichkeit, eine Mehrheit im Volk zu begeistern, und dass der Bau ins Ortsbild passt. Dazu gehöre nicht nur ein schönes Aussehen, sondern auch die Nutzung. «Mörschwil muss leben.» Zur optischen Umsetzung der drei «Best-Varianten» zog die Arbeitsgruppe drei Architekturbüros bei. Bevor Baer endlich das Geheimnis um die mögliche Zukunft des «Freihofs» lüftet, betont er: «Jetzt geht es nicht darum, ein Haus auszuwählen, sondern ein Konzept.» Es handle sich erst um Studien, nicht um baureife Projekte. Wie das Haus schliesslich aussehe, sei noch völlig offen.

In der Studie Martinez würden in einem etwas grösseren Neubau als heute neun altersgerechte Wohnungen für Einzelpersonen gebaut. In der Studie rlc wäre der Neubau kleiner, die Wohnungen dafür grösser, mit Gewerberäumen im Erdgeschoss. In der Studie Knill bleibt der «Freihof» aussen erhalten, ebenso der Saal, der als Kulturraum dienen könnte. Im gleichen Geschoss entstünde eine grosse Wohnung. Eine Mörschwilerin erhebt sich: «Ich danke der Arbeitsgruppe für ihre riesige Arbeit.» Spontanapplaus.

Studie rlc: Kleinerer Neubau mit Wohnungen im Ober- und Gewerbe im Erdgeschoss. (Bild: Visualisierung: Büro rlc)

Studie rlc: Kleinerer Neubau mit Wohnungen im Ober- und Gewerbe im Erdgeschoss. (Bild: Visualisierung: Büro rlc)

Studie Knill: «Freihof» erhalten, mit Wohnung, Saal für Kultur und Fussgänger-Passage. (Bild: Visualisierung: Büro Knill)

Studie Knill: «Freihof» erhalten, mit Wohnung, Saal für Kultur und Fussgänger-Passage. (Bild: Visualisierung: Büro Knill)

Studie Martinez: Grosser Neubau mit neun altersgerechten Kleinwohnungen. (Bild: Visualisierung: Büro Martinez)

Studie Martinez: Grosser Neubau mit neun altersgerechten Kleinwohnungen. (Bild: Visualisierung: Büro Martinez)